Ein Plakat mit dem "Let's go Brandon"-Schlachtruf ist bei einem College-Football-Spiel in den USA zu sehen (Archivbild).  | AP

"Let's go Brandon" Rätselhafter neuer Schlachtruf der Trump-Fans

Stand: 05.11.2021 02:47 Uhr

Der Spruch "Let’s go Brandon" ist plötzlich überall in den USA zu hören. Er wurde zum Codewort von Trump-Anhängern, um den Nachfolger ihres Idols zu verschmähen. Entstanden ist der Schlachtruf bei einem Autorennen.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Ein Nascar-Autorennen in Alabama Anfang Oktober. Der Rennfahrer Brandon Brown wird interviewt, während aus dem Trump-freundlichen Publikum lautstark der Schlachtruf "F* you, Biden" ertönt. Vermutlich unabsichtlich macht eine NBC Reporterin daraus "Let’s go Brandon".

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

Quasi über Nacht entstand so ein neuer Kampfruf für Trump-Anhänger. Damit können sie - verschlüsselt und somit völlig gefahrlos - ihrer Abscheu gegenüber Präsident Biden freien Lauf lassen.

Dank der sozialen Netzwerke und konservativer Sender wie Fox News verbreitet sich der Spruch "Let's go Brandon" seitdem wie ein Lauffeuer im rechten politischen Lager. In den Top Ten von iTunes haben sich bereits vier "Let's go Brandon"-Songs platziert. Der ehemalige Präsident Trump verkauft auf seiner Webseite "Let's go Brandon"-T-Shirts. Überall taucht der Schriftzug auf, auf Fahnen, Mützen und Schildern. Und selbst im Kongress wird kryptische Codewort verwendet.

"Ärger ist lauter und überall zu hören"

Wie kann es sein, dass ein derartiger Spruch plötzlich zum Schlachtruf für eine politische Bewegung wird? Mathew Demont, Geschichtsprofessor am Dartmouth College in New Hampshire, hat im AP-Interview eine einfache Antwort darauf: Aus Frustration.

Früher waren die Leute auch verärgert über ihre Präsidenten. Aber in den heutigen Internetzeiten ist dieser Ärger lauter und überall zu hören. Dazu kommt, dass die Leute nach 18 Monaten Pandemie einfach frustriert sind. Der Spruch ist auch deswegen so populär, weil sie damit auf witzige Art ihre Verachtung ausdrücken können.

Dazu kommt, dass sich die politische Stimmung in den vergangenen Wochen zu Ungunsten der Demokraten verändert hat. Die demokratische Partei ist zerstritten. Wegen zweier renitenter Demokraten bekommt Präsident Biden seine wichtigen Investitionsprojekte nicht durch den Kongress. Obendrauf die bittere Schlappe bei der Gouverneurswahl in Virginia und die fast-Niederlage in New Jersey.

Biden-Beschimpfer haben ihr Ziel schon erreicht

Das lässt auch den einen oder anderen unzufriedenen US-Bürger miteinstimmen - in den "Let’s go Brandon"-Chor, bestätigt Stanley Renshon, Politikwissenschafter an der Cuny Universität in New York im AP-Interview.

Biden kämpft gegen einen Glaubwürdigkeitsverlust. Keine Regierung kann überleben - und schon gar keine Demokratie - wenn die Leute kein Vertrauen mehr haben in ihre Institutionen. Der Spruch ist die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs.

Und während Journalisten, Wissenschaftler und Politiker noch darüber debattieren, ob "Lets go Brandon" in die Kategorie "hate speech" fällt, haben die Biden-Beschimpfer schon ein Ziel erreicht: sie haben jede Menge Aufmerksamkeit erzeugt.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 05. November 2021 um 10:21 Uhr.