Die Sonne scheint bei Morgendämmerung auf das US-Kapitol in Washington (Archivbild). | dpa

Sexuelle Belästigung im Job US-Gesetz beendet Einigungs-Zwang

Stand: 11.02.2022 10:36 Uhr

Der US-Kongress hat ein wegweisendes Gesetz gegen sexuelle Belästigung im Job gebilligt. Arbeitgeber können nun Betroffene nicht mehr zu außergerichtlichen Einigungen mit den Tätern zwingen.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Bisher herrschte im Arbeitsleben der USA eine Praxis, die gang und gäbe war. Arbeitsverträge enthalten Klauseln, die Opfer sexueller Belästigung am Arbeitsplatz zu außergerichtlichen Einigungen zwingen. Ein Verfahren, das für den Arbeitgeber überaus praktisch ist, denn Vorwürfe sexueller Übergriffe bleiben unter der Decke und werden nicht öffentlich gemacht.

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

Das gehört nun der Vergangenheit an. Das vom US-Kongress verabschiedete neue Gesetz verbietet diese Klauseln im Arbeitsvertrag. Das sei eine enorme Errungenschaft für die MeToo-Bewegung, sagte New Yorks Senatorin Kirsten Gillibrand, die das Gesetz mit vorangetrieben hatte. Das Gesetz werde dabei helfen, ein kaputtes System zu reparieren, das Täter und Unternehmen schütze, und es werde dem Mundtotmachen von Betroffenen ein Ende setzen. 

Ungewöhnliche Einigkeit

Gillibrand sprach von einer der wichtigsten Arbeitsplatzreformen in der US-Geschichte. Endlich könnten die Betroffenen vor Gericht ziehen. "Betroffene sexueller Übergriffe werden nicht länger gesagt bekommen, es sei ihnen rechtlich verboten, wegen einer Schlichtungsklausel in ihrem Arbeitsvertrag ihren Arbeitgeber zu verklagen", sagte die Senatorin.

Bemerkenswert ist, dass das neue Gesetz auch rückwirkend gilt. Klauseln in bestehenden Verträgen sind ungültig. Bemerkenswert ist auch, dass Demokraten und Republikaner sich bei dieser Initiative ausnahmsweise mal einig waren.

Gillibrand hat bei dem Gesetzentwurf eng mit ihrem republikanischen Kollegen zusammengearbeitet, dem erzkonservativen Senator Lindsay Graham. Frauen und Männer hätten nun die Chance, anders gehört zu werden, sagte der Republikaner. "Das ist überfällig. Und die Geschäftswelt wird professioneller werden."

"Gesetze sind das Einzige, das Bestand hat"

Auch eine Betroffene sexueller Übergriffe hatte sich für das Gesetz stark gemacht. Die ehemalige Fox News Moderatorin Gretchen Carlson wurde von ihrem inzwischen verstorbenen Chef belästigt. Als sie seine Avancen nicht erwiderte, schadete dies ihrer Karriere.

Sie sagte, sie hätte sich nie vorstellen können, dass daraus mal etwas Gutes entstehen würde. "Auf den Straßen zu marschieren kann uns inspirieren. Leitartikel können uns den Verstand öffnen. Hashtags können mobilisieren, aber Gesetze sind das Einzige, das Bestand hat."

Teure Gerichtsverfahren?

Firmenverbände reagierten skeptisch auf die Reform und sagten langwierige und teure Gerichtsverfahren voraus. Aktivisten der MeToo-Bewegung jedoch werteten die neue Richtlinie als Meilenstein. Und als ein Gesetz, das den Umgang mit sexuellen Übergriffen in Politik, Wirtschaft und Showbusiness verändern wird - weit über die Grenzen der USA hinaus.

Über dieses Thema berichtete der Mitteldeutsche Rundfunk am 11. Februar 2022 um 10:51 Uhr.