Trump-Anhänger erstürmen das Kapitol in Washington. | REUTERS

Anhörungen zum Sturm auf US-Kapitol Live dabei - außer bei Fox News

Stand: 09.06.2022 17:46 Uhr

Ein Jahr lang hat der Untersuchungsausschuss zum Sturm aufs US-Kapitol im Januar 2021 recherchiert, nun beginnen die öffentlichen Anhörungen. Alle Sender übertragen live - außer Fox News.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Um Punkt 20 Uhr Ortszeit - zur besten Sendezeit in Washington - beginnt die erste von voraussichtlich sechs Anhörungen im Untersuchungsausschuss zur Kapitol-Erstürmung am 6. Januar. Bis auf den konservativen Sender Fox News übertragen alle US-Nachrichtensender das TV-Spektakel live.

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

Rekonstruktion des Tages

Ziel der öffentlichen Anhörungen ist es, die US-amerikanischen Fernsehzuschauer davon zu überzeugen, dass die Anhängerinnen und Anhänger des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump am 6. Januar 2021 versucht haben, die Präsidentenwahl 2020 gewaltsam zu kippen.

Gezeigt werden sollen unter anderem aufgezeichnete Interviews mit Zeugen, Live-Testimonials und teilweise erschütternde Videos, die die Ereignisse des Tages chronologisch nachzeichnen und den blutigen Sturm auf das Kapitol dokumentieren.

Tausende Zeugen, Videos und Dokumente

Der Untersuchungsausschuss - bestehend aus sieben Demokraten und zwei Republikanern - hat seit Juli des vergangenen Jahres etwa 1000 Zeugen befragt, Tausende Stunden Videomaterial gesichtet und mehr als 100.000 Dokumente durchforstet. Im September will der Ausschuss seinen Bericht vorlegen.

Erst vor zwei Tagen wurde öffentlich, dass Ex-Präsident Trump damals versucht hatte, den Secret Service zu bewegen, ihn zu begleiten, damit er gemeinsam mit seinen Anhängern zum Kapitol marschieren könnte. Die Polizeibehörde von Washington hatte dies jedoch rundweg abgelehnt.

Schwarzer Tag in der US-Geschichte

Der Sturm auf das Kapitol gilt als schwarzer Tag in der Geschichte der US-Demokratie. Er erschütterte das Land. Im Zuge der Gewalt kamen fünf Menschen ums Leben, darunter ein Polizist. Nach Einschätzung des Parlamentsausschusses hatte Trump über Monate durch seine unbelegten Behauptungen über einen angeblichen Wahlbetrug die Grundlage geschaffen. 

Hunderte Trump-Anhängerinnen und -anhänger hatten dann das Kapitol gestürmt, als dort Bidens Wahlsieg zertifiziert werden sollte. Trump hatte auch an diesem Tage die Falschbehauptung verbreitet, er sei durch Wahlbetrug um eine zweite Amtszeit gebracht worden. Er rief sodann seine Sympathisantinnen und Sympathisanten zum Marsch auf das Parlamentsgebäude auf.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 08. Juni 2022 um 05:15 Uhr.