US-Soldaten an einem Evakuierungskontrollpunkt am Flughafen in Kabul (Afghanistan) | via REUTERS

USA und Afghanistan Ein Krieg, den Biden nicht los wird

Stand: 30.08.2021 17:14 Uhr

Eine belastbare Strategie für die Zeit nach dem Abzug der US-Streitkräfte hat Präsident Biden bislang nicht präsentiert. Es scheint, als ob der längste Krieg der USA das Land noch lange begleiten wird.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Vier Monate können eine lange Zeit sein. Mitte April hatte US-Präsidente Joe Biden den Truppenabzug aus Afghanistan konkret gemacht - und das scheint nun eine Ewigkeit her zu sein. "Statt wieder Krieg gegen die Taliban zu führen, sollten wir uns auf die Herausforderungen konzentrieren, die vor uns liegen", sagte Biden damals.

Katrin Brand ARD-Studio Washington

Nun zeigt sich: Afghanistan bleibt eine Herausforderung, die vor Biden liegt, und zwar genau wegen seines Truppenabzugs. Dass dieser Abzug schwierig werden könnte, taucht in Bidens Rede von damals nicht auf. Und eine belastbare Strategie für die Zeit danach scheint es auch nicht gegeben zu haben. Die USA, so kündigte Biden zum Beispiel an, werden sich auch weiterhin diplomatisch und humanitär in Afghanistan engagieren.

Von Versprechungen wenig übrig geblieben

Die Regierung werde weiter unterstützt, genauso wie die afghanischen Sicherheitskräfte, sagte Biden. Und besonders den Frauen und Mädchen versprach er, weiter ihre Rechte zu schützen, zum Beispiel durch Entwicklungshilfe. Davon ist wenig übrig geblieben. Die Regierung? Gibt es nicht mehr. Die Streitkräfte? Haben sich aufgelöst. Die US-Botschaft? Ist abgezogen. Und internationale Gelder sind eingefroren.

Er erwarte, dass die USA das afghanische Volk weiterhin großzügig unterstützen werden, sagte Ned Price, Sprecher des Außenministeriums Ende vergangener Woche. Es gebe Möglichkeiten, an den Taliban vorbei Geld ins Land zu bringen. Präsident Biden habe gerade erst 500 Millionen Dollar für Binnenflüchtlinge in Afghanistan freigegeben.

Joe Biden | AP

Wird es US-Präsident Joe Biden gelingen, seine Versprechen für Afghanistan zu halten? Bild: AP

Was wird aus der Terrorbekämpfung?

Und was wird mit der Terrorbekämpfung, wenn es keine mehr im Land gibt? "Wir werden unsere Anti-Terror Fähigkeiten in der Region reorganisieren, um von außerhalb die Rückkehr der terroristischen Bedrohung für die Heimat zu verhindern", kündigte Biden im April an, und schon damals warnte sein CIA-Direktor William Burns: Die Fähigkeit der US-Regierung, Erkenntnisse zu sammeln und auf Bedrohungen zu reagieren werde sich mit dem Truppenabzug verringern. Das sei eine Tatsache.

Damit dürfte es für Biden schwierig werden, sein Versprechen vom Donnerstag einzulösen, nämlich die Verantwortlichen für den Terroranschlag zur Rechenschaft zu ziehen. Die Möglichkeiten, zum Beispiel von außerhalb des Landes Drohnen zu starten, sind begrenzt.

Nur ein bisschen Vergeltung?

Vielleicht könnten die USA ein bisschen Vergeltung bekommen, indem sie ein paar IS-Kämpfer töten, meinte etwa Adam Kinzinger, Abgeordneter der Republikaner und selbst Ex-Militär. Aber: "Wenn man sich unseren erfolgreichen Kampf gegen den IS im Irak und Syrien anschaut, da hatten wir Leute, die in die örtlichen Streitkräfte eingebettet waren", so Kinsinger bei CNN.

Genau das fehlt künftig in Afghanistan. Biden wollte den längsten Krieg der USA beenden, um sich besser um Cyberangriffe um China und Russland kümmern zu können. Aber er wird ihn diesen längsten Krieg, so scheint es, noch lange nicht los.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. August 2021 um 17:00 Uhr.