US-Präsident Joe Biden äußert sich im August 2021 im Weißen Haus zur Rettungsmission in Afghanistan.

Krise in Afghanistan Biden hält an Frist für Rettungsmission fest

Stand: 25.08.2021 06:59 Uhr

In knapp einer Woche soll die Evakuierungsmission der USA in Afghanistan enden. Präsident Biden begründet das mit der Sicherheit der Truppen. Doch hinter dem Zeitlimit steht auch innenpolitischer Druck.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Alles sei darauf ausgerichtet, am 31. August endgültig aus Afghanistan abzuziehen, betonte US-Präsident Joe Biden. Der Forderung von Mitgliedsstaaten der G7 und der NATO, die Zeit für Evakuierungen aus dem Land zu verlängern, hatte er sich bei einer Videokonferenz widersetzt. "Jeder zusätzliche Tag bringt zusätzliche Risiken für unsere Truppen", so Biden - und die wolle er nicht eingehen.

Arthur Landwehr ARD-Studio Washington

Ein Desaster für Bidens Regierung

Der chaotische Abzug sowie die praktisch kampflose Übernahme der Macht durch die Taliban sind zudem schon jetzt ein Desaster für Bidens Regierung. Dass dabei hochmoderne Waffen in die Hände der Taliban gefallen sind, verschlimmert die öffentliche Wirkung noch einmal dramatisch.

Und die Diskussion darüber, wie und bis wann man Amerikaner und afghanische Ortskräfte in Sicherheit bringen kann, macht die Abhängigkeit von den Taliban überdeutlich. "Die Taliban haben Schritte unternommen, uns dabei zu helfen, unsere Leute rauszubringen. Aber es ist eine angespannte Situation", sagte Biden weiter, die mit jedem Tag neue Risiken für die Regierung mit sich bringe.

Sorge vor Terroranschlägen

Darüber hinaus nennt Biden die Sorge, dass es zu Terrorangriffen kommen könnte - vor allem vonseiten eines afghanischen Ablegers der Terrormiliz "Islamischer Staat", der selbst mit den Taliban verfeindet ist. "Je länger wir bleiben, desto größer das Risiko eines Angriffs durch eine Gruppe, die sich 'IS-K' nennt", sagte Biden.

Einziges Zugeständnis an die Forderung nach mehr Zeit: Außen- und Verteidigungsministerium sollen alternative Zeitpläne entwickeln, damit diese vorliegen, wenn man sie braucht.

Druck durch den Streitpunkt Einwanderung

Wie sehr Präsident Biden innenpolitischen Druck fürchtet, der aus dieser verfahrenen Situation erwächst, macht ein Element seines Statements deutlich:

Jeder, der kein US-Bürger oder legaler Einwohner ist, wird genau überprüft.

Ungeregelte Einwanderung ist eine Achillesferse der ersten Regierungsmonate. Hier droht die Gefahr, dass der politische Gegner dies mit dem Afghanistan-Abzug verknüpft - und das nur gut ein Jahr vor den Kongresswahlen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. August 2021 um 09:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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wenigfahrer 25.08.2021 • 09:37 Uhr

Auch wenn

ich wieder viel Gegenwind bekommen werde, Biden war für mich weder vor und nach der Wahl der Große Wurf. Das hat aber nichts mit der jetzigen Situation zu tun, die USA machen was sie immer machen, egal welcher Präsident am Werk ist. Trump war nicht gut, und wir sollten mal aufhören immer den Anhänger zu spielen, wir müssen einiges aufarbeiten, besonders was Auslandseinsätze betrifft.