US-Präsident Donald Trump | AP

100 Tage ohne Trump Auf der Suche nach Applaus

Stand: 30.04.2021 08:43 Uhr

Auch 100 Tage nach dem Ende seiner Amtszeit beschwört Trump seine Theorie vom Wahlbetrug. Er kritisiert die Politik seines Nachfolgers Biden und erinnert an die eigenen Erfolge. Nicht mehr per Tweet, sondern in E-Mails.

Von Jule Käppel, ARD-Studio Washington

"Vermisst ihr mich schon?", fragt Donald Trump im Smoking die Hochzeitsgäste von John und Megan. Das frisch verheiratete Paar feierte Ende März in Trumps Luxus-Anwesen in Florida ihre Hochzeit. Der Hausherr schnappte sich das Mikro, stellte sich vor die Band und sprach: über sich.

Jule Käppel ARD-Studio Washington

Mit 66 Millionen Stimmen sei die Wahl gewonnen, hätte man ihm gesagt, erzählt Trump. Er habe 75 Millionen Stimmen erhalten und ergänzt: "Ihr habt ja gesehen, was passiert ist." Noch immer behauptet Trump, "seltsame Dinge" seien passiert und lügt, die Wahl sei gefälscht worden.

Trotzdem lebt seine Theorie vom Wahlbetrug in Arizona gerade wieder auf - womöglich, weil sie das Letzte ist, was die Republikaner zusammenschweißt. Sie zählen im Grand-Canyon-Staat rund zwei Millionen Stimmen nach - und das fast ein halbes Jahr nach der Präsidentschaftswahl. Dort hatten die Demokraten knapp den Sieg errungen.

In einem schriftlichen Statement freute sich Trump über diese Initiative. "So viele Menschen möchten den tapferen und patriotischen republikanischen Senatoren aus Arizona für die unglaubliche Arbeit danken, die sie tun, um den großangelegten Wähler-Betrug der Präsidentschaftswahl 2020 aufzudecken", hieß in dem Schreiben des Ex-Präsidenten. "Ich prophezeie, dass die Ergebnisse verblüffend sein werden."

E-Mail statt Twitter

Nach der Twitter-Sperre verbreitet der Ex-Präsident seine Botschaften nun per Mail. Oben die große Überschrift: "Statement von Donald J. Trump, 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika". Darunter das, was er loswerden möchte. Sein Oster-Gruß etwa klang so: "Frohe Ostern euch allen - auch den radikal-linken Verrückten, die unsere Präsidentschaftswahl manipuliert haben und unser Land zerstören wollen!"

In seinen Mails kommentiert er auch die Oscars: zu politisch korrekt und langweilig. Er wünsche sich, dass sich alle daran erinnern mögen, wer den Impferfolg ermöglicht habe: er.

Und Trump zeigt in den Statements, welche Parteimitglieder er unterstützt oder ablehnt. Auch ohne Amt können seine Worte Karrieren beflügeln oder beenden. Hochrangige Republikaner pilgern nach Florida zu ihrem wichtigsten Wahlhelfer und spielen mit ihm Golf. Für eine erfolgreiche Zwischenwahl der Republikaner im kommenden Jahr ist Trump unerlässlich. Obwohl die Zustimmungswerte für ihn im eigenen Lager leicht sinken.

Präsidentschaftskandidat im Jahr 2024?

Unzufrieden ist der ehemalige Präsident erwartungsgemäß mit der Politik seines Nachfolgers. Er kritisiert die Steuerpläne von Joe Biden, die angeblich offene Grenze zu Mexiko sowie das unterkühlte Verhältnis zu Russland. Er wisse nicht, ob Joe erkenne, was da laufe, sagte Trump im Fernseh-Interview auf "Fox News".

Es gebe einen Klüngel, behauptet Trump, eine Gruppe von Menschen, die dem Präsidenten sage, er sollte dieses oder jenes tun. Auf die Frage, ob er, Trump, 2024 als Präsidentschaftskandidat antreten will, reagierte er ausweichend. "Bis dahin vergeht noch viel Zeit", sagte Trump.

Bei anderen Gelegenheiten wagte er sich bereits weiter vor, wenn auch nur etwas. Er verkündete optimistisch, dass bei der kommenden Präsidentschaftswahl auf jeden Fall ein Republikaner ins Weiße Haus einziehen werde. Eine Aussicht, für die er aus den eigenen Reihen lauten Applaus erntet - und den liebt Trump nach wie vor.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. April 2021 um 06:31 Uhr.