US Marines bearbeiten Evakuierte, während sie das Evakuierungskontrollzentrum am Hamid Karzai International Airport in Kabul, Afghanistan durchlaufen. | via REUTERS

US-Abzug aus Afghanistan Verteidigungsminister räumt Fehler ein

Stand: 28.09.2021 19:21 Uhr

"War es perfekt? Nein, natürlich nicht": Beim Afghanistan-Abzug haben die USA Fehler gemacht - das hat Verteidigungsminister Austin eingestanden. Zugleich warnte er vor einer neuen Gefahr durch IS und Al Kaida.

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hat den Abzug des US-Militärs aus Afghanistan Ende August verteidigt - gleichzeitig aber auch Fehler bei der Evakuierungsmission eingestanden. "Die Taliban hatten deutlich gemacht, dass ihre Zusammenarbeit am 1. September enden würde", sagte Austin bei einer Anhörung im Senat zu dem Thema. Vor allem die ersten beiden Tage der militärischen Evakuierungsmission seien schwierig gewesen. Innerhalb von 48 Stunden habe man die Lage aber unter Kontrolle bekommen.

"War es perfekt? Nein, natürlich nicht", sagte Austin.

Er räumte ein, man habe das Ausmaß der Korruption und der schlechten Führung auf der afghanischen Seite nicht erkannt. Auch habe man nicht gesehen, dass die Vereinbarung von Doha mit den Taliban die afghanischen Streitkräfte demoralisiert habe.

Fehleinschätzungen des Militärs

Auch Generalstabschef Mark Milley räumte Fehleinschätzungen ein und warnte zudem vor einer Terrorgefahr. "Es ist klar, es ist offensichtlich, dass der Krieg in Afghanistan nicht zu den Bedingungen geendet hat, die wir wollten", sagte er. Dass Terrorgruppen wie der "Islamische Staat" (IS) oder Al Kaida von Afghanistan aus versuchen könnten, die USA anzugreifen, sei eine "sehr reale Möglichkeit".

Milley hatte den damaligen Präsidenten Donald Trump und seinen Nachfolger Joe Biden eigenen Angaben nach vor den Gefahren eines schnellen Abzugs gewarnt. Er betonte, dass er bereits im Herbst 2020 davor gewarnt habe, dass ein zu schneller Abzug der Truppen aus Afghanistan die Gefahr einer "vollständigen Übernahme durch die Taliban" berge oder zu einem "allgemeinen Bürgerkrieg" führen könnte.

Den so raschen Zusammenbruch des afghanischen Militärs und der Regierung habe man aber "absolut" nicht kommen sehen, sagte Milley. Geheimdienste hätten eine Machtübernahme der Taliban im Spätherbst oder Winter erwartet, vielleicht auch im kommenden Frühjahr.

Lloyd Austin | AP

Lloyd Austin sagte, man habe unter anderem das Ausmaß an Demoralisierung und Korruption auf afghanischen Seite verkannt. Bild: AP

Militäreinsatz endete nach fast 20 Jahren

Die letzten US-Truppen hatten Afghanistan Ende August verlassen. Damit endete der internationale Militäreinsatz in dem Land nach fast 20 Jahren - auch die militärische Evakuierungsmission war damit beendet worden. Inmitten des Evakuierungseinsatzes wurden bei einer Terrorattacke vor dem Flughafen von Kabul Dutzende Afghanen und 13 US-Soldaten getötet.

Der mit den radikal-islamistischen Taliban verfeindete IS reklamierte den Angriff für sich. Die Taliban hatten Mitte August die Macht in Kabul übernommen.

"Die Umstände im August waren alles andere als ideal: extreme Hitze, ein (...) Land ohne Regierung, eine höchst dynamische Situation vor Ort und eine (...) tödliche terroristische Bedrohung", sagte Austin. Man arbeite nun noch immer daran, Amerikanerinnen und Amerikaner sowie afghanische Ortskräfte aus dem Land zu holen.

Über dieses Thema berichteten am 28. September 2021 Deutschlandfunk um 05:25 Uhr sowie BR24 um 11:33 Uhr und 19:36 Uhr.

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KOMMENTARE

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Bauer Tom 29.09.2021 • 00:16 Uhr

@État DE gauche

Ihr Kommentar: "Bezüglich der Möglichkeiten Afghanistans waren die US-Präsidenten Carter und Reagan realistisch. Ihre Amtsnachfolger nicht.Der Realismus führte zum Sieg." Von welchem Sieg sprechen Sie? Habe ich da was verpasst? Wer hat wo gesiegt?