Eine Frau desinfiziert ein Großraumbüro in Wuhan | AFP

Bericht der US-Geheimdienste Corona-Ursprung bleibt ungeklärt

Stand: 28.08.2021 01:27 Uhr

Auch die US-Geheimdienste konnten die Frage nach dem Ursprung des Coronavirus nicht abschließend klären. In ihrem mit Spannung erwarteten Bericht nennen sie zwei Hypothesen - und verlangen mehr Transparenz von Peking.

Rund drei Monate lang hatten US-Geheimdienste im Auftrag von US-Präsident Joe Biden zum Ursprung des Coronavirus recherchiert. Jetzt liegt ihr Bericht vor - doch zu einem eindeutigen Ergebnis sind sie nicht gekommen. Ob das Virus aus einem Labor stamme oder von einem Tier auf den Menschen übergesprungen sei, sei offen, hieß es. Beides seien "plausible Hypothesen".

Vier US-Geheimdienste tendieren laut dem Bericht zu dem Schluss, dass die Pandemie auf eine Virusübertragung von Tier zu Mensch zurückgeht. Zwei andere Geheimdienste gehen dagegen davon aus, dass ein Laborunfall zu der Pandemie führte. Analysten in drei anderen Diensten wiederum konnten keine der beiden Theorien ausschließen.

Konsens gibt es darüber, dass die chinesischen Behörden vor dem ersten Ausbruch von Covid-19 keine Kenntnis von dem Virus gehabt hätten. Die Geheimdienste gehen zudem davon aus, dass das Virus nicht als biologische Waffe entwickelt worden sei.

Peking zur Mitarbeit aufgefordert

Einigkeit herrscht bei den Nachrichtendiensten auch darüber, dass genauere Schlussfolgerungen nur möglich seien, wenn weitere Informationen zur Verfügung gestellt werden. Dafür brauche man vor allem die Unterstützung Chinas. Sie schreiben: "Peking behindert jedoch weiterhin die globalen Ermittlungen, weigert sich, Informationen auszutauschen und beschuldigt andere Länder, darunter auch die Vereinigten Staaten."

Biden: "Die Welt verdient Antworten"

Der US-Präsident hatte im Mai amerikanische Geheimdienste damit beauftragt, dem Ursprung der Corona-Pandemie auf den Grund zu gehen. Er hatte diese damals angewiesen, binnen 90 Tagen einen weiteren Bericht dazu vorzulegen. In einer ersten Analyse waren die Geheimdienste bereits zu unterschiedlichen Einschätzungen gekommen.

"Die Welt verdient Antworten, und ich werde nicht ruhen, bis wir sie bekommen", reagierte Biden auf den Bericht. Daher werde man China auch weiter dazu drängen, entsprechende Informationen bereitzustellen.

Wuhan war Ausgangspunkt der Pandemie

Die Corona-Pandemie hat mittlerweile weltweit rund 4,5 Millionen Todesopfer gefordert, die an oder mit Covid-19 gestorben sind. Sie hatte Ende 2019 in der chinesischen Stadt Wuhan ihren Ausgang genommen. Schon bald war darüber spekuliert worden, dass das Virus bei einem Unfall aus dem Institut für Virologie in Wuhan entwichen sein könnte, in dem an Coronaviren geforscht wird. Die chinesische Regierung bestreitet dies energisch.

Erst im Januar dieses Jahres konnte ein Team internationaler Experten im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Wuhan besuchen - mehr als ein Jahr nach Entdeckung des Virus. Ihr Bericht wurde Ende März veröffentlicht, lieferte aber auch keine klaren Ergebnisse. Die sogenannte Labor-Theorie stuften die WHO-Experten als "extrem unwahrscheinlich" ein. An der Untersuchung und dem Bericht wurden aber schnell Zweifel laut. Viele Länder äußerten Besorgnis darüber, dass den internationalen Experten bei ihrer Untersuchung in China Zugang zu wichtigen Daten verwehrt worden sei.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. August 2021 um 12:00 Uhr.