UN-Botschafterin Linda Thomas Greenfield spricht in der UN-Vollversammlung in New York. | REUTERS

UN-Vollversammlung zu Ukraine Hoffen auf Geschlossenheit

Stand: 24.03.2022 03:33 Uhr

Es war nicht gelungen, sich auf einen Text zu einigen: Die UN-Vollversammlung wird heute über zwei Resolutionen zur humanitären Situation in der Ukraine abstimmen. Die Mehrheit der Diplomaten hofft auf ein eindeutiges Signal an Russland.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Je mehr Zuschauer es gebe, umso weniger fühle sich jeder Einzelne persönlich verantwortlich - mahnte der UN-Botschafter der Ukraine, Sergej Kyslytsya. Die Weltgemeinschaft dürfe nicht teilnahmslos zusehen. Die Ukraine bittet sie um ein deutliches Zeichen: Eine Resolution, die sich um die humanitären Folgen dieses Krieges dreht - die sich aber auch ganz klar an Russland als den Aggressor richtet. Dessen Gesandter Wassili Nebensja tat die Notfallsitzung als erneute politische Anti-Russland-Show ab.

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Sorge vor globaler Hungerkrise

Die Resolution, um die es geht,  verlangt unter anderem "die sofortige Einstellung der Feindseligkeiten der Russischen Föderation gegen die Ukraine". Insbesondere alle Angriffe auf Zivilisten. Moskau müsse seine Streitkräfte unverzüglich aus der Ukraine zurückziehen, Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser müssten aufhören.

In der Resolution wird auch die Sorge vor einer globalen Hungerkrise ausgedrückt, weil so viele Getreideexporte aus der Ukraine fehlen. Zwei Dutzend Diplomaten aus allen Teilen der Welt haben daran mitgeschrieben - auch Deutschland. UN-Botschafterin Antje Leendertse mahnte: Ein Viertel der Bevölkerung in der Ukraine sei bereits von ihrem Zuhause vertrieben worden.

Tausende Flüchtende aus der Ukraine

Tag für Tag kommen Tausende Kinder in Warschau, in Moldawien, in Berlin an. Werden sie ihre Freunde und Väter jemals wiedersehen? Deutschland und die Europäische Union würden weiterhin alle Flüchtenden aus der Ukraine aufnehmen - ungeachtet ihres Herkunftslandes.

UN-Botschafterin Leendertse appellierte an die Staaten: "Aber der effektivste Weg gegen politische Instabilität, humanitäre Krisen und weltweite Nahrungsunsicherheit ist es jetzt, Russland gemeinsam laut und klar entgegenzurufen: Stoppt diesen Krieg."

Resolution Russlands im Sicherheitsrat gescheitert

Moskau hatte stattdessen in einer Gegenaktion versucht, eine eigene humanitäre Resolution im mächtigen Sicherheitsrat einzubringen - allerdings ohne die militärische Invasion zu erwähnen, die die Krise verursacht hat. Erwartungsgemäß scheiterte der Plan mangels Mehrheit. Lediglich China stimmte zu. Diplomaten sehen in der Aktion eine reine Propagandamaßnahme.

Washingtons UN-Botschafterin Linda Thomas Greenfield betonte in der UN-Vollversammlung:

Wir müssen hier den Mut zur Wahrheit haben. Dieser Krieg kam nicht aus dem Nichts. Diese Humanitäre Krise folgt keiner Naturkatastrophe - sie ist menschengemacht. Wer etwas dagegen tun will, muss sich darüber klar werden.

Südafrikanischer Gegenentwurf zur Resolution

Wer das nicht tue, erlaube es dem Aggressor, sich hinter einer wagen Sprache zu verstecken und behaupte später, er habe versucht zu helfen. Worte, die auch an Südafrika gerichtet waren. Das Land bringt noch einen Gegenentwurf  zur Resolution ein. Darin wird Russland nicht beschuldigt. Die Version könnte einige Länder in die Zwickmühle bringen, die den Krieg eigentlich verurteilen, aber Angst davor haben, Moskau zu verärgern.

Die Hoffnung der Mehrheit ist es jedoch, dass heute möglichst viele Länder für die eigentliche humanitäre Resolution stimmen, in der Russland klar benannt wird. Das wäre zwar lediglich ein Signal - aber ein deutliches, hoffen Diplomaten.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 24. März 2022 um 06:05 Uhr.