Landwirte versprühen Pestizide auf einem Feld in China. | dpa

Weniger Umweltverschmutzung Neue UN-Strategie gegen das Artensterben

Stand: 12.07.2021 17:46 Uhr

Plastikmüll, Düngemittel, Flächenverlust: Die Gründe für das alarmierende Artensterben sind vielfältig. Mit einem neuen Abkommen wollen die UN dem Problem begegnen - doch der Entwurf steht bereits in der Kritik.

Ein neues internationales Abkommen soll den dramatischen Verlust von Arten und ihrem Lebensraum bremsen oder möglichst sogar stoppen. Der erste Entwurf dazu wurde nun von den Vereinten Nationen veröffentlicht. Er sieht unter anderem vor, ansteigend bis 2030 mindestens 30 Prozent der für die Biodiversität besonders wichtigen Landflächen und Meere zu bewahren und zu schützen.

Die knapp 200 Vertragsstaaten der UN-Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) sollen das Abkommen auf der 15. UN-Biodiversitätskonferenz (COP 15) im Oktober im chinesischen Kunming beschließen. Ziel der neuen Strategie ist es, bis 2050 zu erreichen, "im Einklang mit der Natur zu leben".

"Politisches Handeln ist dringend erforderlich"

Der Text des Abkommens soll über den Sommer weiter verhandelt und auf der Konferenz beschlossen werden. Allerdings haben sich die Vertragsstaaten schon früher ehrgeizige Ziele gesetzt und nicht eingehalten. So wurden bereits die bis 2020 festgelegten Vorgaben verfehlt, wie der bilanzierende Bericht zum Zustand der Biodiversität in dem Jahr feststellte.

"Politisches Handeln ist global, regional und national dringend erforderlich, um die wirtschaftlichen, sozialen und finanziellen Modelle zu transformieren", sagte die Leiterin des Sekretariats der UN-Konvention, Elizabeth Maruma Mrema, bei der Vorlage des Entwurfs. Ziel müsse sein, die Trends, die den Verlust der Biodiversität verstärkten, bis 2030 zu stabilisieren. In den folgenden zwei Jahrzehnten müsse dann eine Erholung der Ökosysteme ermöglicht werden, um bis 2050 unterm Strich Verbesserungen zu erreichen.

WWF hält Ziele für nicht ambitioniert genug

Die Umweltstiftung WWF kritisierte die Pläne als unzureichend. Der Entwurf für eine neue Strategie im Kampf gegen den Verlust von Arten und Lebensraum sei nicht ambitioniert genug, sagte Biodiversitäts-Experte Florian Titze der Nachrichtenagentur dpa. "Die enthaltenen Ziele würden nicht ausreichen, um das Artensterben weltweit bis 2030 zu stoppen."

Der ökologische Fußabdruck des Konsums und der Produktion werde damit nicht weit genug reduziert. "Mindestens eine Halbierung wäre bis 2030 notwendig." Dazu gehöre auch die Nahrungsmittelproduktion - ein Thema, bei dem der Entwurf "deutlich zu schwach" sei. "Die Transformation zu nachhaltigen Wirtschafts- und Finanzsystemen ist grundsätzlich viel zu wenig im Fokus", so Titze. "Klar ist: Wenn weiter im großen Stil in die Zerstörung der Natur investiert wird, dann helfen auch ambitionierte Flächenschutzziele nichts."

Risiko von Pandemien soll verringert werden

Wegen des Ausbruchs des Coronavirus war die ursprünglich im Herbst 2020 geplante Biodiversitätskonferenz in Kunming verschoben worden und soll jetzt vom 11. bis 24. Oktober stattfinden. Im Mittelpunkt steht der alarmierende Rückgang der biologischen Vielfalt weltweit. Durch den Verlust an Lebensräumen, Arten und auch genetischer Vielfalt verarmt nicht nur die Natur, auch die Lebensgrundlage der Menschheit ist bedroht. Wie das Risiko von Pandemien auch über Naturschutz und den Erhalt der biologischen Vielfalt verringert werden kann, ist als zusätzliches Thema hinzugekommen.

Das angestrebte Rahmenabkommen soll dazu führen, dass die 196 Vertragsstaaten ihre nationalen und regionalen Aktionspläne entwickeln sowie ihre Strategien auf den neuesten Stand bringen. Die Entwicklung solle ständig beobachtet und der Fortschritt auf globaler Ebene überprüft werden, fordert das CBD-Sekretariat.

Weniger Plastikmüll, weniger Düngemittel

Zu den 21 Zielen der geplanten globalen Strategie bis 2030 gehört eine Verringerung des Einsatzes von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln und eine Verringerung von Plastikmüll. Die Umweltverschmutzung müsse auf ein Niveau vermindert werden, das der Biodiversität, der Funktion der Ökosysteme und der menschlichen Gesundheit nicht abträglich sei, heißt es weiter.

Der Anstieg beim Artensterben solle gestoppt und möglichst umgekehrt werden, sehen die konkreten Ziele in dem Entwurf vor. Das Risiko des Aussterbens soll bis 2030 um mindestens zehn Prozent herabgesetzt werden, während die Zahl der bedrohten Arten abnehmen müsse. Zu den langfristigen Zielen bis 2050 zählt, die Geschwindigkeit des Artentodes sehr deutlich zu reduzieren. Das Risiko des Aussterbens müsse bis dahin halbiert werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Juni 2021 um 16:50 Uhr.