Es-Präsident Donald Trump spricht zu seinen Anhängern auf dem Treffen der Republikaner in  Orlando | REUTERS

Treffen der US-Konservativen Heimspiel für Trump

Stand: 01.03.2021 07:39 Uhr

Es war Trumps erster Auftritt seit dem 20. Januar - und es wirkte, als sei er nie abgewählt worden. Beim Konservativen-Treffen in Florida unterstrich der Ex-Präsident seinen Führungsanspruch und schloss eine Rückkehr nicht aus.

Von Jule Käppel, ARD-Studio Washington zzt. aus Orlando/Florida

"Habt ihr mich schon vermisst?", fragte Donald Trump die Ultra-Konservativen auf ihrem Jahrestreffen in Orlando, Florida. Fast sechs Wochen hatte er sich nur sporadisch zu Wort gemeldet - in schriftlichen Statements und in Telefonaten mit rechten Fernsehsendern. Sein Comeback begann mit einer klaren Ansage zur Zukunft der republikanischen Partei.

Jule Käppel ARD-Studio Washington

"Wir haben die republikanische Partei. Sie wird sich vereinigen und stärker sein als je zuvor. Ich werde keine neue Partei gründen", sagte Trump und nannte die Gerüchte "Fake News". Die Spekulationen waren entstanden, nachdem einige hochrangige Parteimitglieder ihn im zweiten Amtsenthebungsverfahren schuldig gesprochen hatten. Auf der Bühne zählte er sie namentlich auf - sie wurden ausgebuht.

Attacke gegen Biden

Der Ex-Präsident sagte, die republikanische Partei verändere sich und nannte sie "eine Partei der Liebe". In seiner gut anderthalbstündigen Rede nahm er sich viel Zeit, um die Regierung von Joe Biden zu kritisieren. Er verurteilte die Corona-, Energie- und Grenzpolitik.

Präsident Bidens Entscheidungen seien ein "Desaster". "Eure Familien können immer noch nicht in lokalen Restaurants essen gehen", sagte Trump. Aber Biden hole Tausende Flüchtlinge aus der ganzen Welt ins Land.

Hupkonzert für den Ex-Präsidenten

Auf der Bühne in den amerikanischen Nationalfarben hatte Trump ein Heimspiel. Auf der Zufahrt zum Tagungshotel begrüßte ihn ein Fahnenmeer am Straßenrand. Mit einem Hupkonzert und Jubelrufen feierten ausgelassene Anhänger die Rückkehr ihres Helden.

Trump-Anhänger vor dem Veranstaltungsort der Conservative Political Action Conference in Orlando | dpa

Bild: dpa

Dieser ungebrochene Rückhalt zeigte sich auch unter den Konferenzteilnehmern. In einer Umfrage mit mehr als 1000 Personen gaben sieben von zehn Konservative an, dass Trump 2024 erneut in den Kampf ums Weiße Haus einsteigen sollte.

Ihnen machte er verhalten Hoffnung. "Wer weiß, vielleicht entscheide ich mich, sie (die Demokraten, Anmerkung der Redaktion) ein drittes Mal zu schlagen", sagte der Ex-Präsident. Er wiederholte seine unbewiesenen Behauptungen, dass die Wahl gestohlen worden sei. Der Saal war ganz seiner Meinung. Er habe gewonnen, skandierte die Menge.

Welle der Begeisterung

Die republikanische Partei hat keine Zeit länger zurückzuschauen. Sie will im kommenden Jahr bei den Zwischenwahlen die Mehrheitsverhältnisse im Kongress für sich entscheiden. Dabei sind die Konservativen auf Trumps Unterstützung angewiesen und er ließ daran keinen Zweifel.

"Ich werde weiterhin an eurer Seite kämpfen", versprach er und eine Welle der Begeisterung schlug ihm entgegen. In seinem ersten öffentlichen Auftritt nach dem Amtsende zeigte sich Trump als unbestrittener Anführer der konservativen Bewegung. Für diese Führungsrolle findet er in den Reihen der wertekonservativen Anhänger volle Unterstützung. Der Machtverlust hat nichts an ihrer Liebe für ihn geändert.

Er machte ihnen Mut, dass sich die Partei zu neuer Stärke aufschwingt und in vier Jahren wieder ein triumphierender Republikaner ins Weiße Haus einziehen wird. "Wer das wohl sein wird?", orakelte Trump und ließ die Frage nach seiner Rückkehr ins Rampenlicht noch offen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. März 2021 um 02:02 Uhr.