Das US-Kapitol in Washington im Dunkel der Nacht. | AFP

Impeachment-Prozess "Wahnsinn mit Methode"

Stand: 11.02.2021 05:00 Uhr

Die Ankläger im Impeachment-Verfahren gegen Donald Trump nutzten die eigenen Worte des Ex-US-Präsidenten gegen ihn. Dieser sei statt oberstem Befehlshaber ein "Oberanstifter" gewesen.

Von Jule Käppel, ARD-Studio Washington

Ein Polizist am Kapitol ruft verzweifelt um Hilfe. Der Ausschnitt aus dem Polizei-Funk ist vom 6. Januar. Alle Polizisten sollen sich so schnell wie möglich auf der oberen Ebene des Gebäudes in Sicherheit bringen. In diesem Moment ist der Mob in das Kapitol eingefallen.

Jule Käppel ARD-Studio Washington

Die Schuld an diesem Gewaltausbruch und am Angriff auf die Demokratie trage Donald Trump. Das hat die Anklage-Seite in stundenlanger Beweisführung dem Senat dargelegt. In diesem Amtshebungsverfahren geht es ihnen nicht um die eine Rede vor einer aufgebrachten Menge in Washington. Über Monate hinweg habe Trump seine Anhänger angestachelt.

Bisher unveröffentlichte Aufnahmen des Sturms auf das Kapitol

"Donald Trump hat monatelang Gewalt kultiviert, sie gepriesen", erklärte die demokratische Abgeordnete Stacey Plaskett. Damit habe er die Wut seiner Unterstützer systematisch geschürt, die sich beim Sturm aufs Kapitol entladen hat. Die Gewaltbereitschaft von frustrierten Wählern und Rechtsextremen habe er auf sein großes, wildes, historisches Ereignis gelenkt.

Von diesem "Ereignis" zeigten die Ankläger bisher unveröffentlichte Aufnahmen der Überwachungskameras. Szenen, die deutlich machten, wie knapp die Kongress-Mitglieder den bewaffneten Randalierern entkommen sind. In dramatischen Bildern war die Flucht von Ex-Vize-Präsident Mike Pence zu sehen.

Trump-Anhänger machten Jagd auf Pence

Der Mob habe nach Pence gesucht, weil er ein Patriot war, sagte die Demokratin über den Republikaner. Wiederholt hatte Trump seinen Vize aufgefordert, Bidens Wahlsieg an diesem Tag nicht zu bestätigen. Pence widersetzte sich und wurde gejagt. "Hängt Mike Pence", schallte es durchs Gebäude.

Es war nur eines von zahlreichen Beispielen der Anklage-Seite. Es sollte die Wucht der Worte, der monatelangen Lügen des Ex-Präsidenten belegen. Kühl und akribisch analysierten die Ankläger massenhafte Tweets von Trump, Rede-Beispiele und Interview-Ausschnitte. Damit habe er den Mob "gerufen, versammelt und angestiftet".

Oberster Befehlshaber wird "Oberanstifter"

Aus dem Obersten Befehlshaber wurde "der oberste Anstifter", sagte der Demokrat Jamie Raskin. Nach gescheiterten Klagen, nach vergeblichen Einschüchterungsversuchen der Wahlverantwortlichen in den Bundesstaaten habe Trump zum letzten Mittel gegriffen. Er hat seine Basis immer wieder zum Kampf aufgerufen.

Trumps eigene Worte waren das stärkste Beweismittel der Anklage. Sie zeichneten das Bild eines Mannes, der um jeden Preis an der Macht bleiben will.

Der Tag der Kapitol-Erstürmung habe sich "vielleicht wie Chaos und Wahnsinn angefühlt, doch hinter dem Wahnsinn steckte Methode" - sagte der Chef-Ankläger Raskin. Heute bekommt die Anklage noch einmal acht Stunden Zeit für ihre Argumente. Dann folgt die Verteidigung.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Februar 2021 um 09:00 Uhr.