US-Präsident Trump hält ein Dokument hoch, dass das "geheime Zusatzabkommen" mit Mexiko beinhalten soll. | AFP

Ermittlungen gefordert Hat Trump Akten vernichtet und entwendet?

Stand: 10.02.2022 08:44 Uhr

Der frühere US-Präsident Trump soll während seiner Amtszeit routinemäßig Dokumente zerrissen haben. Briefe von Nordkoreas Machthaber Kim soll er ins Privatanwesen Mar-a-Lago mitgenommen haben. Das US-Nationalarchiv fordert Ermittlungen.

Das US-Nationalarchiv, das für die Aufbewahrung von Präsidentschaftsdokumenten zuständig ist, hat das Justizministerium aufgefordert, gegen den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump wegen seines Umgangs mit offiziellen Dokumenten zu ermitteln.

Die "Washington Post" berichtete unter Berufung auf zwei anonyme Quellen, dass Vertreter des Nationalarchivs zwar mit dem Ministerium gesprochen hatten, es aber nicht klar sei, ob tatsächlich Ermittlungen gegen Trump eingeleitet würden.

Korrespondenz des US-Präsidenten wird archiviert

Ein US-Gesetz schreibt vor, dass schriftliche Unterlagen eines Präsidenten nach dem Ende seiner Amtszeit an das Nationalarchiv übergeben werden müssen. Jede Korrespondenz des US-Präsidenten wird dort archiviert und für die Nachwelt aufgehoben.

Trump war als Präsident bekannt für seinen laxen Umgang mit Regeln zu offiziellen Dokumenten. Erst vergangene Woche erklärte das Nationalarchiv, nach Trumps Auszug aus dem Weißen Haus am 20. Januar 2021 teilweise zerrissene und wieder zusammengeklebte Unterlagen erhalten zu haben.

Zerrissene Dokumente im Flugzeug

Trump zerriss trotz der Aufbewahrungspflicht demnach immer wieder Dokumente, die von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Weißen Hauses repariert werden mussten. Trotz mehrfacher Hinweise habe er sein Verhalten nicht geändert.

"Zuerst waren wir ein Weißes Haus, das nicht wusste, wie man Dinge aufbewahrt, und dann war es am Ende egal", sagte die frühere Pressesprecherin des Weißen Hauses, Stephanie Grisham, dem Sender CNN. Sie schilderte, wie Trump einmal mit ihr im Flugzeug gesessen habe, Dokumente zerrissen und diese dann auf dem Boden liegen lassen habe.

U-Ausschuss bekam zerstörte Schriftstücke

Nach Angaben der "Washington Post" erhielt auch der parlamentarische Untersuchungsausschuss zur Kapitol-Erstürmung am 6. Januar 2021 vom Nationalarchiv zerrissene Dokumente aus Trumps Amtszeit.

Die Abgeordneten des Gremiums wollen mit den Unterlagen unter anderem Trumps Verhalten und seine Treffen und Telefonate am Tag der Angriffs auf das Kapitol rekonstruieren. Trump hatte vor Gericht erfolglos gegen die Übergabe von Dokumenten an den Untersuchungsausschuss geklagt.

Kim-Brief nach Mar-a-Lago mitgenommen

Auch soll Trump zum Ende seiner Amtszeit offenbar regelwidrig Dokumente aus dem Weißen Haus in sein Luxusanwesen Mar-a-Lago mitgenommen haben, schreibt die "Washington Post". Trumps Berater bestreiten demnach aber, dass der frühere Präsident dabei mit böser Absicht handelte.

Zuvor hatte das Archiv bestätigt, dass es 15 Kisten mit Dokumenten auf Trumps Anwesen Mar-a-Lago in Florida sichergestellt hatte. Unter den Dokumenten befanden sich ein Brief, den sein Vorgänger Barack Obama für Trump im Oval Office hinterlassen hatte, sowie offizielle Korrespondenz mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un.

Trump hatte in seiner Amtszeit eine ungewöhnlich enge Beziehung zu Kim aufgebaut; beide trafen sich mehrfach persönlich und schrieben sich Briefe. "Er hat mir wunderschöne Briefe geschrieben, es sind großartige Briefe", sagte Trump 2018. "Wir haben uns verliebt."