Unterstützer des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump stehen vor seiner Residenz in Mar-A-Lago. | AFP

Reaktionen auf Razzia bei Trump Ein Sturm der Entrüstung

Stand: 09.08.2022 17:50 Uhr

Die Razzia bei Ex-US-Präsident Trump in Florida empört seine Anhänger. Sie sehen darin eine politische Kampagne der Demokraten. Und Trump selbst? Der könnte von der Publicity sogar noch profitieren, meinen Experten.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Spontane Demo gestern Abend vor Donald Trumps Luxus-Anwesen in Florida: Mehrere Dutzend Trump-Anhänger zeigen ihre Solidarität mit dem ehemaligen US-Präsidenten und protestieren gegen die Durchsuchung seiner Räumlichkeiten.

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

Ein Trump-Anhänger sagt: "Wir wissen, was ihr versucht, Justizministerium. Ihr versucht, irgendeinen Grund zu finden, warum Trump nicht zur Wiederwahl antreten kann."

Dokumente gehören ins Nationalarchiv

Das FBI hatte gestern in einem beispiellosen Polizeieinsatz Trumps Domizil Mar-a-Lago in Palm Beach durchsucht. US-Medien berichten, die Razzia hänge mit Dokumenten zusammen, die Trump nach Ende seiner Präsidentschaft mitgenommen habe, obwohl sie eigentlich ins Nationalarchiv gehörten. Ob darunter auch belastendes Material ist, das zu einer weiteren Anklage Trumps führen könnte, ist nicht klar.

Fakt sei, dass Präsidentschaftsakten nichts in Mar-a-Lago verloren hätten, so der ehemalige Direktor des Nationalarchivs, Jason Baron auf CNN: "Solche Topsecret-Dokumente könnten - wenn sie öffentlich werden -  der nationalen Sicherheit großen Schaden zufügen."

Der sogenannte Presidential Records Act von 1978 schreibt vor, dass sämtliche Unterlagen eines US-Präsidenten für die Nachwelt archiviert werden müssen. Trump soll seit Monaten mit dem Nationalarchiv darüber gestritten haben. Schließlich wurde der Fall der Justizbehörde übergeben, die nun den Durchsuchungsbefehl durchgesetzt hat. Die meisten Republikaner reagierten erbost auf die unangekündigte Razzia.

"Sie haben große Angst vor Donald Trump"

In den sozialen Netzwerken entlud sich ein regelrechter Sturm der Entrüstung.

"Der Einsatz von Regierungsmacht zur Verfolgung politischer Gegner ist etwas, das wir viele Male in marxistischen Diktaturen der Dritten Welt gesehen haben,  aber noch nie in Amerika", twittert etwa Senator Marco Rubio aus Florida.

Lara Trump - die Schwiegertochter des Ex-Präsidenten - spricht auf Fox News von einer eindeutig politisch motivierten Aktion: "Jeder weiß, warum sie das tun, nämlich, weil das Establishment große Angst hat vor Donald Trump. Er ist nicht einer von ihnen, und es ist höchstwahrscheinlich, dass er 2024 wieder für die Präsidentschaft kandidieren wird. Sie suchen verzweifelt nach einem Ausweg, um ihn zu disqualifizieren."

Gute Publicity für Trump?

Trump selbst, der sich zum Zeitpunkt der Razzia in New York aufhielt, nannte die Durchsuchung einen linksradikalen Angriff der Demokraten.

Trump-Biograph Michael Antonio hält es für möglich, dass Trump auf den Besuch des FBI vorbereitet war. Schließlich habe er nur kurze Zeit später eine Art Wahlwerbespot auf Truth Social - seinem social media Kanal - publiziert.

Trump sei ein Experte darin, jeden Angriff auf ihn zu seinen Gunsten auszuschlachten, so Antonio auf CNN: "Er denkt, jede Publicity ist gute Publicity. Und die Hardcore Trump-Anhänger - 35 Prozent der Wählerschaft - werden elektrisiert sein. Ich glaube, Trump wird heute einen guten Tag haben."

Möglicherweise wird Trump nun schon früher als erwartet seine Kandidatur für 2024 ankündigen. Als Präsidentschaftskandidat wird es wesentlich schwieriger, strafrechtlich gegen ihn vorzugehen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. August 2022 um 18:00 Uhr.