Eine Million US-Dollar in 100-er Noten, ausgestellt im Geldmuseum der Notenbank in Chicago | AFP

"Pandora Papers" South Dakota - das neue Liechtenstein?

Stand: 05.10.2021 02:56 Uhr

Die USA entwickeln sich mehr und mehr zur Steueroase. Besonders der Bundesstaat South Dakota lockt Vermögende, hier ihr Geld diskret unterzubringen. Laut "Pandora Papers" betragen die Vermögenswerte dort inzwischen rund 360 Milliarden Dollar.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

"Kommt her und holt euch Abenteuer und Spaß", so wirbt das offizielle Tourismus-Portal von South Dakota. Besucher bestaunen die Präsidentenköpfe von Mount Rushmore, die dramatischen Badlands und die Wasserfälle von Sioux Falls. Was sie nicht zu sehen bekommen, sind hunderte Milliarden Dollar, die in South Dakota versteckt sind. Und das hat System.

Katrin Brand ARD-Studio Washington

"Ohne jemals einen Fuß nach Sioux Falls zu setzen, sind Milliardäre aus Brasilien, Millionäre aus Guatemala oder Kolumbien davon angezogen worden, dass sich South Dakota als geheime Steueroase in den USA vermarktet hat", erklärte Will Fitzgibbon dem Sender NPR. Fitzgibbon gehört zum Internationalen Konsortium Investigativer Journalisten und war an den "Pandora Papers" beteiligt.

South Dakota wirbt um geheimes Vermögen

Seit Jahrzehnten sorgen die Politiker in South Dakota dafür, dass sich Unternehmer und Reiche bei ihnen wohl fühlen. Es gibt keine Einkommenssteuer, keine Kapitalertragssteuer, keine Erbschaftssteuer und nur eine niedrige Mehrwertsteuer. Was Vermögensberater aber besonders elektrisiert, sind die Möglichkeiten für Trusts.

Wenn wirklich niemand etwas über das Vermögen wissen soll, so wirbt eine Beraterfirma im Internet, dann sind sie in South Dakota richtig: "Wenn es um Gläubiger und frühere Ehepartner geht, dann gibt Ihnen South Dakota eine großartige Schutzmauer".

"Nur dumme Leute zahlen Steuern"

Wie so etwas funktioniert, zeigte gerade erst der Scheidungskrieg der Eheleute Bosarge. Der texanische Milliardär Ed Bosarge wollte nach 30 Jahren seine Frau Marie nicht nur loswerden, sondern auch mittellos machen, und so versteckte er sein Vermögen in Trusts in South Dakota. Sie wusste so grob von den Finanzgeschäften ihres Mannes. Er habe immer gesagt, dass nur dumme Leute Steuern zahlen, erzählte Marie Bosarge dem Sender CNBC. Aber dass sie keine rechtliche Möglichkeit hatte, an die Trusts heranzukommen, machte sie dann doch fassungslos.

Laut "Pandora Papers" betragen die Vermögenswerte, die in South Dakota untergebracht sind, rund 360 Milliarden Dollar, eine Vervierfachung im vergangenen Jahrzehnt. Die Praktiken des Staates haben mit dazu geführt, dass die USA nun zu den wichtigsten Steueroasen der Welt gehören. Das ist an sich nicht illegal, aber, sagen Experten, es zieht Kriminelle aus aller Welt an.

Biden mit Gerechtigkeitsagenda unter Druck

"Das Offshore-System ist nicht offshore, die Steueroase ist im Land", sagt Journalist Will Fitzgibbon, und das habe wichtige Konsequenzen, wenn es um mehr Verantwortung und Gerechtigkeit gehen soll. Präsident Biden will mehr Transparenz und mehr Steuergerechtigkeit, das hat er schon im Wahlkampf verkündet. Er wolle das Steuersystem gerechter machen, sagte Sprecherin Jen Psaki erst gestern.

Biden wolle an Leute ran, die nicht ihren Anteil an Steuern zahlen, egal ob sie Unternehmer oder Privatpersonen sind. Das stehe für ihn im Mittelpunkt dessen, für das er gerade im Kongress kämpfe. Dass er sich damit aber bei den mächtigen Bundesstaaten durchsetzen kann, ist unwahrscheinlich. Zu den Steueroasen gehört neben Florida und Texas auch sein eigener Heimatstaat Delaware.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 05. Oktober 2021 um 09:50 Uhr.