Salman Rushdie | AP

Nach Messerattacke auf Rushdie "Aufsässiger Sinn für Humor intakt"

Stand: 15.08.2022 07:32 Uhr

Nach dem Angriff auf Salman Rushdie hat sich sein Sohn über dessen Gesundheitszustand geäußert. Trotz seiner schwerwiegenden Verletzungen bleibe sein Humor intakt. US-Außenminister Blinken kritisierte den Iran heftig.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Einer seiner Söhne bestätigte auf Twitter, dass es Salman Rushdie besser gehe. "Trotz seiner schwerwiegenden und lebensverändernden Verletzungen bleibt sein üblicher kämpferischer und aufsässiger Sinn für Humor intakt", schrieb Zafar Rushdie. Seine Angehörigen seien sehr erleichtert, dass der Schriftsteller am Wochenende vom Beatmungsgerät genommen wurde. Der Zustand seines Vaters bleibe aber weiter kritisch.

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Der 75-Jährige wird derzeit in einem Krankenhaus in Pennsylvania behandelt. Rushdie war bei einer Veranstaltung zum Thema "Autoren im US-Exil" in der als sicher geltenden Bildungseinrichtung Chautauqua im Bundesstaat New York angegriffen worden. Er hatte gerade auf der Bühne Platz genommen, als der Angreifer auf ihn losging, beschreibt ein Augenzeuge: "Die Arena verfiel in Panik. Die Menschen schrien. Wir konnten das Messer nicht sehen. Es war alles so unwirklich."

"Wir verurteilen den feigen Anschlag"

Der Angreifer wurde an Ort und Stelle überwältigt und festgenommen. Gegen ihn wird wegen versuchten Mordes und Körperverletzung ermittelt. Der 24-jährige Täter sitzt laut Polizeiangaben in Untersuchungshaft, ohne dass derzeit eine Möglichkeit zur Freilassung gegen Kaution besteht. Er plädierte vor einem Haftrichter auf "nicht schuldig".

New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul verurteilte bei einer Gedenkstunde in Chautauqua die Tat als feigen Angriff auf die Meinungsfreiheit. "New York wird immer aufstehen, um die Meinungs- und Redefreiheit zu schützen und wir verurteilen den feigen Anschlag auf Salman Rushdie."

Was ist das Motiv des Täters?

Zum Motiv des Täters gab es keine Angaben. Doch die Ermittler gehen der Vermutung nach, dass der Angriff mit dem Todesurteil in Verbindung steht, das seit 1989 über Rushdie hängt. Für seine angebliche Gotteslästerung in seinem bis heute berühmtesten Buch "Die Satanischen Verse" hatte der iranische Religionsführer Khomeini eine Fatwa gegen den vermeintlichen Lästerer über den Islam verhängt. Rushdie tauchte unter.

In den späten 1990er-Jahren entspannte sich die Lage, nachdem die Regierung des Iran erklärte, Rushdies Ermordung nicht zu unterstützen. Zurückgenommen wurde die Fatwa jedoch nicht. Auf Rushdies Kopf waren inzwischen drei Millionen US-Dollar ausgesetzt.

Der Angreifer ist erst Jahre nach Verhängung der Fatwa geboren. Lokale Medien berichten jedoch, dass der Mann in der Vergangenheit "Sympathien für schiitischen Extremismus" gezeigt haben soll. Polizei und FBI durchsuchten seine Wohnung in Fairview in New Jersey. Eine Anwohnerin ist schockiert: "Furchtbar. Das ist beängstigend."

US-Außenminister Blinken kritisiert den Iran

Die Fahnder fanden bei dem Attentäter offenbar einen gefälschten Führerschein. Darauf nutzt er den Namen eines getöteten Hisbollah-Terroristen. Die Ermittler suchen auch nach Hinweisen darauf, ob es Hintermänner gab. Die iranische Regierung schweigt bislang zu der Tat - wenngleich mehrere Medien in dem Land sie feierten.

US-Außenminister Antony Blinken kritisierte den Iran heftig: Salman Rushdie sei immer wieder für die universellen Rechte der Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit und Pressefreiheit eingetreten, sagte Blinken in Washington. Doch "böse Kräfte" versuchten, diese Rechte durch Hassrede und Aufwiegelung zur Gewalt zu unterminieren. Speziell staatliche iranische Einrichtungen hätten über Generationen zu Gewalt gegen den Schriftsteller aufgerufen. Die internationale Gemeinschaft müsse geschlossen gegen diejenigen vorgehen, die allgemeine Rechte infrage stellten.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. August 2022 um 07:53 Uhr.