Roman Kent | picture alliance / Bernd Oertwig

Trauer um Roman Kent Präsident des Auschwitz Komitees gestorben

Stand: 21.05.2021 20:21 Uhr

Er überlebte das Vernichtungslager Auschwitz und engagierte sich seitdem für die Belange der Opfer der NS-Diktatur. Nun ist der Präsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Roman Kent, im Alter von 92 Jahren gestorben.

Der Präsident des Internationalen Auschwitz Komitees (IAK), Roman Kent, ist tot. Er starb nach IAK-Angaben im Alter von 92 Jahren in New York nach kurzer schwerer Krankheit.

"Auschwitz-Überlebende in aller Welt verabschieden sich mit großer Dankbarkeit und tiefer Wehmut von Roman Kent, der über viele Jahrzehnte ein konsequenter und wortgewaltiger Repräsentant ihrer Erinnerungen und ihres Lebens gewesen ist", erklärte IAK-Exekutiv-Vizepräsident Christoph Heubner.

Vielfältiges Engagement

Kent habe sich für die Erinnerung und gegen Antisemitismus engagiert. In den letzten Monaten sei die Last schwerer geworden, so Heubner: "Die brennenden Bilder der Vergangenheit schoben sich angesichts der aktuellen Entwicklungen immer mehr in sein Leben". Ihn habe bis zuletzt bedrückt, "dass der Hass des Antisemitismus und die Verherrlichung von Auschwitz immer mehr an Boden gewinnen".

Schon früh habe sich Kent mit seinen Mitstreitern eingesetzt "für die Gesundheit und das Wohlergehen aller Überlebenden und für die Entschädigung, die den Häftlingen der deutschen Vernichtungsmaschinerie nach ihrer Sklavenhaft und ihrer Zwangsarbeit zustand". Seine Gesprächspartner hätten "seine sensible Offenheit und sein Interesse an einer gemeinsamen Zukunft" geschätzt, so Heubner.

1946 in die USA emigriert

Mit seinem Bruder emigrierte Kent 1946 in die USA, wo er als Geschäftsmann arbeitete und unter anderem Schatzmeister der Jewish Claims Conference wurde. Die Organisation setzt sich für die Entschädigung von ehemaligen KZ-Inhaftierten ein. 2014 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Präsident des Auschwitz Komitee war er seit 2011.

Kent wurde 1929 im polnischen Lodz als Sohn der jüdischen Familie Kniker geboren. Ende 1939 wurde die Familie ins Ghetto gebracht, wo Kents Vater 1943 an den Folgen von Unterernährung starb. Die restliche Familie kam 1944 nach Auschwitz-Birkenau. Gemeinsam mit seinem Bruder Leon war Kent in weiteren Konzentrationslagern, bis ihn nach Komitee-Angaben auf einem Todesmarsch von Flossenbürg nach Dachau amerikanische Soldaten befreiten.

Redner in Gedenkstätten

Zum 70. Jahrestag der Befreiung von Überlebenden aus Auschwitz war Kent einer der Redner in der Gedenkstätte: Im Lager seien ihm wegen der Erniedrigungen und Gewalttaten Minuten wie Tage, Tage wie Monate und Monate wie Ewigkeiten vorgekommen. "Und wie viele Ewigkeiten kann ein Mensch in einem Leben ertragen?"

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Mai 2021 um 17:00 Uhr.