Die "Crew Dragon" nähert sich der Raumstation ISS | dpa

Mission "Cosmic Kiss" NASA verschiebt Flug zur ISS mit Maurer

Stand: 30.10.2021 11:57 Uhr

Das Wetter ist zu schlecht, deshalb kann Matthias Maurer nicht wie geplant morgen, sondern erst am Mittwoch ins All starten. Hinter dem deutschen Astronauten liegt ein hartes Training: Vom Russischkurs bis zum Tauchgang im Raumanzug.

Von Ute Spangenberger, SWR 

Experimentieren, reparieren und trainieren, das sind drei der Aufgaben, die den deutschen ESA-Astronauten Matthias Maurer auf der ISS erwarten. Jahrelang hat er sich auf die Mission, die den Namen "Cosmic Kiss" trägt, vorbereitet. Zusammen mit einer NASA-Astronautin und zwei NASA-Astronauten vom Kennedy Space Center der NASA in Florida in den Weltraum starten. Ursprünglich war der Start für Sonntag geplant.

Ute Spangenberger

Doch aufgrund der schlechten Wetterlage verschob die NASA den Start nun zunächst auf kommenden Mittwoch 6.10 Uhr (MEZ).

Maurer selbst scheint die Verschiebung gelassen zu nehmen und riet den Menschen auf Twitter: "Genießen Sie Ihren Sonntagsschlaf und ein paar weitere Tage, um sich an den Wechsel von MESZ zu MEZ zu gewöhnen", denn in der kommenden Nacht werden wieder die Uhren umgestellt.

Maurer ist der vierte Deutsche, der zur ISS fliegt und seit 2008 der erste deutsche Astronaut, der von US-amerikanischem Boden startet. Die NASA hatte 2011 die Space Shuttle-Flüge eingestellt und damit auch den Transport von Astronauten. Seit vergangenem Jahr fliegt das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX zur ISS - mit Maurer an Bord nun zum vierten Mal.

Die Missionen seien bislang alle reibungslos verlaufen, hebt SWR-Raumfahrtexperte Uwe Gradwohl hervor. Das Crew-Dragon-Raumschiff fliege vollautomatisch zur ISS und docke selbständig an - unterwegs müsse nicht gesteuert werden. "Es ist ein sehr bequemes Transportmittel und bietet viel Platz im Vergleich zu den russischen Sojus-Kapseln, in denen die Astronautinnen und Astronauten immer sehr beengt sitzen. Hier können sie sich sogar etwas aus dem Sitz lösen und durch die Kapsel schweben."

Matthias Maurer in seinem Astronautenanzug | dpa

Seinen Astronautenanzug kennt er schon hinreichend aus dem Training: Matthias Maurer Bild: dpa

Forschung im Spezial-Trainingsanzug

Maurer hat vor seiner Astronautenkarriere als Ingenieur gearbeitet und auf dem Gebiet der Materialwissenschaften promoviert. Auf der ISS wird er insgesamt 150 Experimente durchführen, 36 davon hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beigesteuert. 

Dabei wird Maurer sowohl Experimente aus dem Bereich der Grundlagenforschung machen als auch sehr praktische Versuche. "Er wird zum Beispiel Oberflächen erforschen, die mit Hilfe von Lasern sehr fein strukturiert wurden. Man hofft, dass sich auf ihnen Keime nicht so gut ansiedeln können. Eine von schädlichen Keimen freie Umgebung ist nicht nur für die Bewohner einer Raumstation wichtig, sondern auch mit Blick auf die aktuelle Pandemiesituation ein spannendes Thema", erklärt Gradwohl. "Ein weiterer interessanter Versuch, den er unternimmt: Er trägt einen besonderen Trainingsanzug, der seinen Muskeln kleine elektrische Impulse verpasst, damit sie schneller trainiert werden."

Astronauten Mashburn, Chari, Maurer und Barron winken nach ihrer Ankunft im Raumfahrtzentrum Cape Canaveral (USA) | AP

Gemeinsam ins All: Astronauten Mashburn, Chari, Maurer und Barron bei ihrer Ankunft im Raumfahrtzentrum Cape Canaveral Bild: AP

Kugeliger Roboter begleitet die Crew

Wie schon bei Alexander Gersts Mission wird auch Maurer von CIMON begleitet, einem schwebenden, kugeligen Roboter, der sehen, hören, verstehen und sprechen kann. Sein robotisches Vorbild war in den 1980er-Jahren Professor Simon Wright, das "fliegende Gehirn" in der Zeichentrickserie "Captain Future".

der Roboter "Cimon" | CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX/Shutte

Fliegendes Helferlein: Der kugelförmige Roboter "Cimon" wird auf der ISS eingesetzt (Archivbild von 2018). Bild: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX/Shutte

Walther Pelzer vom DLR erklärt, dass der Einsatz von CIMON kein Selbstzweck auf der ISS sei, sondern im täglichen Leben auf der Erde Anwendung finden könne, etwa im Umgang mit älteren Menschen: "Ziel von Robotik und künstlicher Intelligenz ist es, das selbstbestimmte Leben so lange wie möglich zu gewährleisten. Das heißt, dass Menschen, die eigentlich nicht mehr allein in ihren eigenen vier Wänden leben können, befähigt werden, länger in ihrer Umwelt zu bleiben." 

Hartes Training für den Aufenthalt auf der ISS 

Bei seiner Ankunft auf der ISS wird Maurer auf einen Freund treffen: den französischen ESA-Astronaut Thomas Pesquet. Er war im April als erster Europäer mit SpaceX zur ISS geflogen. Beide hatten sich gemeinsam auf ihre Missionen vorbereitet - mit einem Training, das es in sich hatte.

Neben dem Einüben der wissenschaftlichen Experimente absolvierten sie ein hartes körperliches Programm, etwa Unterwassertrainings in Raumanzügen, um Außeneinsätze an der ISS zu simulieren. Auch Sprachunterricht gehörte dazu, um sich auf der ISS mit den russischen Kollegen zu verständigen. Das sei vielleicht der schwierigste Teil des Trainings gewesen, hatte Maurer dazu kürzlich augenzwinkernd getwittert.

Neue Weltraumbegeisterung 

Aktiv sein auf Social Media, Eindrücke zu posten und Fotos zur Erde zu schicken - auch das wird zu Maurers Einsatz auf der ISS dazugehören. Sein deutscher Vorgänger auf der ISS, Alexander Gerst, der 2014 und 2018 mit einer russischen Sojus-Kapsel von Baikonur zu ISS geflogen war, hatte das regelmäßig gemacht und damit viel Interesse geweckt.

Der ehemalige Generaldirektor der ESA, Jan Wörner, in dessen Amtszeit Maurer ins aktive ESA-Astronautencorps berufen wurde, glaubt, dass auch dieser Weltraumaufenthalt in der Öffentlichkeit etwas bewirken wird: "Wenn die Astronauten von ihren Missionen zurückkommen, sind sie deutlich verändert und schaffen es fast immer, diese Veränderung in ihr Land zu tragen", sagt er. "Wenn Matthias Maurer über seine Mission berichten wird - nicht nur über die Fakten, auch über die Emotionen - hat er die Möglichkeit, zu begeistern."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. Oktober 2021 um 10:00 Uhr.