Darnella Frazier (3.v.r.) filmt den Polizeieinsatz gegen George Floyd. | AP

Vergabe der Pulitzer-Preise Junge Frau für Floyd-Video ausgezeichnet

Stand: 12.06.2021 02:32 Uhr

Mit 17 Jahren filmte sie den tödlichen Polizeieinsatz gegen George Floyd: Nun wurde Darnella Frazier mit einem Pulitzer-Preis geehrt. Die "New York Times" erhielt eine Auszeichnung für ihre Corona-Berichterstattung.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Eigentlich gilt "Public Service" als die renommierteste Kategorie bei den Pulitzer-Preisen. Man könnte sie als "Dienst an der Öffentlichkeit" übersetzen. In diesem Jahr erhielt die "New York Times" diese Auszeichnung für ihre "mutige, vorausschauende und umfassende Berichterstattung über die Corona-Pandemie", wie die Jury mitteilte.

Peter Mücke ARD-Studio New York

Doch ein Sonderpreis sorgte in diesem Jahr für noch mehr Aufmerksamkeit: Die damals 17 Jahre alte Darnella Frazier hatte in Minneapolis mit ihrem Mobiltelefon den Polizeieinsatz gegen George Floyd gefilmt, der kurze Zeit später starb. Die Jury sprach von einem "Video, das weltweit Proteste gegen Polizeigewalt ausgelöst hat und zeigt, wie wichtig die Rolle von Bürgern bei der journalistischen Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit ist".

Für die Berichterstattung über die Tötung Floyds erhielt die Redaktion der Zeitung "Star Tribune" in Minneapolis den Preis in der Kategorie "Breaking News". Die Black-Lives-Matter-Proteste und die Corona-Pandemie waren die bestimmenden Themen in diesem Jahr.

Preisverleihung in den Herbst verschoben

"Diese Ereignisse haben noch einmal gezeigt, wie wichtig die Rolle des Journalismus in unserer Demokratie ist", sagte Stephen Engelberg, einer der Sprecher der Jury. "Die Preisträger haben nicht nur Nachrichten geliefert, sondern auch Zusammenhänge und Informationen, die sonst nirgendwo zu bekommen waren." Und das zum Teil unter lebensgefährlichen Umständen, so Engelberg.

Wegen der Corona-Pandemie wurden die Preisträger auch in diesem Jahr in einem voraufgezeichneten Video verkündet. Die eigentliche Preisverleihung ist in den Herbst verschoben worden.

"Spaltung unserer Gesellschaft hat sich vertieft"

"Im Jahr 2020 haben wir außerdem erlebt, wie sich die Spaltung unserer Gesellschaft vertieft hat", sagte Engelberg. "Leser wurden mit Falschinformationen herumgestoßen von angeblichen Unregelmäßigkeiten bei den US-Präsidentschaftswahlen bis Falschmeldungen über die Sicherheit von Corona-Impfstoffen. Noch nie in der Geschichte unserer Nation hat es einem Moment gegeben, in dem unabhängiger und objektiver Journalismus so gebraucht wurde."

Das gilt auch für den Preis für "Internationale Berichterstattung" über die Internierungslager für die uigurische Minderheit in China, mit dem erstmals das Online-Portal BuzzFeed News ausgezeichnet wurde. Für ihre Corona-Berichterstattung wurden unter anderem auch Ed Yong vom Magazin "The Atlantic" und der Fotograf Emilio Morenatti von der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) geehrt. Letzterer hatte eine Serie von Bildern über die Auswirkungen der Pandemie auf ältere Menschen in Spanien veröffentlicht.

Erstmals virtuelle Theaterstücke zugelassen

Zwei Drittel der 21 Pulitzer-Preise werden in journalistischen Kategorien vergeben, sieben sind der Kultur vorbehalten. "Auch dieser Bereich hat unter der düsteren Realität des Jahres 2020 gelitten", sagte Jury-Sprecherin Mindy Marques. "Im März mussten die Theater schließen. Deshalb haben wir in diesem Jahr auch virtuelle Produktionen zugelassen. Und geplante Stücke, die ihre Premiere wegen der Pandemie verschieben mussten."

Ausgezeichnet wurde das Drama "The Hot Wing King", das sich - so die Jury - humorvoll mit "schwarzer Männlichkeit" vor dem Hintergrund eines schwulen Paares auseinandersetze, das einen Kochwettbewerb veranstaltet.

Roman "The Night Watchman" ausgezeichnet

Die Kategorie Literatur gewann die 67 Jahre alte US-Schriftstellerin Louise Erdrich, die deutsche und indigene Wurzeln hat, für ihren Roman "The Night Watchman". Das Buch basiert auf dem Leben ihres Großvaters, der als Nachtwächter arbeitete.

Und noch eine deutschstämmige Frau gewann in diesem Jahr einen Pulitzer-Preis: Die Journalistin Nadja Drost erhielt die Auszeichnung für ihr Feature über Migranten aus Kolumbien, das im "California Sunday Magazine" erschienen ist. Ihr Vater war von Deutschland nach Kanada ausgewandert.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Juni 2021 um 05:00 Uhr.