Ein Mahnmal vor dem Gerichtsgebäude in Minnesota erinnert an die Tötung des Schwarzen George Floyd. | REUTERS

Nach dem Tod von George Floyd Ein Prozess gegen die Hilflosigkeit

Stand: 09.03.2021 04:27 Uhr

In den USA hat der Prozess gegen den Polizisten begonnen, der im vergangenen Jahr den Schwarzen George Floyd tötete. Schon vor der Juryauswahl gab es Probleme - und das Vertrauen in den Ausgang ist extrem gering.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Rund um den Platz, an dem George Floyd vermutlich ermordet worden war, haben Aktivisten improvisierte Checkpoints errichtet. Die Community habe entschieden, an diesem Tag unter sich zu bleiben, heißt es. Ursprünglich war eine öffentliche Trauerfeier geplant.

Torsten Teichmann ARD-Studio Washington

"Glockenläuten, weltweit um acht Uhr früh, ein Gebet und Beistand, dann eine Bühne für alle, die sprechen wollen, und schließlich eine Andacht mit Kerzen um viertel vor sechs. Aber alles ist gestrichten," so eine Aktivistin.

Nachfragen nach der Absperrung wirken schnell wie mangelnder Respekt. Wer weitergeht, bringe sich und andere in Gefahr. Man redet miteinander, aber kommt doch nicht ins Gespräch.

Prozess stockt gleich zu Beginn

In der Innenstadt von Minneapolis hatten Opferverbände und Organisationen für soziale Gerechtigkeit zum Protest aufgerufen. Vor dem abgezäunten Bezirksgericht sprach Jae Yates als Master of Ceremony zu den Teilnehmern.

Wir wollen eine Welt, in der Menschen, die Zivilisten töten, ins Gefängnis gehen und Konsequenzen tragen. Eine Welt, in der Polizisten nicht einfach tun können, was sie wollen in unseren Vierteln.

Zu dem Zeitpunkt stockte der Prozess im Gebäude bereits zum ersten Mal: Der Polizist Derek Chauvin ist angeklagt, George Floyd im Mai 2020 bei einer versuchten Festnahme ermordet zu haben. Ein weiterer Vorwurf lautet Totschlag

Aber Chauvins Verteidiger haben Beschwerde eingelegt, dass ein dritter Anklagepunkt aufgenommen wird. Der stellvertretende Justizminister Matthew Frank war als Ankläger plötzlich unsicher, ob der Prozess fortgesetzt werden kann:

Wir haben so große Bedenken mit Fragen fortzufahren, die womöglich später angefochten werden, dass wir das Berufungsgericht von Minnesota um eine Empfehlung gebeten haben. Vor allem, ob wir mit der Auswahl der Geschworenen beginnen können.

Der Tag brachte keine Klärung. Die geladenen Geschworenen müssen wiederkommen. Sie werden befragt und ausgewählt, bevor überhaupt das Hauptverfahren beginnen kann.

Kaum Vertrauen in Ausgang des Verfahrens

Die Situation trägt zur Verunsicherung bei. Sie sei nervös, was den Ausgang des Prozesses angeht, sagt Rita Harris, die seit Monaten für die Demonstranten kocht.

Wie oft haben wir erlebt, dass Polizisten davon kommen? Immer wieder! Ich mache mir Sorgen, dass es wieder passiert. Und Sorgen um unsere Leute, wenn es so kommen sollte.

Antonio Williams sagt, er habe kein Vertrauen. Er beschreibt die Situation für Schwarze Amerikaner wie ihn als bedrückend.

Erschöpft, mental und emotional. Wenn Du davon ständig selbst betroffen bist, dann wirst Du stumpf oder es belastet Dich, so dass Du stumm wirst. Denn alles was man dazu sagen kann, ist längst gesagt. Immer wieder. Aber es hat sich nichts geändert.

Strukturen und Gesetze müssten geändert werden, sagt Antonio. Dann sammelt er weiter Unterschriften. Es geht um eine Petition, um eine neue Behörde für öffentliche Sicherheit in Minneapolis zu gründen. Polizeiarbeit wären dann nur noch ein Teil der Aufgaben.

Über dieses Thema berichtete B5 Aktuell am 09. März 2021 um 08:38 Uhr.