Hinweisschild auf den Verlauf der Colonial Pipeline | dpa

Angriff auf US-Pipeline Moskau weist russische Beteiligung zurück

Stand: 11.05.2021 12:52 Uhr

Nach dem Angriff auf die größte US-Pipeline legen Ermittlungen des FBI nahe, dass die russische Hackergruppe Darkside beteiligt sein könnte. Moskau wies dies zurück. Die Gruppe selbst meldete sich auch zu Wort.

Nach dem Hackerangriff auf die größte US-Pipeline hat Russland Vorwürfen der USA über eine Beteiligung russischer Hacker widersprochen. "Wir weisen die haltlosen Erfindungen einzelner Journalisten kategorisch zurück", erklärte die russische Botschaft in den USA. Russland übe keine "bösartigen" Aktivitäten im Netz aus. 

Biden: Akteure könnten in Russland sein

US-Präsident Joe Biden hatte am Montag mitgeteilt, es gebe keine Beweise für eine Verantwortung der russischen Regierung an dem Angriff auf die Colonial-Pipeline. Wohl aber gebe es Hinweise, dass die verantwortlichen "Akteure" in Russland seien und die Schadsoftware von dort stamme.

Bekannte Hackergruppe

Ermittlungen des FBI ergaben, dass hinter den Angreifern die Gruppe Darkside stecken könnte. Sie wird verdächtigt, seit dem vergangenen Jahr mehrere Computersysteme von Unternehmen mit einer sogenannten Ransomware attackiert zu haben. Mit einem solchen Schadprogramm versuchen Hacker, Computersysteme zu sperren oder zu verschlüsseln und von den Nutzern Geld für die Freigabe der Daten zu erpressen.

Hacker wollten nur "Geld machen"

Die Gruppe Darkside meldete sich unterdessen mit einem Statement auf ihrer Website selbst zu Wort. "Unser Ziel ist es, Geld zu machen und nicht Probleme für die Gesellschaft", teilten die Mitglieder mit. Sie seien unpolitisch; Beobachter sollten sie mit keiner bestimmten Regierung in Verbindung bringen.

In der Erklärung gab es keine Hinweise darauf, wie viel Geld die Gruppe vom Betreiber Colonial Pipeline verlangt. Die Nachrichtenagentur Reuters versuchte nachzufragen - die Hacker-Gruppe reagierte jedoch nicht darauf.

Das Unternehmen Colonial Pipeline mit Sitz im Bundesstaat Georgia hatte am Samstag erklärt, zum Ziel einer Hackerattacke geworden zu sein. Nach dem Angriff wurde das gesamte Rohrleitungsnetz der Firma, das von Texas bis in den Großraum New York führt, vorübergehend stillgelegt.

Die Colonial-Pipeline ist gemessen am transportierten Volumen die größte Pipeline der USA. Jeden Tag fließen mehr als 2,5 Millionen Barrel (ein Barrel sind 159 Liter) an Benzin, Diesel, Kerosin und anderen Erdölprodukten durch die Rohrleitungen.

Normalisierung wohl bis Ende der Woche

Nach Angaben des Betreibers soll die Pipeline bis Ende der Woche wieder weitgehend laufen.

Rohstoffexperten der Commerzbank haben prognostiziert, dass ein längerer Ausfall zu Engpässen in der Benzin- und Dieselversorgung führen könne. So würden die USA die fehlenden Mengen Benzin auch in Europa nachfragen: "In der Folge könnten also auch hier die Benzinpreise steigen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Mai 2021 um 18:00 Uhr.