Perus Präsidentschaftskandidat Pedro Castilla gibt seinen Wahlzettel in einem Wahllokal in seiner Heimatstadt Tacabamba ab. | AFP

Präsidentschaftswahl Kopf-an-Kopf-Rennen in Peru

Stand: 07.06.2021 11:17 Uhr

Spannende Stichwahl um die Präsidentschaft in Peru: Hochrechnungen zufolge liegt die konservative Fujimori hauchdünn vor Konkurrent Castillo. Bis das Endergebnis vorliegt, könnte es noch dauern.

In Peru zeichnet sich Hochrechnungen zufolge ein knappes Rennen bei der Stichwahl um das Präsidentenamt ab. Die Konservative Keiko Fujimori komme auf 52,9 Prozent der Stimmen, teilte die Wahlkommission unter Verweis auf Teilergebnisse mit. Der linksgerichtete Bewerber Pedro Castillo, der aus der ersten Wahlrunde im April als Überraschungssieger hervorgegangen war, kam demnach auf 47,09 Prozent der Stimmen.

Da die Stimmen vor allem aus abgelegenen Gebieten noch fehlten, könnte die Unsicherheit über das Endergebnis noch Tage anhalten. Dort hat Castillo mehr Rückhalt als Fujimori. Die Wahlbeteiligung lag laut der Zeitung "La Republica" bei rund 78 Prozent.

Fujimori bat in einer ersten Erklärung um Zurückhaltung; man warte auf das offizielle Ergebnis. Castillo rief seine Unterstützer auf, das Ergebnis in Ruhe abzuwarten und sich dann zu äußern.

Fujimori siegt in Städten, Castillo auf dem Land

Fujimori siegte wie erwartet in der Hauptstadt Lima und in anderen Städten. Sie ist die Tochter des früheren autoritären Präsidenten Alberto Fujimori (1990 bis 2000), der eine 25-jährige Haftstrafe wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen verbüßt. Die 46-Jährige ist in den Korruptionsskandal um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht verwickelt und verbrachte insgesamt 16 Monate in Untersuchungshaft. Noch immer wird gegen sie ermittelt.

Der Gewerkschafter und Grundschullehrer Castillo kann vor allem auf den Rückhalt der ärmeren ländlichen Bevölkerung bauen. Er verspricht ein Ende des neoliberalen Wirtschaftsmodells. Castillo ist im Vergleich zu den meisten anderen Präsidentschaftskandidaten in keine Korruptionsskandale verwickelt, gegen ihn laufen keine Ermittlungen. Seine Kritiker vergleichen seine Pläne mit der Politik des verstorbenen venezolanischen Präsidenten und Sozialisten Hugo Chávez.

Peru leidet sehr unter der Corona-Krise. Die Wirtschaft ist stark eingebrochen und die Armut hat sich um bis zu 30 Prozent erhöht. Vor kurzem hatte das Gesundheitsministerium die offizielle Zahl der Corona-Toten um mehr als das Doppelte heraufgesetzt. Das südamerikanische Land hat damit eine der höchsten Sterblichkeitsraten weltweit.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. Juni 2021 um 12:00 Uhr.