Menschen demonstrieren in Peru. | AFP

Nach Toten bei Protesten Mehrere Rücktritte in Perus Regierung

Stand: 13.01.2023 15:02 Uhr

Der nationalen Ombudsstelle zufolge sind bereits rund 50 Menschen bei den Unruhen in Peru ums Leben gekommen. Die Regierung erhöht den Druck auf Übergangspräsidentin Boluarte: Ein viertes Mitglied hat seinen Rücktritt verkündet.

Nach der Amtsenthebung und Verhaftung des ehemaligen Präsidenten Perus, Pedro Castillo, dauern die Unruhen im Land an. Der Druck auf Übergangspräsidentin Dina Boluarte wächst. Arbeitsminister Eduardo García Birimisa gab bekannt, sein Amt niederzulegen. Laut der Zeitung "El Comercio" ist er bereits das vierte zurückgetretene Mitglied der aktuellen Regierung.

In einem auf Twitter veröffentlichten Brief an die Staatschefin forderte er eine Entschuldigung der Regierung bei der Bevölkerung für das Vorgehen der Sicherheitskräfte. Die Zahl der Menschen, die bei den Protesten ums Leben gekommen sind, ist nach Angaben der nationalen Ombudsstelle mittlerweile auf rund 50 gestiegen. Mehrere Hundert Menschen wurden demnach verletzt.

Rücktritt Boluartes gefordert

Unterdessen starteten die linken Parteien im Parlament eine Initiative zur Absetzung Boluartes. "Unser Land wird durch das miserable Management der Regierung und der Ordnungskräfte unter der Führung von Frau Boluarte ausgeblutet", heißt es laut der Zeitung "La República" in einer Erklärung.

Boluarte hatte das Amt nach der Absetzung Castillos durch das Parlament am 7. Dezember übernommen. Wegen der Gewalt der Sicherheitskräfte ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen sie und andere Regierungsmitglieder.

Flugverkehr nach Machu Picchu lahmgelegt

Neben Demonstrationen in der Hauptstadt Lima gab es weitere Kundgebungen in der Touristenstadt Cusco und der südlichen Region Puno. Dort wurden weitere 20 Tote gemeldet. Das Verkehrsministerium meldete zeitweise 83 Straßenblockaden und gab die vorübergehende Schließung des Flughafens Cuscos als "Präventionsmaßnahme" bekannt.

Tausende Menschen protestierten am Donnerstag allein in Cusco. Rund um den Flughafen waren zahlreiche Polizisten und Soldaten postiert. Mit der Sperrung des Flughafens reagierte die Regierung auf eine drohende Besetzung des Flughafens durch Demonstranten. Wegen der Proteste hatte der Flughafen von Cusco im Dezember schon einmal seinen Betrieb fünf Tage lang eingestellt. Cusco ist der zweitgrößte Flughafen des südamerikanischen Landes und wird von vielen Touristen, die die Inka-Stadt Machu Picchu besuchen wollen, angesteuert.

Auch Bahnverkehr betroffen

Neben dem Flugverkehr wirkten sich die Proteste auch auf den Zugverkehr aus. Die Verbindung zwischen Cusco und Machu Picchu wurde erneut bis auf Weiteres eingestellt, wie die Bahngesellschaft mitteilte. Damit solle die Sicherheit der Passagiere und des Zugpersonals gewährleistet werden.

Im vergangenen Monat saßen Hunderte Touristen in der Umgebung von Machu Picchu fest, weil die Bahnstrecke zwischen der Stätte und Cusco von Demonstranten mit Steinen blockiert worden war.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Januar 2023 um 06:00 Uhr.