Kranzniederlegung an der Pearl Harbor-Gedenkstätte in Honolulu. | picture alliance / Photoshot

80 Jahre nach dem Angriff Der Schock von Pearl Harbor

Stand: 07.12.2021 10:30 Uhr

Der Angriff Japans auf Pearl Harbor bewog die USA zum Eintritt in den Zweiten Weltkrieg, wurde zum Nationaltrauma - und befeuerte rassistischen Hass. Auch 80 Jahre später wirken die Ereignisse nach.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Der 7. Dezember 1941 ist ein strahlender Sonntagmorgen auf der hawaiianischen Insel O'ahu. Viele Soldaten sitzen beim Frühstück, als der überraschende Angriff aus der Luft stattfindet: "Plötzlich gab es ein Getöse überall, Glas splitterte gegen meinen Kopf und die Schultern. Ich dachte, ein Flugzeug sei abgestürzt und rannte runter zum Hangar", erinnert sich Kriegsveteran Earl Kohler, gerufen "Chuck", an die ersten Minuten des Angriffs. Die Attacke der japanischen Kampfbomber kam überraschend für die Soldaten der US Navy-Basis. Ein Reporter, der per Telefon über den Angriff berichtet, wiederholte: "Es ist kein Witz, das ist wirklich Krieg."

Katharina Wilhelm ARD-Studio Los Angeles

Dem Angriff gingen Spannungen zwischen Japan und den USA voraus, die bereits einige Jahre andauerten. In zwei Wellen bestritten 350 japanische Flugzeuge den Angriff auf Pearl Harbor. In nicht mal zwei Stunden wurden fünf Schlachtschiffe versenkt, drei weitere schwer getroffen, 188 Flugzeuge vernichtet. Mehr als 2400 Menschen starben bei dem Angriff. 

US-Eintritt: "Kriegsentscheidend"

US-Präsident Franklin D. Roosevelt wandte sich am Tag darauf an sein Volk und sprach vom "Datum der Schande", an dem Japan urplötzlich und vorsätzlich die USA angegriffen habe.

Pearl Harbor war ein Wendepunkt für die USA, sagt der US-amerikanische Historiker Rob Citino: "Die großen, neutralen USA wurden dadurch in einen Krieg gezogen. Einige Tage später erklären die Deutschen und Italiener den USA den Krieg. Die USA wären, da bin ich überzeugt, nie ohne den Schock von Pearl Harbor in den Krieg eingetreten."

Karte Hawaii mit Pearl Habor

Der Japan-Historiker Takuma Melber von der Universität Heidelberg sieht das ähnlich. Er hat sich ebenfalls mit Pearl Harbor beschäftigt, sein Buch "Pearl Harbor: Japans Angriff und der Kriegseintritt der USA" wurde gerade ins Englische übersetzt. "Pearl Harbor ist das Moment im Zweiten Weltkrieg, in dem die beiden Kriegsschauplätze Asien und Europa miteinander verbunden werden", sagt er. "Wie im Ersten Weltkrieg war der Kriegseintritt der USA kriegsentscheidend für den Ausgang des Zweiten Weltkriegs."

Die Pearl Harbor-Veteranen Chuck Kohler und Don Long salutieren bei einer Gedenkzeremonie (Archivbild von 2018). | picture alliance/AP Photo

Pearl Harbor-Veteran Chuck Kohler (links im Bild) salutiert mit Kamerad Don Long auf einer Gedenkfeier (Foto von 2018). Bild: picture alliance/AP Photo

Rassistischer Hass gegen Asian Americans 

Nicht nur die Dynamik des Weltkriegs veränderte sich. Für die asiatischen, insbesondere die japanisch-stämmigen Amerikaner hatte Pearl Harbor dramatische Auswirkungen. Etwa 120.000 von ihnen kamen in Internierungslager. Eine der bekanntesten unter ihnen dürfte der Schauspieler George Takei sein, bekannt als Sulu aus der Star-Trek-Serie "Raumschiff Enterprise". Er lebte von seinem fünften bis achten Lebensjahr in einem solchen Camp.

Rassismus gegen Asiaten ist in den USA auch heute noch sehr präsent. In diesem Jahr gingen Tausende Asian Americans auf die Straße, um gegen Hass und Hetze zu protestieren. Ein Erbe von Pearl Harbor und anderen Kriegen gegen asiatische Länder, darunter Korea und Vietnam, meint Takuma Melber: "Es ist leider, denke ich, in der in der Realität schon so, dass gewisse amerikanische Militärs oder auch der Durchschnitts-US-Bürger alle Asiaten ein Stück weit in einen Topf geworfen hat" sagt er.

Veteranen sind mehr als 100 Jahre alt 

Auf der hawaiianischen Insel O'ahu ist die Pearl Harbor-Gedenkstätte ein Touristenmagnet. Unter anderem können die Besucher einen Blick auf die versunkene "USS Arizona" werfen, auf der mehr als 1000 Menschen starben.

Pearl Harbor ist ein Mahnmal geworden und erzählt vom Anfang und Ende des Krieges. Denn mit der Zerstörung von Pearl Harbor begann 1941 der Kriegseinsatz der USA - auf der "USS Missouri", die nur wenige Hundert Meter daneben liegt, endete er vier Jahre später.

Die Gedenkstätte wird immer wichtiger für künftige Generationen, denn wenn am 8. Dezember die US-Fahne gehisst und der Opfern der Attacke von Pearl Harbor gedacht wird, werden wieder ein paar Dutzend Überlebende versammelt sein. Doch es ist wohl das letzte runde Datum, an dem die Zeitzeugen so zusammenkommen: Viele von ihnen sind bereits mehr als Hundert Jahre alt. 

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. Dezember 2021 um 08:30 Uhr.