Menschen stehen an einer Teststation in New York City Schlange. | REUTERS

Coronavirus in den USA Omikron lähmt New York

Stand: 28.12.2021 02:34 Uhr

Bars bleiben leer, dafür wachsen die Schlangen an Teststationen: Die Infektionszahlen in New York steigen durch Omikron rasant. Bürgermeister de Blasio hat nun eine Impfpflicht für alle Beschäftigten eingeführt.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul will keine Panik schüren: "Wir müssen zugeben, dass die Fallzahlen steigen. Aber das überrascht uns nicht wirklich."

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Explosionsartig steigen sie vor allem in der Stadt New York. Das Tempo, mit dem Omikron sich verbreitet, lähmt die City, die gerade so nah an der Normalität gewesen ist. Fast jeder zwölfte Bewohner sei infiziert, melden Statistikdienste. Doch wegen der Feiertage laufen die neuen Zahlen nur langsam ein. Allein an Heiligabend gab es mehr als 15.000 Neuinfektionen. Innerhalb einer Woche haben sich die Zahlen verdreifacht.

Die Lage in den Kliniken bleibe aber vergleichsweise entspannt, beruhigt Hochul. "Obwohl die Zahl der Covid-Einlieferungen steigt, können wir uns trösten: Wir sind nicht da, wo wir im Frühjahr 2020 waren oder im Januar dieses Jahres. Aber es geht hoch."

Mehr Kinder im Krankenhaus

Die Omikron-Infektionen verliefen in der Regel bisher milder als andere. Besorgniserregend hingegen: Immer mehr Kinder würden mit Corona-Infektionen in New Yorker Krankenhäuser eingeliefert, warnt Gesundheitskommissarin Mary Bassett. "Die Daten vom vergangenen Freitag zeigen, dass die Zahlen im gesamten Bundesstaat seit dem 11. Dezember von 70 auf das Zweieinhalbfache gestiegen sind, während sie sich in der Stadt New York fast verfünffacht haben." Von 22 auf 109. Etwa die Hälfte der kleinen Patienten sei jünger als fünf Jahre.

Kinder dieser Altersgruppe dürfen im Gegensatz zu allen anderen in den USA nicht geimpft werden. Doch auch von den älteren eingelieferten Kindern sei lediglich ein Viertel geimpft. Bassett appelliert an die Wachsamkeit der Kinderärzte: "Und wir wollen die Eltern alarmieren. Viele Menschen glauben immer noch nicht, dass Kinder Covid bekommen können. Das stimmt nicht: Kinder infizieren sich und einige müssen deswegen ins Krankenhaus."

Schlechte Erinnerungen an 2020

Von den mehr als acht Millionen Einwohnern der Stadt sind bislang 72 Prozent vollständig geimpft. Ein Drittel von ihnen hat bereits eine Booster-Impfung. Dennoch macht sich Nervosität unter der New Yorkern breit. Und Erinnerungen an das Frühjahr 2020, als die erste Corona-Welle die Stadt zum Epizentrum machte.

"Ich würde nicht sagen, dass ich Angst habe, aber ich bin besorgt", sagt ein Mann, der in Midtown Manhattan in einer Schlange für einen Test ansteht. Die New Yorker seien einfach genervt. Sie seien schon wieder so nah an der Normalität gewesen, sagt er. Jetzt drehe sich alles wieder zurück.

Erste Bars und Restaurants haben geschlossen, andere bleiben leer. In immer mehr Shows auf dem Broadway bleiben die Lichter aus. Die gerade erst wiederbelebten Bürgersteige sind vielerorts fast so leer wir vor einem Jahr. Immer mehr Menschen jetzt auch wieder draußen ihre Masken - auch eine Passantin: "Ich habe Angst, weil diese Variante so hochansteckend ist. Es ist ganz schön beunruhigend, wie sich die Dinge wieder zuspitzen."

Erste Stadt mit Impfpflicht für alle Beschäftigten

Dagegen haben die ersten Teststationen in mehreren U-Bahnhöfen geöffnet. Die Verkehrsbetriebe bereiten die Passagiere gleichzeitig darauf vor, dass weniger Züge fahren - weil immer mehr Mitarbeiter wegen Covid ausfallen.

Der scheidende Bürgermeister Bill de Blasio machte gleich zu Wochenbeginn Ernst: Als erste Stadt in den USA hat New York die Impfpflicht für alle Beschäftigten - auch im Privatsektor - eingeführt. Arbeitgeber müssen das dokumentieren. Bei Verstößen droht eine Strafe von 1000 Dollar aufwärts.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 28. Dezember 2021 um 06:24 Uhr.