Kundgebung in Oklahoma zur Unterstützung von Julius Jones | AP

Todesstrafe in Oklahoma Proteste gegen geplante Hinrichtung

Stand: 18.11.2021 10:25 Uhr

Die letzte Exekution war ein minutenlanger Todeskampf - trotzdem soll heute in Oklahoma wieder ein Mensch hingerichtet werden. Es gibt Zweifel an seiner Schuld. Doch der Gouverneur, der ihn begnadigen könnte, bleibt hart.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Der Lokalsender KFOR hat einen Hubschrauber losgeschickt. Er kreist über Highschools in Oklahoma City und zeigt hunderte Schüler, wie sie ihre Klassenräume verlassen, wie sie sich auf Sportplätzen sammeln und die Fäuste recken. Und das passierte gestern überall in der Stadt.

Katrin Brand ARD-Studio Washington

"Wir alle fühlen uns Julius irgendwie verbunden, weil wir High School-Studenten sind, und weil er ins Gefängnis kam, während er gerade mit der High School fertig war", erzählt eine junge Frau im Lokalfernsehen. "Wir wollten zeigen, woran wir glauben."

Julius Jones war 19, als er in Verdacht geriet, einen 45 Jahre alten Geschäftsmann erschossen zu haben, vor den Augen seine Kinder, nur, um dessen Auto zu stehlen. Im Jahr 2002 wurde der junge Afroamerikaner wegen Mordes zum Tode verurteilt, heute soll der inzwischen 41-Jährige hingerichtet werden. Und das wühlt nicht nur die Schüler von Oklahoma City auf.

Unterstützer halten Schilder während eines Gebets für Julius Jones in Oklahoma City | AP

Viele Menschen setzen sich für Julius Jones ein - wie hier in Oklahoma City. Bild: AP

Auch Prominente setzen sich für Jones ein

Seit der Fernsehsender ABC Jones´ Geschichte in einer Mini-Serie aufgegriffen hat, haben sich etliche Promis für ihn eingesetzt, darunter Kim Kardashian. Über sechs Millionen Menschen haben inzwischen eine Petition unterzeichnet, die Vertretung der Europäischen Union in der USA hat einen Brief an den Gouverneur von Oklahoma geschickt. Sie alle bezweifeln Jones´ Schuld und bitten um Gnade für ihn.

Jones sagt, er sei unschuldig. Seine unerfahrenen Verteidiger hätten damals Fehler gemacht, ihn entlastende Zeugen seien nie vorgeladen worden. Zur fraglichen Zeit sei er zu Hause bei seiner Familie gewesen, und inzwischen soll auch ein anderer die Tat gestanden haben, doch das Verfahren wurde nie neu aufgerollt.

Oklahomas Gouverneur bleibt bislang hart

Der Begnadigungsausschuss von Oklahoma hat mehrheitlich empfohlen, Jones' Todesstrafe in lebenslänglich umzuwandeln. Doch das kann nur ein Mann, Oklahomas Gouverneur Kevin Stitt, und er hat bisher nichts unternommen. Aber die Unterstützer geben nicht auf. "Wir hoffen immer noch, dass Gouverneur Stitt das richtige tun wird, und dass er das Gnadengesuch annimmt", sagt Tamya Cox-Touré von der Bürgerrechtsorganisation ACLU.

Die Familie des Ermordeten Paul Howell allerdings fühlt sich durch den Medienrummel um Jones missachtet und fordert, beide Seiten zu sehen. Tochter Rachel Howell hat vor über 20 Jahren ihren Vater sterben sehen und bittet den Gouverneur, das Urteil zu vollstrecken.

Jahrelang keine Hinrichtungen in Oklahoma

Jahrelang war in Oklahoma niemand hingerichtet worden, weil zwei Exekutionen grauenvoll schief gegangen waren. Es waren nicht die richtigen Medikamente verabreicht worden, die beiden Männer kämpften minutenlang mit dem Tod. Eine Klage gegen die Hinrichtung durch Giftspritze soll nächstes Jahr verhandelt werden, dennoch will Oklahoma nun wieder vollstrecken.

Forderung nach Aufschiebungen der Exekutionen

Die erste Hinrichtung Ende Oktober sei erneut schief gegangen, sagt Bürgerrechtlerin Cox-Touré: "Es hat länger gedauert als erwartet. Die als Zeugen anwesenden Journalisten berichteten von Zittern und Erbrechen bei dieser wieder verpfuschten Hinrichtung".

Die Anwälte und Aktivisten fordern, dass die nächsten Exekutionen aufgeschoben werden. Doch der Bundesstaat will neben Julius Jones in den nächsten Monaten weitere fünf Männer durch die Spritze töten lassen.

Oklahoma: 113 Hinrichtungen seit den 1970er-Jahren

Oklahoma ist ein sehr konservativer Staat. Die Mehrheit der vier Millionen Bürger hält die Todesstrafe für richtig. 113 Menschen sind hier seit den 1970er-Jahren hingerichtet worden, genauso viel wie in Virginia.

Die meisten Hinrichtungen in Texas

Doch Virginia hat die Todesstrafe nun abgeschafft, als erster unter den Südstaaten. "Wir haben viel, worauf wir stolz sein können, die Geschichte unserer Todesstrafe gehört nicht dazu“, sagte Ralph Northam, der frühere Gouverneur. Auch im frommen Utah gibt es eine starke Bewegung, die Todesstrafe abzuschaffen, unter anderem, weil Verurteilte oft jahrzehntelang im Todesstrakt verbringen und das die Steuerzahler sehr viel Geld kostet.

Die mit Abstand meisten Menschen sind in Texas hingerichtet worden, insgesamt wird die Todesstrafe am häufigsten in den Südstaaten angewandt. In 27 US-Staaten gibt es die Todesstrafe derzeit noch, drei wenden sie nicht an, 23 haben sie abgeschafft.

Die Zahl der Hinrichtungen ist allerdings kontinuierlich zurückgegangen. 1999 waren es fast 300, 2019 noch 34. Fast 200 Menschen wurden in den vergangenen 50 Jahren zu Unrecht verurteilt, die Dunkelziffer dürfte viel höher sein.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. November 2021 um 06:50 Uhr.