Eine Helferin bereitet Schilder für den Wahltag in New York vor | AP

New York Mit Sicherheit ins Bürgermeisteramt

Stand: 19.06.2021 08:43 Uhr

Der Wahlkampf um das Bürgermeisteramt in New York dreht sich vor allem um die Bekämpfung der Kriminalität. Ein heikles Thema für die Bewerber, denn es berührt auch die Debatte um die Polizeireform.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Gleich nach dem Präsidentenamt gilt er als einer der härtesten Posten der USA: der Job des Bürgermeisters von New York. Und Eric Adams ist "tough genug", um ihn zu machen - sagt er in seinem Wahlkampfspot: "Ich bin ein Mann der Arbeiter. Einer, der die Wirtschaft hochbringt und die Kriminalität runter. Und New York zurück."

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Der Bezirks-Präsident von Brooklyn möchte in die Fußstapfen der Giulianis und Bloombergs treten. Er weiß, wie das Leben geht: Als Jugendlicher verprügelte ihn die Polizei. Später wurde er selber Cop. 

Der Afroamerikaner trägt gern sein selbstentworfenes Polo-Shirt mit der Aufschrift: "Brooklyn Borough President", wenn er mit seinen Mitbürgern "in den Kampf" zieht, wie er es nennt. Bei seinen Wahlkampfauftritten erzählt er gern,  wie er als Polizist mal todesmutig eine Messerattacke in der U-Bahn verhindert hat - kein anderer Kandidat könne von sich sagen, dass er sein Leben für die New Yorker aufs Spiel gesetzt hat. Er schon.

Eric Adams (mitte) | AFP

An Mut mangelt es ihm nicht - überzeugt Eric Adams damit die Wähler New Yorks? Bild: AFP

Es mangelt nicht an Bewerbern

Das kommt an in der krisen- und kriminaltätsgeschüttelten Acht-Millionen-Metropole. Adams ist nach Umfragen Spitzenreiter unter den 15 demokratischen Kandidaten, die Amtsinhaber Bill de Blasio im Juli 2022 ablösen wollen.

Zwar sind diese Umfragen wackelig. Und es gibt auch zwei republikanische Kandidaten. Doch ziemlich sicher ist, dass ein demokratischer Kandidat das Rennen in der liberalen Hochburg macht. Die Vorwahl am Dienstag gilt also lange vor der eigentlichen Bürgermeisterwahl im November als entscheidend. Und Ex-Polizist Adams setzt darauf. "Sicherheit ist die Grundlage für alles", betont er. "Du kannst die Wirtschaft nicht aufbauen, wenn es nicht sicher ist."

In der Stadt nimmt die Gewalt zu

Nicht nur in Adams Stadtteil Brooklyn haben die Schießereien im vergangenen Jahr um hundert Prozent zugenommen. Überall in der Metropole steigt die Gewalt. Viele New Yorker fürchten sich nachts wieder in der U-Bahn. Doch stecken ihnen auch noch die heftigen Black Lives Matter Proteste in den Knochen.

Und sie rufen nach einer Zähmung der Cops: "Defund the Police" - "Entzieht der Polizei das Geld"! Ein Slogan, den allerdings auch Adams größter Konkurrent ablehnt: "Er ist falsch", sagt Andrew Yang, der kürzlich noch demokratischer Präsidentschaftskandidat werden wollte. Er jedenfalls höre von vielen New Yorkern, dass sie besorgt seien über das, was gerade in der Stadt los ist - "wir brauchen mehr Polizisten"!

Das Thema Gerechtigkeit

Der Sohn taiwanesischer Einwanderer weiß, wovon er spricht: Die Hatz auf Asiaten hat seit der Corona-Pandemie auch in New York zugenommen. Anders als der konservative Demokrat Adams macht sich Yang bei der Partei-Linken und den Jüngeren beliebt. "Ich mag Andrew Yang", sagt eine junge Frau auf einer Wahlveranstaltung in Harlem. Ihr Vater winkt ab: "Das ist eine andere Generation." Doch die Tochter beharrt darauf: "Er hat viele interessante Ideen. "Zum Beispiel seine Vorstellung von sozialer Gerechtigkeit und einem allgemeinen Grundeinkommen", sagt eine andere Wählerin.

Davon ist Yang allerdings inzwischen wieder abgerückt. Und er betont: Es sei nicht die Zeit, auch noch Steuern zu erhöhen. "Gerade die Immobiliensteuer ist astronomisch", klagt ein Wähler namens Ami Tamir. "Das treibt die Mieten hoch. Und wenn die hoch bleiben, können wir unsere Läden schließen."

Andrew Yang | AP

Mit Andrew Yang verbinden viele die Hoffnung auf mehr sozialen Ausgleich - auch wenn er manche Forderung nicht mehr wiederholt. Bild: AP

Eine Kandidatin aus der Verwaltung

Auf mehr soziale Gerechtigkeit setzt auch die derzeitige Nummer drei der Kandidatenliste. Kathryn Garcia ist die Stadtverwaltung vertrauter als allen anderen: Sie hat sich im de Blasio-Team lange um die Müllberge der Stadt gekümmert.

Kathryn Garcia | EPA

Kathryn Garcia kennt den Apparat - in einer 8-Millionen-Stadt kann das ein entscheidender Vorteil sein. Bild: EPA

Es gehe in erster Linie um die Rettung der Wirtschaft, sagt Garcia. Die Kultur und die Restaurants müssten gestärkt werden, sagt sie - "alles, was uns von anderen US-Städten unterscheidet. Und deshalb müssen die Kinder zurück in die Schulen."

Zusätzliche Millionen will sie in die Bildung stecken. Garcia sei eine Macherin, sagt eine Frau vor einem Wahllokal, die ihr vorzeitig ihre Stimme gegeben hat und Garcia sogar aus der Stadtverwaltung kennt. Sie sei einfach "geradeaus und weiß, wie Sachen funktionieren". Deshalb stimme auch ihr Slogan: "Sie kriegt es gebacken."

Unterstützung der "New York Times"

Es sei Zeit, dass New York nach 400 Jahren mal von einer Frau regiert werde, sagt auch Garcia. Die "New York Times" hat ihr bereits ihre Unterstützung zugesagt. Ein ungewöhnlicher Zug bei einer Bürgermeisterwahl.

Frontrunner Adams muss hingegen einen Unterstützer fürchten: Nach Gerüchten überlegt Amtsinhaber de Blasio, sich für ihn in die Bresche zu werfen. Doch Umfragen zeigen: De Blasio ist so unbeliebt - das wäre Gift für den Kandidaten.

Über dieses Thema berichtete der Weltspiegel am 20. Juni 2021 um 19:20 Uhr.