Menschen laufen vor der Gebäude des New York Stock Exchange vorbei. | AFP

Omikron in New York Schließen ist keine Option

Stand: 04.01.2022 02:23 Uhr

In New York hat sich inzwischen je nach Stadtteil jeder dritte bis fünfte Bewohner mit dem Coronavirus infiziert. Trotz explodierender Fallzahlen warnt der Bürgermeister vor Schließungen. Doch das Personal wird überall knapp.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Auf diesen Test freut sich der 13-Jährige Schüler Alex. Er steht Schlange an einem mobilen Covid-Labor in Midtown Manhattan. "Ich kann es nicht abwarten, wieder in meine Schule zu gehen und all meine Freunde und Lehrer zu sehen."

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Trotz der explodierenden Infektionszahlen hat die Stadt die öffentlichen Schulen nach den Weihnachtsferien wieder komplett geöffnet. Doch bevor die Schüler in die Gebäude dürfen, müssen ihre Eltern die Zustimmung dafür geben, dass sie willkürlich einmal pro Woche getestet werden.

"Das können wir nicht wiederholen"

Grundschullehrerin Sarah Hunter ist froh darüber, dass sie an einer Privatschule arbeitet und gerade nicht in den Klassenraum gezwungen wird. "Unsere Schule macht den ganzen Januar zu. Wir machen wieder Unterricht über die Laptops." Dabei sei das Schulgebäude der sicherste Ort für die Kinder, betont der neue Bürgermeister Eric Adams.

Die Infektionsraten sind dort niedrig. Ihre Kinder sind an einem sicheren Ort, an dem sie lernen und wachsen können. Wir haben fast zwei Jahre an echtem Schulunterricht verloren. Das können wir nicht wiederholen.

Inzwischen hat sich je nach Stadtteil jeder dritte Bis fünfte New Yorker mit dem Virus infiziert. Die Tendenz der Kurven ist in allen Statistiken rot und steigend. Personal wir immer knapper: In Läden, Krankenhäusern - an Flughäfen. Tausende gestrandete Fluggäste waren erst über Neujahr an den drei New Yorker Airports auf die Geduldsprobe gestellt worden: Ein Viertel der Flüge waren dort verspätet oder wurden gestrichen.

Adams warnt vor wirtschaftlichen Folgen von Schließungen

Hauptsächlich mangelte es an Personal. Große Konzerne wie die Investmentbank Goldman Sachs schickten ihre Leute wieder ins Homeoffice zurück. Doch Adams warnt sie alle: Die Stadt dürfe sich nicht wirtschaftlich vom Virus in die Knie zwingen lassen: "Wenn wir unsere Stadt schließen, dann ist das so gefährlich wie Covid."

An seinem ersten Wochen-Arbeitstag nimmt der Bürgermeister demonstrativ die U-Bahn. Adams will beweisen: Das System funktioniert. Auch wenn viele Züge mangels Personal einfach nicht fahren können. Viele seiner Mitarbeitern im Rathaus hat es allerdings auch erwischt. Fast ein Viertel der getesteten Menschen im ganzen Bundesstaat war am Silvestertag nach offiziellen Angaben infiziert.

Erinnerungen an vergangenen Januar

Die Zahlen, die es seitdem gibt, seien wegen des Feiertagswochenendes nicht stichhaltig, erklärt Gouverneurin Kathy Hochul.

Diese Zahlen sind schockierend, aber zum Glück ist es nicht die Delta-Variante. Viel mehr Menschen testen zwar positiv. Aber sie erkranken nicht so schwer, wie andere Menschen davor.

Die Situation in den Kliniken sei daher auch trotz weiterer Einlieferungen noch entspannt. Immer leerer bleiben Geschäfte und Museen. Wie ausgestorben wirkt das Bürozentrum Midtown Manhattan. Auf den Avenuen können sich die wenigen Menschen wieder ohne Autolärm unterhalten. Die Leere auf den Bürgersteigen erinnert an den vergangenen Januar, als es gerade auch wieder eine dicke Covid-Welle gab - aber eben noch kaum Impfungen, betont Hochul.

Vor einem Jahr hat jeder gefragt: Wann bekomme ich endlich die Impfung? Und jetzt gibt es überall welche. Es gibt keinen Menschen im ganzen Staat New York, der sich nicht impfen lassen kann.

Bürgermeister Adams hat das Impfmandat seines Vorgängers übernommen: Mitarbeiter von öffentlichen wie privaten Unternehmen müssen komplett geimpft sein. Gerade prüft Adams, ob er das Mandat auch auf den Booster ausdehnen soll.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Januar 2022 um 06:45 Uhr.