Bauarbeiten am Strand vor New York City | WDR/ARD

New York Warten auf den Hochwasserschutz

Stand: 02.08.2021 15:00 Uhr

Nach dem Wirbelsturm "Sandy" wollte sich New York eigentlich besser gegen Überflutungen wappnen. Doch die Bauarbeiten hierfür sind noch immer nicht beendet. Manche Stadtteile fühlen sich bei Hilfen abgehängt.

Von Marc Steinhäuser, ARD-Studio New York

Mit schwerem Gerät planieren Bauarbeiter am Strand vor New York City in diesen Tagen das Ufer. Sie schütten tonnenweise Steine auf, bauen neue Buhnen und eine erhöhte Strandpromenade. Die Bagger sollen New York vor dem Untergang retten - und konkret die Strandvillen und die schicken Appartements im westlichen Teil der Rockaway-Halbinsel schützen.

Marc Steinhäuser

Die Bauarbeiten in diesem Sommer gehen zurück auf das amerikanische Küstenschutzprogramm, das nach der Katastrophe durch den Wirbelsturm "Sandy" beschlossen wurde. Vor neun Jahren hatte "Sandy" Tausende Häuser an der US-Ostküste überflutet und zerstört. 44 New Yorker verloren damals ihr Leben, viele andere lebten wochenlang ohne Strom. Doch der Wiederaufbau und Neubau von Schutzwänden läuft schleppend - wenn überhaupt.

Manchen Stadtteilen fehlt bis heute Flutschutz

Eigentlich ist der gesamte Küstenabschnitt der Rockaway-Halbinsel von den Folgen des Klimawandels bedroht. Doch nicht alle Anwohner bekämen den gleichen Schutz, sagt Gemeinderätin Sonia Moise. Aus ihrer Sicht verschärft der Wiederaufbau die sozialen Probleme einiger Stadtteile. Dort, wo Menschen mit weniger Einkommen wohnen, werde "der Klimawandel ganz anders gehandhabt", kritisiert Moise.

Sonja Moise | WDR/ARD

Sonia Moise kämpft für einen gerechteren Schutz gegen Hochwasser. Bild: WDR/ARD

Auf der Halbinsel werde zwar der Hauptstrand derzeit aufwendig gesichert, doch zur Bucht gebe es bis heute keinen Flutschutz. "Wir zahlen zum Beispiel mehr für die Hochwasser-Versicherung", sagt Moise. Sie kämpft bis heute mit einer Bürgerinitiative dafür, dass auch die anderen Teile der Halbinsel geschützt werden. "Es ist absurd, denn da ist bis heute nichts passiert", sagt sie.

3000 neue Häuser - und lange Wartezeiten

Die Stadt New York hat seit dem Wirbelsturm "Sandy" rund 3000 Häuser ausbessern oder auf Stelzen neu errichten lassen. Weil manche Gegenden allerdings stark Hochwasser-gefährdet sind, haben längst nicht alle Hausbesitzer die Fördergelder erhalten. Einige Grundstücke auf der Rockaway-Halbinsel sind deshalb verwahrlost, Häuser dort bis heute weder geschützt, noch repariert.

Die Stadt New York rechtfertigt ihr Vorgehen, sieht alle Stadtteile gut geschützt. Luis Mendes, in New York zuständig für das Wiederaufbau-Programm, sieht auch die Hausbesitzer in der Pflicht. Manche hätten schlicht keinen Anspruch auf die Unterstützung, weil ihr Haus "illegal errichtet" worden sei. Allerdings wolle die Stadt bei künftigen Flutschutzprogrammen die Abwicklung beschleunigen.

Flutschutz durch Baumrodung?

Auch in Manhattan lässt der Flutschutz neun Jahre nach "Sandy" weiter auf sich warten. Erst kürzlich starteten die Bauarbeiten am East River. Die von der Stadt beauftragte Baufirma Arcadis will nach jahrelangen Planungen jetzt keine Zeit mehr verlieren: Mobile Flutschutzwände sollen Tunnel und Straßen schützen, das Ufer rund um Manhattan wird Stück für Stück erhöht. Doch der Preis dafür ist hoch: Im East River Park sollen bald bis zu 1000 Bäume gefällt werden - was viele Anwohner erzürnt.

Flutschutz durch Baumrodung? Für die ausführende Baufirma durchaus sinnvoll: "Bäume sind lebenswichtig und kommen dort auch wieder hin", verspricht Edgar Westerhof, US-Direktor für Hochwasser-Management bei Arcadis. Man müsse aber das Ufer erhöhen, damit die Einwohner Manhattans langfristig vor Klimawandel und Überflutungen geschützt werden. "Das ist etwas, an das wir uns alle gewöhnen müssen", sagt Westerhof.

In den Stadtteilen an New Yorks Küste kämpfen mehrere Bürgerinitiativen weiter für besseren Flutschutz. "Es heißt immer, es wurde ganz viel gemacht seit 'Sandy'", sagt Gemeinderätin Moise. "Wir warten immer noch darauf, dass das wirklich passiert."

Über dieses Thema berichtete ARD-Weltspiegel am 01. August 2021 um 19:20 Uhr.