Eine Demonstration nach der Ermordung der Trans-Frau Roxanne Moore in New York (Bild vom 2. Oktober 2020). | picture alliance / ZUMAPRESS.com

Kampf um Trans-Rechte Mehr Sichtbarkeit - bessere Gesetze

Stand: 31.03.2021 13:09 Uhr

In den USA schmücken sich Designer mit Transmenschen, aber dort und anderswo auf der Welt werden viele von ihnen ermordet. New Yorker Aktivistinnen fordern Sichtbarkeit und schützende Gesetze.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Isa Noyola begriff, wozu blinder Hass auf Menschen wie sie führen kann, als eine Freundin das Opfer wurde. Ruby war aus Nicaragua in die USA gekommen, voller Träume und Hoffnungen.

Antje Passenheim ARD-Studio New York

"Sie wurde tragisch ermordet. Ihren Körper warfen sie in einer abgelegenen Lagerhausgegend ab", erzählt Noyola. Der Tod ihrer Freundin habe sie verändert. "An diesem Morgen habe ich so etwas zum ersten Mal erlebt. Und ich wusste: Ich kann nicht nur trauern", sagt sie. "Ich muss für Gerechtigkeit kämpfen."

Mindestens 350 Morde im vergangenen Jahr

Noyola will kämpfen - für ihre Freundin und für alle transgeschlechtlichen Menschen, für die Diskriminierungen, Drohungen und Schlimmeres zum Alltag gehören.

Auch in US-Großstädten von San Francisco bis New York. Die Welle von Hass und Gewalt wachse, sagt die heutige stellvertretende Direktorin der Trans-Organisation Mijente: eine "Reihe von Gewalt und Morden, die jedes Jahr geschehen" - und über die kaum jemand spreche.

Weltweit wurden vergangenes Jahr mindestens 350 transgeschlechtliche Menschen ermordet. Nach Angaben der der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch allein 44 davon in den USA. Das wundert Elle Hearns nicht. Sie ist die Gründerin des New Yorker Marsha P. Johnson Institute, das sich für afroamerikanische Transmenschen einsetzt.

"Diese Zahlen wurden früher nicht verfolgt. Jährlich erzeugen sie nun eine Sensation. Aber wir haben seit Jahren gewarnt: Wir werden getötet, ermordet", sagt sie. "Natürlich steigen die Zahlen jedes Jahr, denn es gibt immer bessere Quellen, bessere Erfassung."

Eine Demonstration nach der Ermordung der Trans-Frau Roxanne Moore in New York (Bild vom 2. Oktober 2020). | picture alliance / ZUMAPRESS.com

Eine Demonstration nach der Ermordung der Trans-Frau Roxanne Moore in New York (Bild vom 2. Oktober 2020). Bild: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Aktivismus-Gruppen unterschätzen das Problem

Die Ermordeten sind meist Transfrauen und selten weiß. Hauptsächlich sind es schwarze US-Amerikanerinnen und Latinas. Die Diskriminierung passe in das Muster von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit - und selbst Bürgerrechtsbewegungen wie Black Lives Matter ignorierten das, sagt Hearns: "Sie haben die Folgen unterschätzt, die Unterdrückung und struktureller Rassismus auf solche Randgruppen haben."

Die Aktivistinnen fordern: Die Politik muss handeln, muss die Gewalt verurteilen, besseren Schutz geben - indem sie auch aufhöre, Transmenschen durch Gesetze auszugrenzen.

Allein 65 solcher Gesetze richteten sich bundesweit in den USA gegen transgeschlechtliche Menschen, sagt Noyola: "Einfache Gesetze, die etwa Transkindern und Jugendlichen den Zugang zu Schultoiletten verwehren. Oder ihre Sportart auszuüben."

Gesetze und Kultur müssen sich ändern

US-Medien schmücken sich hingegen gern mit schönen Transmenschen wie mit Model Leyna Bloom: Sie lief in Manhattan für Tommy Hilfíger über den Laufsteg. Ein Sportmagazin zeigt sie jetzt im Badeanzug auf dem Titelbild.

Die "New York Times" feiert es. Das sei toll, sagt Isa Noyola. Löse aber nicht das Problem. Denn so eine Sonderstellung sei auch gefährlich:

Transmenschen sind auf Titelseiten, wir haben unsere eigenen Fernsehserien. Wir sind auf die Weise sichtbar. Aber Rechte, Konservative und Hassgruppen nutzen das, um in den Gemeinden Angst vor uns zu verbreiten.

Transgeschlechtliche Menschen brauchten in erster Linie Grundrechte und Schutz - und: Normalität. Dafür reiche es nicht, nur Gesetze zu verändern oder nur die Kultur zu verändern. Beides müsse gleichzeitig geschehen, sagt Noyola. Und vor allem muss es eins sein: sichtbar. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. März 2021 um 06:20 Uhr.