Gouverneurin von New York, Kathy Hochul | dpa

Erreger im Abwasser Bundesstaat New York ruft Polio-Notstand aus

Stand: 12.09.2022 17:05 Uhr

Eigentlich gilt Polio als ausgerottet - im US-Bundesstaat New York wurden die Viren aber nun vermehrt im Abwasser gefunden. Gouverneurin Hochul rief den Katastrophenfall aus.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

In mehreren Landkreisen des Bundesstaats New York waren zuletzt Polioviren im Abwasser nachgewiesen worden. Ein Alarmsignal, denn die Erreger der Kinderlähmung werden häufig über verunreinigtes Wasser verbreitet. Außerdem war in einer der betroffenen Kommunen im Juli ein Mann an Polio erkrankt - der erste Fall in den USA seit fast einem Jahrzehnt.

Peter Mücke ARD-Studio New York

Die New Yorker Gesundheitsbehörde befürchtet, das Virus könnte sich auch in der Millionenmetropole verbreiten. Die Gouverneurin des Bundesstaats, Kathy Hochul, hat deshalb den Katastrophenfall ausgerufen. Unter anderem wurde das Netzwerk der Anbieter ausgeweitet, die Polio-Impfungen verabreichen dürfen - auf Noteinsatzkräfte, Hebammen und Pharmazeuten. Die Gesundheitsbehörde rief alle unzureichend oder gar nicht geimpften Einwohner dringend auf, sich immunisieren zu lassen. Das gelte vor allem für Kinder.

Experten machen Impfmüdigkeit verantwortlich

Polio gilt seit Ende der 1970er-Jahre in den USA als ausgerottet. Dass die Infektionskrankheit nun wieder auf dem Vormarsch ist, führen die Experten auf die Impfmüdigkeit in der Bevölkerung zurück.

In New York City sind 14 Prozent der Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren nicht vollständig gegen Polio geimpft. In den Landkreisen, in denen Viren im Abwasser nachgewiesen wurden, liegt die Impfquote in der Gesamtbevölkerung zum Teil nur bei 40 Prozent.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. September 2022 um 16:33 Uhr.