Keechant Sewell | REUTERS

Keechant Sewell New Yorks erste schwarze Polizeichefin

Stand: 16.12.2021 03:13 Uhr

Ab Januar steht erstmals eine schwarze Frau an der Spitze der New Yorker Polizei: Keechant Sewell wird nicht nur mit der Schusswaffen-Gewalt, sondern auch mit mangelndem Vertrauen vieler Bürger umgehen müssen.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Ungewöhnlich wirkt sie - gleich auf den ersten Blick. So ein herzliches Lächeln hat noch kein New Yorker Polizeichef gehabt. Doch Keechant Sewells Stimme lässt keinen Zweifel daran, dass sie auch anders kann: "Meine Schuhe sind geschnürt. Ich bin bereit, mit der Arbeit loszulegen", verspricht die 49-Jährige, die ab Januar rund 36.000 Polizisten befehligt.

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Die Auswahl von New Yorks künftigem Bürgermeister - ihrem Ex-Kollegen - Eric Adams, sei eine historische, sagt Sewell und verspricht: "Als die erste Frau und die dritte schwarze Person, die die New Yorker Polizei in ihrer 176-jährigen Geschichte leitet, bringe ich einen neuen Ansatz mit."

Und der heiße: Menschlichkeit und Inklusion. Nicht zufällig hat Adams für die Präsentation seiner neuen Polizeichefin  diesen Ort gewählt: Ein Gemeindezentrum im armen Teil von Queens, in dem Sewell aufgewachsen ist, in einer Sozialwohnungs-Siedlung: "Die Queensbridge-Houses sind Teil meiner Geschichte. Ich wünschte, meine Eltern könnten die Wohnung zeigen, in der sie mir eine Bestimmung mitgegeben haben, Verbindlichkeit und Selbstbewusstsein", sagt sie. "Und ich richte mein Wort an alle Mädchen: Es gibt nichts, was ihr nicht tun könnt. Und niemand, der ihr nicht werden könnt."

Keechant Sewell | REUTERS

Keechant Sewell galt als aufsteigender Stern in der New Yorker Polizei. Von Januar an wird sie die Chefin von 36.000 Beamten sein. Bild: REUTERS

Kampf gegen Schusswaffen-Schwemme

Sewell wurde Polizistin mit Leib und Seele. War als Streife auf der Straße, legte Verbrechern im Anti-Drogen-Dezernat das Handwerk, bewies sich in einer Einheit für besonders schwere Kriminalfälle und war Verhandlungsführerin bei Geiselnahmen. Sie war Teil der Terrorismus-Taskforce von New York und New Jersey. Seit 23 Jahren arbeitet sie als Chefermittlerin im Bezirk Nassau östlich von New York City.

Nun macht Adams Sewell zur Chefin der größten Polizeitruppe der USA - und sie weiß: "Um eine Abteilung von dieser Größe zu leiten, braucht es mehr als ein gutes Beurteilungsvermögen. Es braucht emotionale Intelligenz, um die Barrieren abzubauen, die es zwischen der Polizei und der Bevölkerung immer noch gibt."

Das dürfte ihre größte Herausforderung werden. Seit den "Black Lives Matter"- Protesten im vergangenen Jahr tobt in der Metropole eine Diskussion über die Reform und die Verkleinerung der Polizei. Viele New Yorker haben kein Vertrauen in sie und werfen ihr vor, gewalttätige, rassistische und korrupte Beamte in ihren Reihen zu tolerieren. Gleichzeitig kämpft die Stadt gegen die zunehmende Kriminalität - vor allem mit Schusswaffen.

Empfindsamkeit als Stärke

Adams hat bereits klargemacht: Eine Verkleinerung der Polizei wird es mit ihm nicht geben. Der Ex-Polizist lässt immer wieder durchblicken, dass er auch eine neue Auflage der umstrittenenen „Stop and Frisk“-Methode aus  der Ära seines Vorvorgängers Mike Bloomberg bewürwortet. Die Taktik  erlaubt es Personen ohne konkreten Verdacht anzuhalten und zu durchsuchen. Menschenrechtler kritisieren das scharf als  potentiell diskriminierend. Mit Sewells Ernennung könnte Adams solche Kritiker beschwichtigen wollen. Sie betont: Sie scheue sich nicht davor, empfindsam zu sein, denn Empfindsamkeit sei eine Stärke.

Und Adams betont: Die braucht New York, um aus der Krise zu kommen. "Ohne öffentliche Sicherheit wird sich diese Stadt nicht von der Verwüstung der Pandemie erholen. Wenn wir nicht sicher sind, schaffen wir es nicht, die Stadt so wieder zu öffnen, wie es uns gebührt", sagt er.

Die künftige Polizeichefin gibt ihm recht: In ihrer neuen Funktion wolle sie sich auf die Bekämpfung von Gewaltverbrechen konzentrieren. Dies habe für sie oberste Priorität.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 16. Dezember 2021 um 09:48 Uhr.