Der russische Oppositionspolitiker Nawalny vor Gericht. | dpa

Russischer Oppositioneller Nawalny im Straflager - nur wo?

Stand: 26.02.2021 14:44 Uhr

Weder seine Familie noch seine Unterstützer wissen derzeit, wo genau sich der russische Oppositionelle Nawalny befindet. Er sei "dort, wo er sein soll", sagte der russische Gefängnischef, also in irgendeinem Straflager.

Der in Russland inhaftierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny ist in ein Straflager verlegt worden. Unterstützer kritisierten, dass weder sie noch Nawalnys Familie wüssten, wohin der 44-Jährige gebracht worden sei. Nawalnys Anwalt hatte am Donnerstag erfahren, dass sein Mandant das Untersuchungsgefängnis in Moskau verlassen habe.

Nawalny sei auf Entscheidung des Gerichts nun "dort, wo er sein soll", sagte der Leiter der russischen Gefängnisse, Alexander Kalaschnikow laut russischen Nachrichtenagenturen. Er sei "entsprechend dem Gerichtsurteil" für die Dauer seiner Haftstrafe in das Straflager gebracht worden.

Gefängnisleiter: Keine Gefahr für "Leben und Gesundheit"

Kalaschnikow betonte, dass für "Leben und Gesundheit" Nawalnys keine Gefahr bestehe. Nawalny könne im Lager auch Arbeit finden, wenn er das wünsche. Menschenrechtler hatten zuvor erklärt, Angst um den Oppositionspolitiker zu haben. Russlands Straflager sind berüchtigt für rohe Gewalt, Folter und auch Todesfälle.

Der bekannteste Kritiker von Russlands Präsident Wladimir Putin war wegen angeblicher Verstöße gegen seine Bewährungsauflagen zu mehr als zwei Jahren Haft in einem Straflager verurteilt worden. Die Entscheidung wurde international scharf verurteilt und löste Massenproteste in Russland aus. 

Festnahme direkt nach Rückkehr

Nawalny war nach einem Giftanschlag im August, für den er den Kreml verantwortlich macht, in Deutschland im Krankenhaus behandelt worden. Unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Russland im Januar wurde er festgenommen. 

Nawalny gilt als wichtigster Widersacher des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der Oppositionelle wurde schon mehrfach festgenommen und zu kurzen Haftstrafen verurteilt. Seine Unterstützer kritisieren das Vorgehen der Justiz gegen ihn als politisch motiviert. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Februar 2021 um 13:00 Uhr in den Nachrichten.