Ein Flugzeug landet auf dem Flugzeugträger USS Harry S. Truman  | AP

Trotz Spannungen mit Russland NATO kündigt Militärübung im Mittelmeer an

Stand: 22.01.2022 10:30 Uhr

Die USA haben ein großes NATO-Manöver im Mittelmeer angekündigt. Laut US-Außenministerium hat dies nichts mit dem sich zuspitzenden Ukraine-Konflikt zu tun. Deutschland erklärte indes, der Ukraine medizinische Hilfsgüter schicken zu wollen

Inmitten der Spannungen mit Russland in der Ukraine-Krise will die NATO im Mittelmeer eine große Militärübung abhalten. An den Marinemanövern, die ab Montag stattfinden sollen, wird sich unter anderem der US-Flugzeugträger "USS Harry Truman" beteiligen, wie der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, bestätigte.

Die Übung mit dem Namen Neptune Strike 22 soll demnach bis zum 4. Februar dauern. Kirby betonte, die Manöver hätten nichts mit den derzeitigen Befürchtungen vor einem russischen Einmarsch in der Ukraine zu tun. "Die Übung ist nicht für die Art von Szenarien entworfen, die sich mit Blick auf die Ukraine abspielen könnten", sagte der Pentagon-Sprecher.

Das Manöver sei zudem schon seit langer Zeit geplant. Allerdings befand sich Neptune Strike 22 nicht auf einer im Dezember von der NATO veröffentlichten Liste mit für 2022 geplanten Militärübungen.

Manöver mit 10.000 Soldaten

Kirby sagte, angesichts der derzeitigen Spannungen mit Russland sei das Manöver zwar auf den Prüfstand gestellt worden. Letztlich hätten die NATO-Partner aber beschlossen, an dem Manöver festzuhalten. Russland hatte erst am Donnerstag großangelegte Marinemanöver im Atlantik, Pazifik, Mittelmeer und in der Arktis angekündigt.

An den geplanten Übungen sollen insgesamt mehr als 140 Schiffe und 10.000 Soldaten teilnehmen. Der Flugzeugträger "USS Harry Truman" und seine Begleitschiffe befinden sich seit Mitte Dezember im Mittelmeer. Das Kriegsschiff sollte eigentlich verlegt werden, Verteidigungsminister Lloyd Austin entschied dann aber, es im Mittelmeer zu lassen, um die Europäer angesichts des Konflikts mit Russland zu "beruhigen".

USA sendet weiter Militärhilfe

Zur Unterstützung der Ukraine haben die USA zudem weitere Militärhilfe nach Kiew geschickt. Eine US-Frachtmaschine landete auf einem Flughafen der Hauptstadt, wie die dortige US-Botschaft im Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte.

An Bord seien 90 Tonnen Fracht gewesen, darunter Munition "für die Frontverteidigung". Diese Unterstützung sei von US-Präsident Joe Biden angeordnet worden. Es sei die erste von mehreren Lieferungen gewesen, hieß es. Dies "demonstriert das starke Engagement der Vereinigten Staaten für das souveräne Recht der Ukraine auf Selbstverteidigung".

Scholz will keine Waffen liefern

Während auch Großbritannien, Polen Estland, Lettland und Litauen der Ukraine Waffenlieferungen zugesagt hatten, bekräftigte Bundeskanzler Olaf Scholz dagegen erneut sein Nein zu Rüstungslieferungen in die Krisenregion.

Ähnlich sieht es auch Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht. Die Bundesregierung müsse alles tun, um die Krisenlage zu deeskalieren. "Waffenlieferungen wären da aktuell nicht hilfreich - das ist Konsens in der Bundesregierung", sagte die SPD-Politikerin der "Welt am Sonntag".

Deutschland blockiert Waffenlieferung Estlands

Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" blockiert Deutschland derzeit auch eine estländische Militär-Lieferung an die Ukraine. Dem NATO-Verbündeten werde keine Erlaubnis erteilt, in Deutschland hergestellte Artillerie-Geschütze zu entsenden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf estländische und deutsche Behörden.

"Deutschland zögert sehr, uns zu beliefern", sagte der ukrainische Verteidigungsminister Oleksiy Resnikow dem Blatt. Es zitierte zudem einen deutschen Regierungssprecher, der auf die Ausfuhrvorschriften verwiesen habe. Gegenwärtig liege keine Erlaubnis vor und der Ausgang des Verfahrens könne nicht abgeschätzt werden. Ein estländischer Regierungsberater äußerte die Hoffnung, doch noch eine Genehmigung zu erhalten.

Lambrecht will Feldlazarett schicken

Statt Waffen will Deutschland medizinische Güter liefern. Im Februar werde "ein komplettes Feldlazarett übergeben, inklusive der nötigen Ausbildung, alles von Deutschland mit 5,3 Millionen Euro kofinanziert", sagte Lambrecht. Deutschland habe auch bereits Beatmungsgeräte geliefert und behandele schwer verletzte Soldaten der Ukraine in Bundeswehr-Krankenhäusern.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. Januar 2022 um 09:00 Uhr.