Polizist in Highland Park | AFP

Schüsse nahe Chicago Polizei nimmt Verdächtigen fest

Stand: 05.07.2022 10:47 Uhr

Ein 21-Jähriger soll bei einer Parade in einem Chicagoer Vorort mindestens sechs Menschen getötet haben - Stunden nach der Tat wurde er festgenommen. US-Präsident Biden zeigt sich von "sinnloser Schusswaffengewalt" schockiert.

Nach dem Schusswaffenangriff auf eine Parade zum US-Nationalfeiertag hat die Polizei nahe Chicago den mutmaßlichen Schützen festgenommen. Der 21-Jährige sei nach einer kurzen Verfolgungsjagd mit dem Auto "ohne Zwischenfall" festgenommen worden, teilte die Polizei der Stadt Highland Park mit. Das FBI hatte zuvor mitgeteilt, sie fahnde nach dem Beschuldigten wegen "mehrerer Tötungsdelikte" in Highland Park im US-Bundesstaat Illinois.

Der Mann wird verdächtigt, während der Parade das Feuer eröffnet und mindestens sechs Menschen getötet zu haben. Mindestens 24 Verletzte wurden nach Polizeiangaben in Krankenhäuser gebracht. Ein Sprecher des Sheriffbüros sagte, der Täter habe vermutlich vom Dach eines Geschäftsgebäudes aus wahllos auf die Menge geschossen. Am Tatort sei ein "leistungsstarkes Gewehr" gefunden worden.

Der mutmaßliche Todesschütze konnte Medienberichten zufolge anhand der Waffe identifiziert werden. Ermittler hätten DNA-Spuren an dem Gewehr gefunden, das der Verdächtige am Ort des Geschehens zurückgelassen habe, berichtete der US-Sender NBC News.

Hintergründe noch unbekannt

Ein mögliches Motiv für die Tat ist noch unklar. Der Verdächtige soll vor der Tat Musikvideos mit Szenen von Waffengewalt im Netz veröffentlicht haben. Die Social-Media-Konten, von denen anzunehmen ist, dass sie dem Mann zuzuordnen sind, wurden inzwischen gesperrt. In archivierten Versionen sind anscheinend Videos des mutmaßlichen Schützen zu sehen, der laut US-Medien versuchte, sich einen Namen als Rapper zu machen. Sie wurden unter einem Pseudonym veröffentlicht.

Ein etwa vor einem Jahr hochgeladenes Video zeigt einen Comic, in dem mehrere Szenen von Erschießungen zu sehen sind. An einer Stelle liegt ein Schütze in einer Blutlache am Boden, umzingelt von Polizisten mit gezückten Gewehren. Ein weiteres Video zeigt einen Mann mit bunt gefärbtem Haar und mehreren Tätowierungen, unter anderem im Gesicht. Er ist in einem Raum zu sehen, der wohl ein Klassenzimmer darstellen soll. Gegen Ende des Videos posiert er mit einem Schutzhelm und einer Art Einsatzweste vor einer Tafel. Er hält dabei eine US-Flagge hoch.

Biden von "sinnloser Schusswaffengewalt schockiert"

US-Präsident Joe Biden sagte, er und seine Frau Jill seien "von sinnloser Schusswaffengewalt schockiert, die wieder einmal einer amerikanischen Gemeinde Trauer gebracht hat an diesem Unabhängigkeitstag". Illinois' Gouverneur J. B. Pritzker zeigte sich ebenfalls schockiert: "Es ist niederschmetternd, dass eine Feier von Amerika durch unsere einzigartige amerikanische Plage in Stücke gerissen wurde", sagte er auf einer Pressekonferenz. "Ich bin zornig, weil es nicht so sein müsste. Während wir den 4. Juli einmal im Jahr feiern, sind Massenerschießungen eine wöchentliche - ja, wöchentliche - amerikanische Tradition."

Highland Parks Bürgermeisterin Nancy Rotering sprach bei einer Pressekonferenz von einer terroristischen Tat - das Ganze an einem Tag, an dem die Stadt eigentlich die Gemeinschaft und die Freiheit habe feiern wollen. Das Fest zum 4. Juli sei abgesagt worden. Der Kongressabgeordnete Brad Schneider, der an der Parade teilnehmen wollte, schrieb auf Twitter: "Mein Beileid an die Familie und die Angehörigen." Er verpflichte sich, alles zu tun, "um unsere Kinder, unsere Städte und unser Land sicherer zu machen. Genug ist genug!"

Miles Zaremski, ein Augenzeuge, sagte dem Sender CNN, er habe mehrere Verletzte und leblose Menschen gesehen, die auf dem Boden lagen. "Es war herzzerreißend." Zaremski sagte weiter, er habe rund 30 Knallgeräusche gehört. Menschen seien von der Parade geflohen. "Es war einfach chaotisch."

Mehrere Fälle von Schusswaffengewalt seit Jahresbeginn

Die USA haben seit langem mit einem riesigen Ausmaß an Waffengewalt zu kämpfen. Erst Ende Mai richtete ein 18 Jahre alter Schütze an einer Grundschule in Texas ein Massaker an. Er tötete in der Kleinstadt Uvalde 19 Kinder und zwei Lehrerinnen, bevor er von der Polizei erschossen wurde.

Die Bluttat entfachte die Diskussion über schärfere Waffengesetze in den USA neu. Schusswaffen sind in den Vereinigten Staaten relativ leicht erhältlich.

Mit Informationen von Steffen Wurzel und Florian Mayer, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Juli 2022 um 20:00 Uhr.