Ein Frau hält vor dem Gerichtsgebäude in ein Plakat in die Höhe, vom dem "Gerechtigkeit für Ahmaud" fordert. | REUTERS

Getöteter schwarzer Jogger Lebenslange Haftstrafen im Arbery-Prozess

Stand: 08.01.2022 00:10 Uhr

Knapp zwei Jahre nach den tödlichen Schüssen auf den schwarzen Jogger Arbery im US-Bundesstaat Georgia sind die Täter zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Für zwei der Männer schloss der Richter eine vorzeitige Haftentlassung aus.

Knapp zwei Jahre nach dem Mord an dem schwarzen Jogger Ahmaud Arbery im US-Bundesstaat Georgia sind die drei weißen Angeklagten zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden. Der Schütze und dessen Vater erhielten keine Möglichkeit der Bewährung und zusätzlich 20 Jahre Haft, wie Richter Timothy Walmsley verkündete. Der dritte Beschuldigte wurde ebenfalls zu lebenslanger Haft verurteilt, allerdings mit der Möglichkeit einer Bewährung. Der Vater des Schützen und der dritte Verurteilte waren an der Verfolgung Arberys beteiligt. Der Nachbar filmte die Tat außerdem.

Eine Jury hatte die drei Angeklagten bereits im November schuldig gesprochen, nun folgte die Verkündung des Strafmaßes. Der 35-jährige Schütze war von den Geschworenen des Mordes für schuldig befunden worden. Die beiden Mitangeklagten, der 66-jährige Vater und ein 52-jähriger Nachbar, wurden unter anderem wegen schwerer Körperverletzung und Totschlagsdelikten schuldig befunden.

In Georgia gilt für Mord und diverse Delikte, die im deutschen Recht dem Totschlag entsprächen, das gleiche Strafmaß.

Handy-Video erlangte international Aufmerksamkeit

Der 25-jährige Arbery war am 23. Februar 2020 beim Joggen erschossen worden. Es wurde aber zunächst niemand festgenommen. Die Ermittlungen kamen erst richtig in Gang, als der Fall im Frühjahr durch ein Handy-Video von der Tat national und internationale Aufmerksamkeit erlangte. Wenig später - am 25. Mai 2020 - wurde der Afroamerikaner George Floyd bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota getötet. Danach kam es über Monate hinweg zu Protesten gegen Rassismus und auch gegen Polizeigewalt in den USA.

Arbery war durch das Viertel der drei weißen Verurteilten in Brunswick gejoggt. Den Ermittlern zufolge hatten die Angeklagten ihn zunächst mit ihrem Fahrzeug verfolgt und dann mit Schusswaffen bedroht. Dem Autopsiebericht zufolge wurde Arbery von zwei Schüssen aus nächster Nähe in die Brust getroffen.

Die Verteidigung argumentierte, die Männer hätten Arbery verfolgt, weil sie ihn für einen Einbrecher gehalten hätten. Die Beschuldigten beriefen sich bei ihrem Vorgehen auf ein damals in Georgia geltendes Gesetz, das Bürgern eine Festnahme von Verdächtigen erlaubte. Der Todesschütze sagte aus, Arbery habe ihn beim Versuch der Festnahme angegriffen, er habe deswegen in Notwehr geschossen.

Eltern forderten Höchststrafe

Arberys Mutter Wanda Cooper-Jones bat den Richter bei der Verhandlung um die Höchststrafe für alle drei Verurteilten, nämlich lebenslange Haft ohne die Möglichkeit der Bewährung. "Diese Männer verdienen die maximale Strafe für ihre Verbrechen", sagte sie. Der Vater des Opfers, Marcus Arbery, sagte: "Ich bete, dass niemand in diesem Gerichtssaal jemals tun muss, was wir tun mussten: Ihr Kind begraben."

Richter Walmsley sagte mit Blick auf Ahmaud Arbery: "Er wurde getötet, weil Personen hier in diesem Gerichtssaal das Gesetz in die eigenen Hände nahmen." Und: "Das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen, ist ein gefährliches Unterfangen."

Zusätzlicher Prozess wegen Hassverbrechen

Obwohl nur einer der Angeklagten die tödlichen Schüsse abgab, wurde auch den beiden anderen wegen Mordes an Arbery der Prozess gemacht - aufgrund ihrer Beteiligung an der Tat. Die Staatsanwaltschaft argumentierte, das Handeln aller drei Männer habe zu Arberys Tod geführt. Die Angeklagten hatten auf nicht schuldig plädiert. Die drei Männer können noch Berufung gegen ihre Verurteilung einlegen.

Zusätzlich zu dem strafrechtlichen Verfahren in Georgia sind die Männer auch noch wegen des mutmaßlich rassistischen Hintergrunds der Tat nach Bundesrecht angeklagt. Die Tat werde als Hassverbrechen eingestuft, erklärte das Justizministerium im April des vergangenen Jahres. Der Prozess beginnt im Februar.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Januar 2022 um 04:38 Uhr.