Anhänger Moises werden von der Teilnahme an der Beerdigung abgehalten. | dpa

Ermordeter Präsident Haitis Unruhen bei Beerdigung von Moïse

Stand: 24.07.2021 15:27 Uhr

Bei der Trauerfeier für den getöteten Präsidenten Haitis, Moïse, fielen Schüsse - Chaos brach aus. In Cap-Haitien wurden Autos in Brand gesteckt. Die USA zeigten sich sehr besorgt über die Sicherheitslage.

Das Staatsbegräbnis von Haitis ermordetem Präsidenten Jovenel Moïse ist trotz starker Sicherheitsvorkehrungen von Gewalt überschattet worden.

Bei der Zeremonie für den vor rund zwei Wochen ermordeten 53-Jährigen fielen in der nördlichen Stadt Cap-Haitien Schüsse, die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein. In der Stadt wurden Barrikaden errichtet und Fahrzeuge in Brand gesetzt. Einige der Trauergäste verließen fluchtartig den Beerdigungsort.

Polizeimänner tragen den Sarg von Jovenel Moise. | AP

Bild: AP

Zu der Zeremonie im Freien auf dem Gelände von Moïses Familienresidenz hatten sich am Freitagnachmittag (Ortszeit) Regierungsmitglieder, Vertreter ausländischer Regierungen und Diplomaten versammelt.

Zunächst verlief die mehrstündige Zeremonie ohne Zwischenfälle. Als später außerhalb des Beerdigungsortes Schüsse fielen und die Polizei Tränengas einsetzte, verließen einige Teilnehmer inmitten von Tränengaswolken fluchtartig den Ort.

Delegation aus USA sicher ausgeflogen

US-Präsident Joe Biden hatte eine hochrangige Delegation zu der Beisetzung entsandt, darunter auch die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Linda Thomas-Greenfield. Die Delegation sei "sicher" wieder in den USA angekommen, erklärte Thomas-Greenfield später. Bidens Nationaler Sicherheitsberater Jake Sullivan zeigte sich "tief besorgt über die Situation vor Ort in Haiti".

Bereits Anfang der Woche hatte es in der Stadt Zusammenstöße gegeben, als Polizeichef Léon Charles die Sicherheitsvorkehrungen für die Beerdigung inspizierte.

Moïse war in der Nacht zum 7. Juli in seinem Haus in der Hauptstadt Port-au-Prince von einem Mordkommando erschossen worden. Laut Polizei waren darunter "26 Kolumbianer und zwei US-Bürger haitianischer Herkunft". Das Attentat soll demnach von Haitianern mit politischen Ambitionen und Verbindungen ins Ausland geplant worden sein. Mehr als 20 Menschen wurden seither festgenommen.

Der Mord stürzte den ohnehin von Instabilität und Armut geprägten Karibikstaat in eine noch tiefere Krise. Moïse hatte Haiti zuletzt per Dekret regiert, nachdem eine für 2018 geplante Parlamentswahl unter anderem wegen Protesten gegen ihn verschoben worden war.

Neuer Regierungschef angetreten

In dieser Woche trat der neue Regierungschef Ariel Henry sein Amt an. Bei seiner Amtseinführung am Dienstag versprach der 71-jährige frühere Neurochirurg, sich mit aller Kraft für die Wiederherstellung von Sicherheit und Ordnung einzusetzen. Diese seien Voraussetzung für freie und faire Wahlen. 

Moïse hatte als eine seiner letzten Amtshandlungen Henry zum neuen Ministerpräsidenten ernannt. Nach Moïses Tod kam es zu einem Machtkampf zwischen Henry und Interims-Ministerpräsident Claude Joseph, der nach dem Attentat den Ausnahmezustand ausgerufen hatte.

Joseph kehrte am Dienstag auf seinen Posten als Außenminister zurück. Haiti hat kein arbeitsfähiges Parlament und nur eine Handvoll gewählter Senatoren. Auch einen Übergangspräsidenten gibt es noch nicht.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. Juli 2021 um 16:00 Uhr.