Zahlreiche Migranten sind an der einer Brücke zwischen Mexiko und den USA in Del Rio (Texas) zu sehen. | via REUTERS

US-mexikanische Grenze Tausende Migranten warten unter Brücke

Stand: 17.09.2021 20:25 Uhr

Rund 10.000 Migranten kampieren unter einer Brücke an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. Die US-Grenzschutzbehörde ist dem Bürgermeister zufolge "völlig überfordert". US-Präsident Biden gerät unter Druck.

Angesichts Tausender Migranten, die in der US-Grenzstadt Del Rio unter einer Brücke kampieren, hat der dortige Bürgermeister Bruno Lozano dringend Hilfe des Bundes angefordert. Lozano veröffentlichte ein Video auf Twitter, in dem er mahnte, die Lage stelle ein großes Gesundheits- und Sicherheitsrisiken dar. Das Coronavirus könne sich in der Menschenmenge schnell ausbreiten, ebenso wie andere Krankheiten. Außerdem bestehe Gefahr, dass es zu einer Massenpanik komme oder sich Terroristen unter den Migranten ins Land schmuggeln könnten.

Seinen Angaben nach versammelten sich bis Donnerstagabend (Ortszeit) mindestens 10.500 Migranten unter der Brücke, die die USA und Mexiko verbindet und über den Fluss Rio Grande führt. Am Donnerstagmorgen seien es noch 8200 Menschen gewesen.

"Völlig überfordert"

Lozano sagte, die Migranten stammten überwiegend aus Haiti, kämen illegal ins Land und hofften darauf, eine Aufenthaltserlaubnis in den USA zu erhalten. "Wir brauchen schnelles Handeln der Regierung", forderte Lozano. Die US-Grenzschutzbehörde sei angesichts des großen Andrangs "völlig überfordert".

Die Behörde erklärte, zusätzliches Personal und zusätzliche Mittel mobilisieren zu wollen. Das schattige Gelände unter der Grenzbrücke werde genutzt, um die Migranten vor der Hitze zu schützen, bis ihre Personalien aufgenommen werden könnten. Der Grenzschutz erklärte auch, die meisten Menschen dürften letztlich abgeschoben werden. Grundlage ist eine umstrittene Regelung, die Abschiebungen wegen der Corona-Pandemie ermöglicht.

Zahlreiche Migranten sind an der einer Brücke zwischen Mexiko und den USA in Del Rio (Texas) zu sehen. | via REUTERS

Die Menschen suchen unter der Brücke Schutz vor der brennenden Sonne. Bild: via REUTERS

Präsident Biden unter Druck

Angesichts der Lage in Del Rio gerät US-Präsident Joe Biden zunehmend unter Druck - sowohl von Seiten der oppositionellen Republikaner als auch seiner Demokraten. Die Republikaner warfen Biden vor, mit seiner Entscheidung, Haitianern nach der Ermordung von Präsident Jovenel Moïse Ende Juli einen Verbleib in den USA auch ohne gültiges Visum zu erlauben, weitere Migranten zur Reise in die USA zu motivieren.

"10.503 illegale Ausländer befinden sich unter dieser Brücke, weil Joe Biden die politische Entscheidung traf, Abschiebeflüge nach Haiti zu stoppen", erklärte der republikanische Senator Ted Cruz. Die demokratische Abgeordnete Ilhan Omar rief den Präsidenten dagegen auf, mehr zu unternehmen, um den Migranten zu helfen. "Lasst uns diesen Leuten helfen, die hier gestrandet sind, und schnell handeln, bevor diese herzzerreißende Situation unkontrollierbar wird."

Die 36.000-Einwohner-Stadt Del Rio liegt im US-Bundesstaat Texas, direkt an der Grenze zu Mexiko. Bürgermeister Lozano ist ein Demokrat - wie Biden. Lozano kritisierte schon vor Monaten, es sei unzureichend, wie die Bundesregierung mit der Situation an der Südgrenze der USA umgehe.

Mehr illegale Grenzübertritte

In den vergangenen Monaten war die Zahl aufgegriffener Migranten an der US-Südgrenze zu Mexiko rasant gestiegen. Im Juli hatte die Grenzpolizei CBP nach eigenen Angaben rund 213.000 Menschen beim Versuch der illegalen Einreise aus Mexiko aufgegriffen - so viele wie seit gut 20 Jahren nicht mehr in einem Monat. Im August waren es laut CBP mehr als 208.000 Menschen gewesen.

Die Lage an der Grenze bleibt damit ein politisches Problem für den US-Präsidenten. Die Republikaner verlangen ein hartes Durchgreifen gegen illegale Einwanderung. Biden hat eine humanere Flüchtlings- und Einwanderungspolitik als unter Ex-Präsident Donald Trump versprochen und wird vor allem vom linken Demokraten-Flügel dazu gedrängt, den Worten auch Taten folgen zu lassen.