Flüchtlinge warten vor einem Eisentor an der Grenze zwischen Guatemala und Mexiko, ein kleines Mädchen schaut durch die dicken Gitterstäbe. | AP

Neue US-Einwanderungspolitik Biden lässt Migranten hoffen

Stand: 22.01.2021 00:57 Uhr

Der neue US-Präsident Biden hat unter anderem verfügt, dass Menschen ohne Aufenthaltserlaubnis in den USA eine Chance auf einen Aufenthaltstitel bekommen sollen. Das lässt auch Migranten insbesondere aus Mittelamerika hoffen.

Von Anne Demmer, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Dutzende Migrantinnen und Migranten haben sich vor dem Büro der mexikanischen Flüchtlingshilfe in Tapachula versammelt, im mexikanischen Bundesstaat Chiapas, unmittelbar an der Grenze zu Guatemala. Ihr Ziel ist eigentlich die USA. Sie umringen einen brennenden blau-weißen Pappmaché Würfel - mit Botschaften, die sich an den neuen US-Präsidenten richten: "Wir bitten um humanitäre Hilfe", steht auf einer Seite in schwarzen Buchstaben darauf geschrieben. Bilder davon werden in den sozialen Netzwerken geteilt. Auch in anderen Stadtteilen wird demonstriert - es sind vor allen Dingen Honduraner, die Joe Biden auf ihre verzweifelte Situation aufmerksam machen wollen.

Anne Demmer

Der mexikanische Aktivist Luis Garcia Vallagran versucht, die Migranten so gut es geht zu unterstützen. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte er:

Honduras wurde von zwei Wirbelstürmen schwer getroffen. Rund eine Millionen Menschen sind nun obdachlos. Sie stehen vor dem Nichts. Diese Menschen haben das Land verlassen, weil es ihre einzige Option ist. Wir fordern von Joe Biden, dass er die Versprechen seiner Wahlkampagne einhält und es nicht nur leere Worte bleiben.

Migranten-Karawane gewaltsam gestoppt

Pünktlich zum Amtsantritt des US-Präsidenten Joe Biden hatte sich die erste Migranten-Karawane aus Honduras in diesem Jahr auf den Weg gemacht. Weit kamen die meisten allerdings nicht: Auf  ihrem Weg in Richtung Norden wurden die Migranten von Sicherheitskräften in Guatemala gewaltsam gestoppt - etwa die Hälfte der 9000 Menschen wurde in ihre Heimat Honduras zurückgeschickt.

Auch Mexiko hat seine Grenze angesichts der Migranten-Karawane weiter verstärkt und 500 Sicherheitskräfte der Nationalgarde in den Süden des Landes geschickt. Der ehemalige Präsident Donald Trump hatte in Vergangenheit mit Strafzöllen von bis zu 25 Prozent gedroht, wenn das Land die Menschen nicht bereits im Süden abfängt.

Zehntausende Migranten gestrandet

Mexiko wurde zum Wartesaal. Seit Monaten harren 70.000 Migrantinnen und Migranten allein im Norden, an der Grenze zu den USA, aus. Die Kubanerin Yaneth Blanco ist in Ciudad Juárez gestrandet. Die sozialistische Karibikinsel hat sie aus politischen und wirtschaftlichen Gründen verlassen,  erzählt sie der mexikanischen Online-Plattform "La Verdad" - "Die Wahrheit."

Eigentlich hatte ich die Hoffnung schon aufgegeben, dass ich in die USA komme. Deswegen habe ich schon angefangen zu versuchen, hier in Mexiko Papiere, einen legalen Aufenthaltsstatus zu beantragen. Mit dem neuen US-Präsidenten Biden hoffe ich aber nun, dass ich doch noch Asyl bekomme. Nach Kuba kann ich nicht zurück. Am liebsten würde ich im Gesundheitsbereich arbeiten, hier oder in den USA. Aber gerade ist alles unsicher. Ich weiß nicht, was im nächsten Jahr passiert.

In Mexiko wartet sie seit eineinhalb Jahren darauf, dass ihr Asylantrag bearbeitet wird. Auf Druck von Bidens Vorgänger Donald Trump mussten die Migrantinnen und Migranten auf ihr Verfahren im Nachbarland warten.

Biden stoppt auch den Mauerbau vorerst

Dieses Programm "Quédate en México" - bleib in Mexiko, will Biden nun rückgängig machen. Bereits wenige Stunden nach seiner Amtseinführung hatte Biden einen Kurswechsel eingeleitet. Auch Trumps kostspieliges Lieblingsprojekt - den Mauerbau hat er gestoppt. Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador begrüßt diesen Schritt.

Das ist eine gute Sache. Aber eigentlich muss man ja sagen, dass letztendlich alle Präsidenten ein Stück Mauer gebaut haben. Clinton, Bush, Obama, 386 Kilometer hat Trump gebaut. Und Biden hat nun angekündigt, dass er die Mauer nicht weiterbauen will, das heißt in den nächsten vier Jahren null Meter. Das feiere ich.

Mit wirtschaftlichen Hilfsprogrammen für El Salvador, Guatemala und Honduras will die Regierung Biden Grundursachen der Migration angehen. Zudem hat sie eine umfassende Einwanderungsreform vorgestellt, deren konkrete Umsetzung allerdings dauern wird. Auch wenn die Mauer nicht weiter hochgezogen wird, laut Experten wird auch Biden alles daran setzen, dass Mexiko und die mittelamerikanischen Länder die Menschen schon im Süden aufhalten - er wird es nur netter formulieren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Januar 2021 um 06:25 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".