Blumen und vier Kreuze an einer Schule in Michigan, an der vier Schüler erschossen worden waren. | EPA

Schul-Angriff in Michigan Eltern des mutmaßlichen Schützen gefasst

Stand: 04.12.2021 11:10 Uhr

Nach den tödlichen Schüssen an einer Schule in Michigan sind die Eltern des 15-jährigen Verdächtigen festgenommen worden. Ihnen wird fahrlässige Tötung in vier Fällen vorgeworfen - sie sollen dem Sohn die Tatwaffe gekauft haben.

Die Eltern des mutmaßlichen Todesschützen an einer Schule im US-Bundesstaat Michigan sind gefasst worden. "Die beiden Flüchtigen wurden geortet und festgenommen. Ein Kompliment der Polizei von Detroit", schrieb das Sheriffs-Büro im Bezirk Oakland auf Facebook. James und Jennifer C. seien im ersten Stock eines Fabrikgebäudes in Detroit entdeckt worden, sagte ein Polizeisprecher dem Sender CNN. Die Festnahme soll der Polizei zufolge ohne Zwischenfälle verlaufen sein.

Laut CNN hatte das Ehepaar am Freitag an einem Geldautomaten 4000 Dollar (mehr als 3500 Euro) abgehoben und seine Mobiltelefone ausgeschaltet. Die beiden blieben den ganzen Tag verschwunden. Die Polizei setzte 10.000 Dollar Belohnung für Hinweise auf ihren Verbleib aus. Die Anwälte der Eltern erklärten, diese hätten die Stadt "zu ihrer eigenen Sicherheit" verlassen und wollten sich den Behörden stellen. Kurz vor der Festnahme wurde laut Polizei dann das Fahrzeug des Ehepaars in Detroit gefunden, dies habe die Behörden auf die Spur der beiden gebracht.

Anklage gegen Eltern sehr selten

Nach Aussage der Staatsanwältin Karen McDonald vom Freitag wird James und Jennifer C. jeweils fahrlässige Tötung in vier Fällen vorgeworfen. Die Eltern hätten die Tatwaffe gekauft, ihrem minderjährigen Sohn Zugang zu der Pistole gestattet und Warnungen ignoriert, schilderte McDonald laut CNN. Eine Anklage gegen die Eltern eines Täters bei einem solchen Gewaltakt in Schulen sei sehr selten, aber in diesem Fall seien die Fakten "ungeheuerlich", so die Staatsanwältin. "Was ich versuche, ist, eine Politik der Abschreckung zu fördern."

Der 15-Jährige hatte an seiner Schule in der nördlich von Detroit gelegenen Kleinstadt Oxford am Dienstag das Feuer eröffnet. Er tötete dabei vier Mitschüler im Alter zwischen 14 und 17 Jahren und verletzte sieben weitere Menschen. Er ließ sich nach der Tat widerstandslos festnehmen und wurde in der Folge unter anderem wegen vierfachen Mordes und Terrorismus angeklagt. Dem Teenager soll nach dem Erwachsenenstrafrecht der Prozess gemacht werden. Ihm droht lebenslange Haft.

"Weihnachtsgeschenk" für den Sohn

Die Mutter des Täters soll die Waffe, eine halbautomatische Pistole, laut McDonald auf Online-Plattformen als "Weihnachtsgeschenk" für ihren Sohn bezeichnet haben. Nach Angaben der Polizei hatte der 15-Jährige am Abend vor der Tat ein Video auf seinem Handy aufgenommen, in dem er die Attacke für den nächsten Tag ankündigte. Am nächsten Morgen wurde er mit seinen Eltern von der Schulleitung zu einem Gespräch zitiert, weil auf seinem Pult Zeichnungen mit Gewaltfantasien entdeckt worden waren. 

"Die Gedanken hören nicht auf. Helft mir", war neben einem Bild von einer Pistole zu lesen. Zudem hatte der Schüler eine Patrone und eine Leiche gezeichnet, zusammen mit der Botschaft: "Mein Leben ist nutzlos." Die Eltern weigerten sich aber, ihren Sohn nach Hause zu bringen. Der 15-Jährige kehrte daraufhin in den Unterricht zurück. Später holte er dann auf der Schultoilette die Pistole heraus, die er in seinem Rucksack versteckt hatte, und eröffnete das Feuer. 

Botschaft an Waffenbesitzer

"Die Vorstellung, dass Eltern diese Worte lesen und gleichzeitig wissen, dass ihr Sohn Zugang zu einer tödlichen Waffe hatte, die sie ihm gegeben haben, ist unerhört und ich denke, es ist kriminell", sagte McDonald. Sie warf den Eltern auch vor, nicht überprüft zu haben, ob der Teenager die Waffe bei sich hatte. Mit der Anklage gegen James und Jennifer C. sollten "jene zur Verantwortung gezogen werden, die zu dieser Tragödie beigetragen haben, und es soll eine Botschaft an Waffenbesitzer ausgesandt werden, dass sie eine Verantwortung haben".

In den USA kommt es immer wieder zu tödlichen Zwischenfällen, weil Schützen an Schulen das Feuer eröffnen. Das Waffenrecht in den USA unterscheidet sich je nach Einzelstaat, aber Schusswaffen wie Pistolen und Sturmgewehre sind meist relativ leicht zu bekommen. Strengere Waffengesetze scheitern meist an den Republikanern im Kongress und an der mächtigen Waffenlobby.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 04. Dezember 2021 um 10:07 Uhr.