Ein Haus des ehemaligen Drogenbosses Joaquín "El Chapo" Guzmán in Culiacan, Mexiko. | dpa

Verlosung von Guzmán-Anwesen Wohnen wie ein Narco

Stand: 16.09.2021 12:07 Uhr

Joaquín "El Chapo" Guzmán war einer der mächtigsten Drogenbarone und sitzt inzwischen in US-Haft. In seiner Heimat Mexiko wurde nun eines seiner Häuser in der Staatslotterie verlost.

Von Anne Demmer, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Kinder in Uniformen samt passenden Kopfbedeckungen und Corona-Masken sammeln die Loskugeln ein. Verlost wird in diesem Moment ein unscheinbares weißes Haus. Illustrer ist allerdings, wer darin wohnte: Der berühmt-berüchtigte Joaquín "El Chapo" Guzmán lenkte von dort seine Drogengeschäfte.

Anne Demmer

Aus diesem Haus soll der ehemalige Boss des Sinaloa-Kartells spektakulär geflohen sein: Durch einen Gang unter der Badewanne flüchtete er angeblich in die Kanalisation, als die Polizei vor der Tür stand. So die Legende. Ganz sicher ist das aber nicht. Längst sitzt er jedoch im Gefängnis in den USA.

Losnummer 1438619 erhält den Zuschlag

Den Zuschlag für das Chapo-Haus bekommt der Gewinner mit der Losnummer 1438619. Wer dahinter steckt, bleibt unbekannt. Ist vielleicht auch besser so, glaubt Xochitl. Die Gewinne seien ihr eher unheimlich. "Wenn ich jetzt das Haus des Chapos gewonnen hätte, dann hätte ich direkt eine Agentur finden müssen, die das Haus verkauft - und das ist sicher nicht einfach", sagt sie. Es sei durchsetzt von schlechten Schwingungen.

Und wer sich einmal auch nur annähernd mit den Narcos einlasse, der ende schlecht: Es gebe Mord und Totschlag. "Für mich wäre das der Horror, so ein Haus zu besitzen. Das Ganze ist ein einziges Risiko", sagt Xochitl. "Ich würde mir nie so ein Los kaufen."

Losgewinne sollen in Corona-Impfstoffe fließen

Doch generell findet Xochitl es gut, dass der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador so das Geld aus illegalen Machenschaften wieder zurück an die Gesellschaft geben will. Mit seinem Amtsantritt hat "AMLO", wie er von den Mexikanerinnen und Mexikaner kurz genannt wird, das "Institut für die Rückgabe des Gestohlenen an das Volk" gegründet.

Ursprünglich sollten einige der Immobilien versteigert werden, doch das stieß auf wenig Interesse. Deswegen wurden die Narco-Immobilien von der Staatslotterie verlost. Für 250 Pesos, umgerechnet rund zehn Euro, konnte man ein Los kaufen. Der Ertrag soll unter anderem in Corona- Impfstoffe und die Unterstützung von Sportlerinnen und Sportlern fließen, wie es im Vorfeld hieß.

Don Martin arbeitet als Hausmeister in Mexiko-Stadt. Er hat Zweifel an dieser Ankündigung. "Ich glaube nicht, dass das passiert. Die Menschen sollen hier doch wieder nur eingelullt werden", sagt er.

Nach 40 Minuten ist alles vorbei

Nach rund 40 Minuten und 22 Preisen ist "El Gran Sorteo" - die große Verlosung - vorbei. Der Hauptpreis ist eine Loge im legendären Azteken-Fußballstadion mit Nutzungsrechten bis zum Jahr 2065. Auch dazu gibt es eine Korruptionsgeschichte, in die Staatsbeamte involviert gewesen sein sollen.

Auf Twitter wurde über die Verlosung gar gespottet: "Zusätzlich zum Gewinn macht der neue Besitzer Erfahrungen mit Auftragskillern und gewaltsamer Räumung aus dem eigenen Haus - mit der Unterstützung des mexikanischen Präsidenten", schrieb ein User.

Dieser Beitrag lief am 16. September 2021 um 05:20 Uhr auf Deutschlandfunk Kultur.