Die eingestürzte Metro-Brücke in Mexiko-Stadt | REUTERS

Unglück in Mexiko-Stadt Tote bei Einsturz einer Metro-Brücke

Stand: 04.05.2021 16:48 Uhr

Beim Einsturz einer Metro-Brücke in Mexiko-Stadt sind laut Behörden mindestens 23 Menschen ums Leben gekommen. Die erst vor wenigen Jahren errichtete Brücke brach zusammen, als eine U-Bahn über sie fuhr.

In Mexiko-Stadt ist eine Brücke der Metro eingestürzt. Laut Behörden gab es bei dem Unglück mindestens 23 Tote und 79 Verletzte. Unter den Toten seien auch Kinder, sagte Bürgermeisterin Claudia Sheinbaum. Sieben der Verletzten befänden sich in einem "ernsten Zustand". Mexikanische Medien veröffentlichten Bilder von Überwachungskameras, die zeigen, dass die Brücke einstürzte, als gerade eine Bahn darüber fuhr.

"Das Licht ging aus. Alle haben geschrien, die Menschen sind auf mich draufgefallen. Viele haben um Hilfe gerufen"; berichtete eine Frau, die das Unglück überlebte, der Tageszeitung "El Universal".

Schaulustige behindern Rettungsarbeiten

Mindestens zwei Waggons stürzten zusammen mit Trümmern auf die Straße, auf der sich zum Zeitpunkt des Unglücks am späten Abend (Ortszeit) viele Autos befanden. Die Rettungskräfte versuchen, Menschen zu finden, die möglicherweise in Autos oder den Trümmern des Zuges eingeklemmt sind. Mindestens ein Auto soll unter den Trümmern verschüttet sein.

Die Einsatzkräfte holten die Passagiere zunächst über eine Leiter aus den herabhängenden Waggons. Später wurde ein Kran eingesetzt, um die Wagen zu stabilisieren. Die Rettungsarbeiten wurden durch zahlreiche Schaulustige behindert. Viele filmten mit ihren Handys.

Angehörige suchten am Unglücksort nach Freunden und Verwandten. "Wir haben noch gesprochen", berichtete eine Frau, die ihren 13-Jährigen Sohn vermisst, einem mexikanischen Fernsehsender. "Er sagte dass er unterwegs sei. Ich finde ihn nirgends, ich habe schon bei den Rettungskräften gefragt."

Bürgermeisterin: Offenbar hat ein Träger nachgegeben

Die Metro ist eines der wichtigsten Verkehrsmittel der mexikanischen Hauptstadt. Der erste Abschnitt wurde Ende der 1960er-Jahre eröffnet. In Teilen der Stadt fährt sie oberirdisch - wie am Unglücksort. Dort verläuft sie auf einem Viadukt in der Mitte einer mehrspurigen Straße.

Bürgermeisterin Sheinbaum begab sich zur Unglücksstelle im Süden der Stadt. Es sehe so aus, dass ein Träger nachgegeben habe, als die U-Bahn über die Brücke gefahren sei, sagte sie vor Ort. Die genaue Unglücksursache müsse aber noch untersucht werden.

Reparaturen bereits zwei Jahre nach Eröffnung

Das Unglück ereignete sich auf der Linie 12, der jüngsten Linie im U-Bahn-Netz der Neun-Millionen-Metropole. Sie wurde erst 2012 eröffnet. Anwohner hatten Berichten zufolge bereits vor Jahren Schäden an Pfeilern entlang der Strecke angeprangert. Nach dem schweren Erdbeben von 2017 waren demnach Risse festgestellt worden. Zudem gab es Vorwürfe der Korruption beim Bau der Strecke. Und bereits zwei Jahre nach Einweihung der Linie war der Betrieb für Reparaturen monatelang unterbrochen worden.

Mexikos Präsident Andres Manuel Lopez Obrador versprach in seiner morgendlichen Pressekonferenz eine lückenlose Aufklärung des Unglücks. "Wir werden nichts verbergen", sagte er. "Wir werden das Volk nicht belügen und auch nicht betrügen. Wir müssen uns nun um die Verletzten kümmern, damit es keine weiteren Todesopfer gibt."

An der Pressekonferenz nahm auch Außenminister Marcelo Ebrard teil, der zum Zeitpunkt des Baus der Linie 12 Bürgermeister von Mexiko-Stadt gewesen war und neben Sheinbaum als möglicher Nachfolger von Präsident Obrador gilt. "Ich trage Verantwortung wie jeder andere auch, aber als hoher Beamter noch mehr und als derjenige, der den Bau der Linie gefördert hat", sagte Ebrard. "Die Behörden, die den schrecklichen Vorfall untersuchen, werden aufklären, was passiert ist. Ich bin bereit, in vollem Umfang zu kooperieren und mitzuarbeiten."

Mit Informationen von Anne Demmer, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Mai 2021 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.