Christina Arellanes im Boot | ard-mexico

Initiative in Mexiko Ein Kollektiv zum Schutz der Mangroven

Stand: 04.11.2021 14:39 Uhr

Mangroven-Wälder sind eine wertvolle Waffe gegen den Klimawandel - sie speichern mehr CO2 als Regenwälder. Doch in Mexiko setzen Pestizide und Bauprojekte dem Ökosystem zu. Auch die Existenz der Fischer-Familien dort ist bedroht.

Von Anne Demmer, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Mangroven säumen die Pastoría-Lagune in Oaxaca, im Süden Mexikos. Die dicken, verzweigten Wurzeln ragen aus dem grün-braunen Wasser. Christina Arellanes lenkt ihr Motorboot in einen schmalen Kanal. Die Mangroven-Bäume formen vor ihr einen Tunnel.

Anne Demmer

Bis zu drei Mal in der Woche fährt sie raus zum Fischen. "Mangroven bedeuten für uns Leben, sie sorgen dafür, dass wir Nahrung haben", erzählt sie. Die Wurzeln seien tief in den Grund vergraben und böten Schutz für die Fische, die Krokodile, die Garnelen, aber auch für die Vögel, die dort ihre Nester bauen.

Mangroven sind eigentlich widerstandsfähig. Sie wachsen dort, wo die Bedingungen für gewöhnliche Bäume tödlich sind: Dort, wo sich das Salzwasser mit Süßwasser mischt. Vor 20 Jahren waren die Lagune und der Mangrovenwald noch völlig intakt. Über 2000 Familien lebten in der Region vom Fischfang.

Mangroven | ard-mexico

Das dichte Netz der Wurzeln bietet auch Schutz bei Sturmfluten. Bild: ard-mexico

Ein Jahr Arbeit, um den Kanal freizulegen

Doch Pestizide von den Feldern der Landwirte, die an der Lagune liegen, haben das Wasser verschmutzt. Außerdem sind ein Zugang zum Meer und ein weiterer Kanal zu einer anderen Lagune verstopft, was den Frischwasserzufluss verhindert. "Im Jahr 2017 sind tonnenweise Fische gestorben. Es gab fast kein Leben mehr", sagte Arellanes.

Sie hat sich mit Frauen aus ihrem Dorf zu einem Kollektiv zusammengeschlossen. Ziel ist der Schutz der Mangroven, denn sie sichern ihre Existenz. Über ein Jahr lang haben die Fischerinnen gebraucht, um den verstopften Kanal zwischen den Lagunen wieder freizulegen. Meter für Meter haben sie Sand abgetragen, abgestorbene Mangroven beseitigt.

Auswirkungen auf die Tiere

Zudem sei auch der illegale Holzeinschlag ein Problem, meint Arellanes, als sie auf das Ufer weist. "Die Menschen hier fällen die Bäume, nicht nur um eigene Häuser zu bauen, sondern auch um sie zu verkaufen." Und das habe Auswirkung für die Tiere, die Lebewesen der Lagune.

"Die Leute sind sich gar nicht darüber bewusst, wie schützenswert die Mangroven sind. Denn der Verlust eines jeden Baumes bedeutet auch den Verlust eines Teils der Lagune", sagt sie.

Christina Arellanes | ard-mexico

Christina Arellanes setzt sich zusammen mit anderen Fischerinnen für den Schutz der Mangroven ein. Bild: ard-mexico

Gebiet ist geschützt - eigentlich

Ohne Mangroven gibt es keine Fische. Eigentlich ist es ein Gebiet, das unter das internationale Ramsa-Abkommen fällt, das Feuchtgebiete schützen soll, erklärt der Mangroven-Experte des mexikanischen Forschungsinstituts Cinvestav, Jorge Herrera.

Mangroven seien zwar gesetzlich geschützt, erklärt er. Aber da Umweltverbrechen nicht als schwerwiegend gelten, gebe es auch viele internationale Unternehmen, die die Mangroven überbauten oder sehr nahe an die Wälder herankämen. "Das hat früher oder später Auswirkungen auf ihren Bestand", sagt der Wissenschaftler. Aber die größte Gefahr würden Hotels darstellen, die in ihrer Nähe gebaut werden.

Bestand um ein Drittel verringert

Nach Angaben des World Wildlife Fund gibt es weltweit noch 14 Millionen Hektar Mangrovenwald. Der Bestand hat sich seit den 1980er-Jahren um mehr als ein Drittel verringert. Ihre Fläche schrumpft damit global drei- bis fünfmal schneller als die des Waldes insgesamt.

Die Mangroven sind nicht nur wichtige Ökosysteme. Durch den Klimawandel leidet auch Mexiko zunehmend an den Folgen von Wirbelstürmen. Da sind die Mangroven ein wichtiger Schutzwall in der Hurrikan-Saison. Außerdem speichern sie pro Hektar mehr CO2 als Regenwälder in den Tropen.

Für den Mangroven-Experten Herrera besteht Hoffnung, wenn unmittelbar gehandelt wird. "Die Mangroven sind ein sehr großmütiges Ökosystem. Wenn man ihm bei der Regenerierung hilft, dann reagiert es sehr schnell."

Über dieses Thema berichtete SWR2 Impuls am 04. November 2021 um 16:05 Uhr.