Eine Smith & Wesson Governor | imago images/ZUMA Wire

Vorwurf illegaler Geschäftspraktiken Mexiko verklagt US-Waffenhersteller

Stand: 05.08.2021 04:27 Uhr

Die mexikanische Regierung hat elf US-Waffenhersteller verklagt und mindestens 10 Milliarden Dollar Schadenersatz gefordert. Der Vorwurf: Mit illegalen Geschäftspraktiken hätten die Waffenschmieden enormes Leid in Mexiko verursacht.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Selbst in den prozessfreudigen USA ist diese Klage ungewöhnlich: Die mexikanische Regierung fordert mindestens 10 Milliarden US-Dollar Schadenersatz von elf Waffenherstellern, darunter Smith&Wesson, Beretta und Glock. Mit ihren fahrlässigen und illegalen Geschäftspraktiken hätten diese Waffenschmieden enormes Leid in Mexiko verursacht, heißt es in der Klageschrift, die jetzt in einem Gericht in Boston eingereicht wurde.

Julia Kastein ARD-Studio Washington

Die Hersteller mit Sitz in den USA würden den illegalen Verkauf ihrer Waffen an Drogenkartelle und andere Kriminelle aus Profitgier aktiv unterstützen - und das müsse ein Ende haben.

Erfolg der Klage fraglich

Allein 2019, schätzt die Regierung in Mexiko, wurden in dem Land 17.000 Tötungsdelikte mit geschmuggelten Waffen verübt - 70 Prozent dieser Waffen stammen demnach aus den USA. Manche Waffen würden sogar speziell so designed, dass sie Kartellmitgliedern gefallen. Als Beispiel wird in der Klage ein Pistole von Colt genannt, die mit den Initialen und Symbolen des mexikanischen Revolutionshelden Emiliano Zapata geschmückt ist. So eine Waffe wurde 2017 für den Auftragsmord an einer Journalistin benutzt.

Neben Geld fordert Mexiko in der Klage auch strengere Verkaufskontrollen und bessere Sicherheits-Vorkehrungen an den Waffen selbst. Die Hersteller selbst reagierten noch nicht auf die Klage. Aber der Handelsverband der Waffenindustrie, die National Shooting Sports Foundation, wies den Vorwurf der Nachlässigkeit zurück.

Ob Mexiko mit der Klage Erfolg hat, ist laut Experten fraglich: Ein Gesetz von 2005 schützt die US-Waffenhersteller bislang vor den meisten Zivilklagen. US-Präsident Biden würde das gerne ändern. Aber eine Mehrheit dafür hat er bislang nicht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. August 2021 um 08:00 Uhr.