Badende am Strand von Acapulco (Mexiko) | DAVID GUZMAN/EPA-EFE/Shutterstoc

Strandurlaub in Mexiko Vor ihnen das Meer, hinter ihnen das Virus

Stand: 09.01.2021 03:53 Uhr

Mexikos Grenzen sind offen, Reisen grundsätzlich erlaubt, obwohl das Land von der Pandemie hart getroffen ist. Seit November kommen mehr und mehr Urlaubsflüge in der Region um Cancun an.

Von Michael Stocks, ARD- Studio Mexiko-Stadt

Dem Lockdown im eigenen Land entfliehen, einfach mal ein paar Tage am Strand entspannen: Auf diese Idee kam auch auch Mexikos Vize-Gesundheitsminister Hugo López-Gatell Ramírez. Der Mann, der sonst angesichts der hohen Infektionszahlen und knapp 130.000 Corona-Toten in Mexiko die Bevölkerung anweist: "Bleiben Sie zuhause!"

Michael Stocks ARD-Studio Rio de Janeiro

Am vergangenen Wochenende wurde er in einem Strandrestaurant in Zipolite im Bundessstaat Oaxaca gesichtet - ohne Mund-Nasen-Schutz.

Das Bild verbreitete sich in den sozialen Medien und die Reaktionen kamen prompt: Die Mexikaner sind wütend. Auf Twitter schreibt ein User: "Wenn Tausende von Ärzten ihre Familien in Mexiko nicht gesehen haben oder sie gar gestorben sind, wenn Zehntausende medizinischer Fachkräfte nicht davon träumen können, Urlaub zu machen, dann kommt so ein Foto wie der blanke Hohn."

Die Strände ziehen Touristen an, als wäre nichts

Aber López-Gatell ist nicht alleine: Mexikos Karibikküste ist derzeit schwer angesagt, auch bei Reisenden aus dem Ausland. Gerade über Weihnachten und Neujahr haben vor allem US-Amerikaner, aber auch Kanadier und Europäer diese Strände als willkommene Abwechslung zu den tristen Lockdowns im eigenen Land ausgemacht und angesteuert.

Viele Fluglinien, auch aus Deutschland, haben ihr Angebot nach Cancun aufgestockt. Allein am 30. Dezember kamen 129 internationale und 85 nationale Flüge in der Region an.

Touristen halten am Strand von Cancun (Mexiko) die Jahreszahlen 2021 in die Höhe | Alonso Cupul/EPA-EFE/Shutterstoc

Ein sorgloser Start am Strand von Cancun ins neue Jahr? Mexiko leidet weiter immens unter der Corona-Pandemie. Bild: Alonso Cupul/EPA-EFE/Shutterstoc

Die "Washington Post" schreibt, dass die Zahl der US-Touristen, die im mexikanischen Bundesstaat Quintana Roo Urlaub machen, um 23 Prozent über der vom Vorjahr liegt. Im November waren es mehr als eine halbe Million US-Touristen, obwohl US-Behörden wie das Center for Disease Control and Prevention von Reisen nach Mexiko abraten.

Bei der Einreise müssen US-Touristen keinen negativen Covid-19-Test vorlegen und auch keine Quarantäne antreten. Und in Cancun und Tulum wird gefeiert und geurlaubt, als ob nichts wäre. Die Hotels in Cancun waren am 30. Dezember zu 63 Prozent ausgelastet. Das liegt noch über der Marke von 60 Prozent, die die mexikanische Regierung als Obergrenze für die Belegung genehmigt hat.

Pfleger fahren einen am Coronavirus Erkrankten in ein Krankenhaus in Mexiko-Stadt | AFP

Die Infektionszahlen in Mexiko bleiben hoch - das Gesundheitssystem ist auch hier äußerst belastet. Bild: AFP

"Was wir hier ermöglichen, ist ein schlimmer Kreislauf"

Zu viele Einnahmen stehen wohl in den Gemeinden auf dem Spiel, in denen die Einkünfte der Menschen bis zu 80 Prozent vom Tourismus abhängen. Während sich Strandverkäufer und Barbesitzer meist mit Mundschutz schützen, unterlassen viele Besucher diese Maßnahme. Für viele scheint die Pandemie am Strand in weite Ferne gerückt zu sein, obwohl Mexiko auf seiner bisher gewaltigsten Corona-Welle reitet. In vielen Teilen des Landes sind die Krankenhäuser überlastet.

Xavier Tello, mexikanischer Analyst der Gesundheitspolitik im Land, erklärt im Interview mit der "New York Times": "Was wir hier ermöglichen, ist ein schlimmer Kreislauf - wenn wir mehr und mehr Menschen anreisen lassen, die von anderen Orten potenziell infektiös sein können und hier mit anderen Menschen zusammenkommen, die das Virus in sich tragen können."

Schlange vor einem Impfzentrum in Monterrey (Mexiko) | Miguel Sierra/EPA-EFE/Shuttersto

Die Impfkampagne in Mexiko hat begonnen - sie soll zunächst das medizinische Personal schützen. Bild: Miguel Sierra/EPA-EFE/Shuttersto

Die Infektions- und Todeszahlen bleiben hoch

Seit Jahresbeginn gab es in Mexiko etwa 50.000 Neuinfektionen und mehr als 3000 Sterbefälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus - so die offiziellen Zahlen. Seit Weihnachten wird auch in Mexiko gegen das Virus geimpft, als erste Gruppe das medizinische Personal.

Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador, der wie sein brasilianischer Kollege Jair Bolsonaro extensives Testen oder das Tragen eines Mundschutzes ablehnt, verteidigte im Übrigen seinen Vizegesundheitsminister. Der habe "extrem hart gearbeitet und seine Verantwortung erfüllt. Es ist gut, dass es eine öffentliche Kontrolle gibt, aber auch Staatsdiener haben Rechte."

Über dieses Thema berichtete die ARD in der Sendung Report Mainz am 09. März 2021 um 21:46 Uhr.