Ghislaine Maxwell (Archivbild: 25.06.2013) | picture alliance/dpa/Unted Natio

US-Missbrauchsprozess Epstein-Vertraute Maxwell schuldig gesprochen

Stand: 30.12.2021 00:26 Uhr

Die Britin Ghislaine Maxwell ist von einem US-Gericht wegen Sexualverbrechen verurteilt worden. Sie soll eine zentrale Rolle beim sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch den US-Multimillionär Jeffrey Epstein gespielt haben.

Die ehemalige Partnerin des verstorbenen US-Multimillionärs Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell, ist wegen Sexualverbrechen schuldig gesprochen worden. Die zwölf Geschworenen des Prozesses vor einem New Yorker Gericht fällten ihr Urteil nach mehrtägigen Beratungen.

In dem seit November laufenden Prozess wurde Maxwell vorgeworfen, als Helferin des bis in höchsten Kreise vernetzten Epsteins eine zentrale Rolle beim Aufbau eines Rings zum sexuellen Missbrauch von Minderjährigen gespielt zu haben. Die 60-Jährige war in sechs Punkten angeklagt, unter anderem wegen Menschenhandels mit Minderjährigen zu Missbrauchszwecken. In fünf dieser Anklagepunkte wurde sie schuldig gesprochen.

Ghislaine Maxwell im Jahr 2013 bei einer Veranstaltung in New York | AFP

Ghislaine Maxwell im Jahr 2013 bei einer Veranstaltung in New York Bild: AFP

Die Vorwürfe drehten sich um vier heute erwachsene Frauen und umfassten einen Zeitraum zwischen 1994 und 2004.  Die Frauen sagten aus, Maxwell habe ihren Charme und Geschenke eingesetzt, um das Vertrauen der damals nopch jungen Mädchen zu gewinnen. Maxwell habe sie dazu gebracht, Epstein zu massieren. Das sei dann zu einem sexuellen Akt geworden. Maxwell wurde auch vorgeworfen, sich direkt an sexuellem Missbrauch beteiligt zu haben.

Maxwell verzichtete auf Aussage

Maxwell hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und während des Prozesses auf eine Aussage verzichtet. Nun droht ihr eine längere Haftstrafe - das Strafmaß wird Richterin Alison Nathan zu einem späteren Zeitpunkt festsetzen.

Die Verteidigung hatte den Fall von Beginn an als juristische Abrechnung und Stellvertreterprozess dargestellt, da die Staatsanwaltschaft Epstein selbst nicht mehr belangen konnte. Der 66-Jährige war während der Vorbereitung auf den Missbrauchsprozess gegen ihn im August 2019 erhängt in seiner Gefängniszelle gefunden worden.

Anklage nennt Maxwell "raffinierte Sexualstraftäterin"

Die Anklage hatte dagegen schwere Vorwürfe gegen Maxwell wegen sexuellen Missbrauchs erhoben. Maxwell sei "gefährlich" und eine "raffinierte Sexualstraftäterin", hatte Staatsanwältin Alison Moe vor Weihnachten in ihrem Schlussplädoyer gesagt. "Sie hat ihre Opfer manipuliert und sie auf sexuellen Missbrauch vorbereitet", so die Anklage weiter. Maxwell sei "schick" und "lächelnd" aufgetreten und habe so die mutmaßlichen Opfer, die oft aus problematischen Verhältnissen stammten, in eine Falle gelockt.

Maxwells Verteidigerin Laura Menninger dagegen sagte, ihre Mandantin sei "eine unschuldige Frau, zu Unrecht Verbrechen bezichtigt, die sie nicht begangen hat". Die Anklage der Staatsanwaltschaft basiere auf fehlerhaften Erinnerungen.

Missbrauch über Jahrzehnte

Maxwell ist die Tochter des 1991 verstorbenen, legendären britischen Verlegers Robert Maxwell und kam Anfang der 90er Jahre nach New York. Sie traf Epstein auf einer der zahlreichen Promi-Partys und war damals zeitweise seine Freundin. Das Umfeld Epsteins beschrieb ihre Rolle in seinem Leben als eine Mischung aus Angestellter und bester Freundin.

Der Missbrauch zahlreicher Minderjähriger durch Epstein soll über Jahrzehnte auf seinen Anwesen in New York, Florida, Santa Fe oder den Virgin Islands stattgefunden haben. Der Fall hatte in den USA auch deshalb hohe Wellen geschlagen, weil der schwerreiche Unternehmer mit Prominenten wie den Ex-Präsidenten Bill Clinton und Donald Trump, Milliardär Bill Gates oder dem britischen Prinz Andrew bekannt war.

Gegen Maxwell gibt es noch ein weiteres Gerichtsverfahren. In einem Prozess soll es um den Vorwurf des Meineids gehen. Zudem gibt es Klagen, bei denen es um Maxwell und Epstein geht. Unter anderem klagt eine Frau, dass sie als 17-Jährige zu sexuellen Begegnungen mit Prinz Andrew gezwungen worden sei. Andrew hat das bestritten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Dezember 2021 um 08:00 Uhr.