Abtreibungsgegner nehmen an der Demonstration "March for Life" ("Marsch für das Leben") und marschieren in Richtung des Obersten Gerichtshofs der USA.

"Marsch für das Leben" Abtreibungsgegner feiern ihren Sieg

Stand: 20.01.2023 21:43 Uhr

In Washington veranstalten Abtreibungsgegner jährlich den "Marsch für das Leben". In diesem Jahr feierten sie die Aufhebung des landesweiten Rechts auf Abtreibung in den USA.

Beim jährlichen "Marsch für das Leben" in Washington haben US-Abtreibungsgegner ihren Sieg vor dem Obersten Gerichtshof gefeiert. Das Urteil im Sommer habe das Abtreibungsrecht "zurück in die Hände des Volkes gelegt", hieß es bei der Kundgebung.

Trotz der zehntausenden Teilnehmer bei der Kundgebung hält Umfragen zufolge eine deutliche Mehrheit der US-Bürger die Aufhebung des Urteils für falsch. US-Präsident Joe Biden hatte angekündigt, er werde alles in seiner Macht Stehende tun, um das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch landesweit wiederherzustellen.

Arne Bartram, ARD Washington, zu den Zielen der Bewegung "March for Life"

tagesschau24 18:00 Uhr

Demonstranten wollen Druck auf Kongress machen

Auf dem ersten "March for Life" seit der Aufhebung des Urteils Roe v. Wade bemühten sich die Teilnehmer um einen neuen Schwerpunkt. Sie richteten ihre Aufmerksamkeit nicht auf den Supreme Court, sondern auf das Gebäude direkt gegenüber: das US-Kapitol.

Die Anführer der Bewegung wollen den Kongress davor warnen, die zahlreichen Abtreibungsverbote einzuschränken, die in den vergangenen Monaten in einem Dutzend US-Staaten verhängt wurden.

"Wir haben die Abtreibungspolitik wieder in die Hände des Volkes gelegt - in eure Hände", sagte die Generalstaatsanwältin von Mississippi, Lynn Fitch, deren Büro den Fall vertrat, der Roe v. Wade zu Fall brachte, laut vorab verbreitetem Manuskript an die Menge gerichtet.

In seiner Predigt während des Eröffnungsgottesdienstes am Donnerstagabend hatte Bischof Michael Burbidge zuvor das Ende des jahrzehntelang gültigen Richterspruchs als Anlass zum Feiern gewertet. Dieser "Schandfleck" existiere nicht mehr im Rechtssystem der USA, so der Bischof von Arlington.

McCarthy versichert Abtreibungsgegnern Unterstützung

Der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Kevin McCarthy, bot in einer Mitteilung den Demonstranten seine Unterstützung an und versicherte, die neue republikanische Mehrheit stehe auf der Seite der Abtreibungsgegner.

Die Präsidentin des "March for Life Education and Defense Funds", Jeanne Mancini, sagte, die Veranstaltung erinnere an die Millionen Menschenleben, die in den vergangenen 50 Jahren durch Abtreibung verloren gegangen seien. Man wolle aber auch feiern, wie weit man gekommen sei und worauf die Bewegung sich in der Zukunft konzentrieren müsse.

Verbot nach 13 Schwangerschaftswochen vorgeschlagen

Einige Aktivisten hofften, im Kongress den Grundstein für eine US-weite Einschränkung von Schwangerschaftsabbrüchen zu legen. Die Präsidentin von SBA Pro-Life America, Marjorie Dannenfelser, sagte, sie könne sich eine landesweite Regelung vorstellen, bei der eine Abtreibung nach 13 Schwangerschaftswochen in allen US-Staaten verboten wäre.

Dannenfelsers Szenario würde es den einzelnen Staaten immer noch ermöglichen, eigene, strengere Maßnahmen zu ergreifen, bis hin zu einem vollständigen Verbot. "Wir wissen, dass es nicht mehr in dieser Legislaturperiode passieren wird, aber dies ist ein Anfang", so Dannenfelser. "Es liegt in der Verantwortung (des Kongresses), auf den Willen des Volkes zu hören."

Laut einer im Juli durchgeführten Umfrage der Nachrichtenagentur AP und des NORC Centers for Public Affairs Research lehnten allerdings 53 Prozent der erwachsenen US-Bürger die Aufhebung des Roe-Urteils durch den Obersten Gerichtshof ab; nur 30 Prozent waren dafür.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieser Meldung hieß es, Abtreibungsgegner hätten die Aufhebung des landesweiten Abtreibungsverbots gefeiert. Richtig ist dagegen, dass die Abtreibungsgegner die Aufhebung des landesweiten Rechts auf Abtreibung feierten. Wir haben die Meldung entsprechend korrigiert.

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Januar 2023 um 01:17 Uhr.