Mahnmal für die Opfer von Sklaverei und Lynchjustiz in Mongomery (US-Bundesstaat Alabama) | picture alliance/AP Photo

US-Senat verabschiedet Gesetz Lynchjustiz gilt als Hassverbrechen

Stand: 08.03.2022 17:54 Uhr

Es gilt als Meilenstein: Der US-Senat hat ein Gesetz verabschiedet, das Lynchjustiz als Hassverbrechen einstuft. Das heißt, ihnen wird eine besondere Schwere der Tat beigemessen. Bis zu 30 Jahre Haft sieht das Gesetz vor.

Der US-Senat hat einen Gesetzentwurf verabschiedet, der Lynchjustiz auf Bundesebene zu einem Hassverbrechen erklärt und damit unter besonders schwere Strafe stellt. Es sieht eine Höchststrafe von 30 Jahren vor. Das nach dem 1955 gelynchten schwarzen Jugendlichen Emmett Till benannte Gesetz wurde am Montagabend (Ortszeit) im Senat einstimmig angenommen. Da das Repräsentantenhaus dem Text bereits zugestimmt hat, fehlt nun nur noch die Unterschrift von Präsident Joe Biden, um das Gesetz in Kraft zu setzen.

Dauerte 100 Jahre - "ein Makel für Amerika"

Vor mehr als 100 Jahren wurde der erste Gesetzentwurf eingebracht - bisher immer ohne Erfolg. Zum überwiegenden Teil waren und sind schwarze Amerikaner Opfer von Lynchmorden. Kein Gesetz könne den Schmerz der Hinterbliebenen und der Gemeinschaft schwarzer Amerikaner umkehren, sagte US-Senator Corry Booker. Aber die Gesetzgebung sei für Amerika ein wichtiger Schritt, um zu heilen. Booker spricht von der rassistischen Gewalt, die die Geschichte des Landes durchdrungen habe.

Und der Mehrheitsführer der Demokraten in der Kongresskammer, Chuck Schumer, erklärte: "Nach mehr als 100 Jahren und mehr als 200 gescheiterten Versuchen, das Lynchen zu verbieten, hat der Senat in einem seit langem überfälligen Schritt das Emmett-Till-Anti-Lynchen-Gesetz beschlossen. Das ist ein wichtiger Schritt, aber dass es so lange gedauert hat, ist ein Makel für Amerika."

Dunkelste Kapitel der US-Geschichte

Rassistisch motivierte Lynchmorde gehören zum dunkelsten Kapitel der US-Geschichte. Der Fall Emmett Tillist ist besonders bekannt: 1955 war der 14-jährige Teenager aus Chicago bei einem Verwandtenbesuch in Mississippi ermordet worden, nachdem er angeblich einer weißen Frau hinterhergepfiffen und sie berührt hatte. Die beiden weißen Täter wurden von einer Jury mit ausschließlich weißen Geschworenen freigesprochen, später gestanden sie die Tat in einem Interview.

Der Mord an Till zählt zu den berüchtigsten Verbrechen aus der Epoche der Rassentrennung und fachte die Bewegung für die Bürgerrechte der Schwarzen in den Südstaaten an. Tills Mutter hatte darauf beharrt, dass ihr toter Sohn in einem offenen Sarg aufgebahrt wird, damit die Brutalität des Mordes publik wird.

Mahnmal wird nicht staatlich getragen

Noch immer fällt es den Vereinigten Staaten schwer, sich der Verantwortung für die Verbrechen der Vergangenheit zu stellen. Im April 2018 hatte in Montgomery im US-Bundesstaat Alabama ein nationales Mahnmal eröffnet, dass an Tausende schwarze Amerikaner erinnert, die gejagt, verfolgt und gelyncht wurden. Die beeindruckende Gedenkstätte wird nicht staatlich getragen, sondern geht auf die Initiative für Gleichheit und Gerechtigkeit des Bürgerrechtlers und Anwalts Bryan Stevenson zurück.

Mit Informationen von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Radio am 08. März 2022 um 19:40 Uhr.