Polizisten fahren an protestierenden Menschen in Havanna, Kuba, vorbei | REUTERS

Anti-Regierungsdemonstrationen Ein Toter bei Protesten in Kuba

Stand: 14.07.2021 07:56 Uhr

Es sind die größten Anti-Regierungsproteste in Kuba seit Jahrzehnten und sie gehen mit zahlreichen Festnahmen und nun auch einem ersten offiziellen Todesopfer einher. Mehrere Verletzte kamen in Krankenhäuser.

Bei den regierungskritischen Protesten in Kuba hat es ein erstes Todesopfer gegeben. Am Stadtrand von Havanna ist nach Angaben des kubanischen Innenministeriums ein Mann ums Leben gekommen. Es handele sich um einen 36-Jährigen, der sich an den derzeitigen Unruhen in Kuba beteiligt habe, berichtete die staatliche kubanische Nachrichtenagentur. Mehrere Bürger sowie Sicherheitsbeamte seien verletzt und ins Krankenhaus gebracht worden, hieß es weiter. "Organisierte Gruppen von antisozialen und kriminellen Elementen" hätten versucht, die Polizeistation des Vororts La Guinera anzugreifen. Das Innenministerium "bedauerte" den Tod des Mannes.

Die Nachricht war die erste offizielle Bestätigung eines Todesfalls während der Unruhen in Kuba, die am Sonntag mit landesweiten Protesten ausgebrochen waren. Die größten Anti-Regierungsproteste seit Jahrzehnten entzündeten sich an der Wirtschaftskrise und dem Umgang mit der Corona-Pandemie. Die Behörden des Karibikstaats gehen nach Aussagen von Aktivisten brutal gegen die Demonstranten vor. 144 Menschen wurden laut der Protestbewegung San Isidro festgenommen oder gelten als vermisst. 

Festnahme live im spanischen Fernsehen

Eine YouTuberin wurde dabei live im spanischen Fernsehen festgenommen. Mitten in der Sendung "Todo es Mentira" des spanischen Senders Cuatro am Dienstag unterbrach die junge Frau, die sich Dina Stars nennt, plötzlich einen anderen Gast und sagte: "Die Sicherheitskräfte sind da draußen." Die Kubanerin ging an die Tür ihrer Wohnung in Havanna, trat kurz darauf wieder vor die Kamera und erklärte, sie werde mitgenommen. "Ich mache die Regierung dafür verantwortlich, was auch immer mit mir passiert", sagte sie.

Zuvor hatte Dina Stars in dem Interview zu den Demonstrationen gesagt: "Wir brauchen Hilfe. Hier werden die Leute umgebracht." Die Menschen hätten nichts mehr zu verlieren, betonte sie. "Die Leute in Kuba sterben - entweder verhungern sie oder sie werden krank, weil es keine Medikamente gibt, oder sie werden in einer Demonstration umgebracht."

Angesichts der Proteste schränkte das lateinamerikanische Land offenbar den Zugang zu sozialen Medien und Messaging-Diensten ein. So seien Facebook und die zum Konzern gehörenden Instragram und WhatsApp sowie Telegram seit Montag teilweise blockiert, berichtete NetBlocks, eine Internet-Beobachtungsfirma mit Sitz in London. Eine Stellungnahme der kubanischen Regierung dazu gab es bislang nicht. Auch von Telegram und Facebook gab es zunächst keinen Kommentar. Twitter erklärte, keine Störungen festgestellt zu haben.

Die USA forderten das Land auf, die Beschränkungen im Netz aufzuheben und die "Stimme der Menschen zu respektieren". Es müsse der Zugang zu "allen Kommunikationsmitteln" gewährt werden, "online und offline", betonte US-Außenamtssprecher Ned Price. Zuvor hatte US-Präsident Joe Biden seine Unterstützung für die Demonstranten in Kuba bekundet.

US-Heimatschutzminister Alejandro Mayorkas warnte Kubaner unterdessen, wegen der Situation in ihrem Land die gefährliche Flucht über den Seeweg in die USA zu versuchen. "Egal welche Nationalität sie haben - Migranten, die auf See abgefangen werden, wird die Einreise in die Vereinigten Staaten nicht erlaubt", stellte Mayorkas klar. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Juli 2021 um 09:00 Uhr.