Menschen gehen mit Mund-Nasen-Schutz über einen Platz in Havanna (Archivbild).

Corona-Schutz auf Kuba Impftouristen herzlich willkommen

Stand: 05.05.2021 04:12 Uhr

Strände, Cocktails, Impfstoffe - damit will Kuba Touristen anlocken. Aber nun soll erst einmal mit der Impfung der Bevölkerung begonnen werden. Geplant sind Massenimpfungen mit einem eigenen Vakzin.

Von Anne Demmer, ARD-Studio Mexiko

Der Werbefilm ist fertig. "Kuba hat einen eigenen Impfstoff. Soberana." So heißt es in dem Lied, das für das kubanischen Corona-Vakzin wirbt. Im Mai sollen in Havanna die ersten 1,7 Millionen Kubanerinnen und Kubaner im Rahmen einer breit angelegten Studie ihre erste Spritze bekommen. Das Tourismus-Ministerium der sozialistischen Karibikinsel wirbt bereits mit der Impfung unter Palmen.

Anne Demmer

Derzeit sind die weißen Sandstrände Corona-bedingt aber noch leer. Argel Nonell Curbelo hat seit Monaten keine Touristen mehr durch Havanna geführt - und entsprechend nichts verdient. Er arbeitet für eine staatliche Reiseagentur. "Der kubanische Impfstoff wird dabei helfen, das Virus einzudämmen", sagt er. Das werde man sicher auch im Ausland beobachten. "Das wird den Touristen Vertrauen und ein Gefühl von Sicherheit geben. Das ist sicherlich der einzige Weg."

Zunächst aber müsse der kubanische Impfstoff jedoch erst einmal seine Effizienz unter Beweis stellen, findet Argel. Dennoch hofft er auf den Impftourismus. Länder wie Russland machen es bereits vor.

Früher Zahnbehandlung, nun Corona-Impfung

Allerdings hat Argel von konkreten Plänen der kubanischen Regierung diesbezüglich noch nichts gehört. Dabei hat Kuba Erfahrung mit Gesundheitstourismus. Schon vor der Pandemie nutzten Ausländer den Aufenthalt auf der Insel, um etwa ihre Netzhaut behandeln oder ihre Zähne machen zu lassen.

Doch bis zur Corona-Impfung am karibischen Strand scheint es noch ein weiter Weg. Die Wirksamkeit des Vakzins Soberana 2 wurde zunächst an über 90.000 Testkandidaten erprobt. Ebenso der zweite, in der Phase drei befindliche, kubanische Impfstoff Abdala.

Die Familienärztin Griezel Domínguez war eine der Freiwilligen, die sich impfen ließen. Nebenwirkungen habe sie nicht gespürt. Ihren richtigen Namen will sie trotzdem nicht nennen. "Wir verfügen hier über ein extrem wichtiges intellektuelles Kapital. Aber wir haben keine Ressourcen. Trotzdem waren wir in der Lage, den Impfstoff zu entwickeln", sagt sie. "Aber für den nächsten Schritt bräuchten wir schon noch Unterstützung."

Unterstützung aus der Schweiz

Die Hilfe kommt zum Teil aus der Schweiz. Allein im vergangenen Jahr unterstützte das Land die kubanische Impfkampagne mit rund 700.000 US-Dollar. Dafür hatte das Gesundheitsministerium von Kuba einen offiziellen Antrag gestellt. Mit dem Geld sollen Spritzen und die Nadeln dafür beschafft werden.

Denn das US-Embargo ist auch bei der Impfstoffentwicklung ein Hindernis, sagt Peter Tschumi, Chef der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit auf Kuba: "Weil gerade unter der vorherigen Administration Trump waren die Einschränkungen noch einmal sehr stark verschärft worden, und das betrifft auch essentielle Importe für diese Impfungen", sagt er. Dies sei ein zusätzliches Hindernis. Gleichwohl sei es nicht so, dass es nicht zustande kommen werde. "Es wird ein bisschen verlangsamt und es geht vielleicht auch nicht so perfekt", sagt Tschumi. "Aber es wird zustande kommen, da bin ich überzeugt."

Ziel: 100 Millionen Impfdosen

Sobald der Impfstoff zugelassen ist, sollen bis Ende des Jahres zunächst die 11,5 Millionen Kubanerinnen und Kubaner durchgeimpft werden. Insgesamt 100 Millionen Impfdosen sollen produziert werden, so der ambitionierte Plan.

Sollte die Karibikinsel erfolgreich sein, wäre Kuba das erste lateinamerikanische Land mit einem eigenen Corona-Impfstoff. Auch wenn es für den Impftourismus am Ende des Jahres schon zu spät sein könnte, weil die meisten Europäer ihre Spritze dann bereits in ihrer Heimat bekommen haben, sieht Tschumi für den Export durchaus Potential. "Wir wissen: Gerade Länder mit weniger Ressourcen, die kriegen jetzt fast noch keinen Impfstoff, auch von den internationalen Kampagnen", sagt er. "Die kriegen nicht das, was versprochen wurde, weil die Industrieländern doch erstmal an sich selbst denken."

Daher komme der Impfstoff noch richtig, zur richtigen Zeit, gerade für Lateinamerika, meint Tschumi. "Für viele Länder wird das immer noch ein sehr, sehr willkommener Impfstoff sein." Die WHO hat bislang noch kein grünes Licht gegeben. Mit einer Zulassung wird aber in einigen Monaten gerechnet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur in der Weltzeit am 27. April 2021.